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Rauschenberger können mitverdienen

Energiewende Rauschenberger können mitverdienen

Die Stadt Rauschenberg verfolgt in Sachen Windkraft ehrgeizige Ziele. Ein großer Teil der Wertschöpfung aus dem geplanten neuen Windpark soll in der Stadt bleiben.

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Die Einwohner von Speckswinkel und Erksdorf tragen die Lasten des dortigen Windparks, ohne von den 19 Windrädern materiell zu profitieren. In Rauschenberg soll das ganz anders sein.
Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. Diese politische Vorgabe des Stadtparlaments kann Rauschenberg nun umsetzen. Dies ergaben die Vertragsverhandlungen mit der Breidenbacher Firma Krug, Partner der Stadt für die Realisierung eines Windparks mit vier Anlagen im Rauschenberger Stadtwald.

Das Unternehmen aus dem Hinterland entwickelt und plant den Windpark auf eigenes Risiko und wird dort, sobald Baurecht vorliegt, auch vier Windräder bauen. „Spätestens ein Jahr nach Inbetriebnahme des Windparks können wir zwei Windräder zum tatsächlichen Herstellungspreis erwerben. Ich kenne kein vergleichbar gutes Angebot eines Projektierers, für die Beteiligung von Bürgern und Kommunen an einem Windkraft-Projekt“, sagte Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) gestern im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Firma Krug wolle zwei Windräder selbst betreiben. Damit bleibe die komplette Wertschöpfung aus dem zweiten Rauschenberger Windpark in der Region, erklärte Michael Emmerich.

Für die Kommunalisierung der beiden anderen Windräder - Investitionsvolumen für diese 8 bis 9 Millionen Euro - werde sich die Stadt der Energiegenosssenschaft Marburg-Biedenkopf bedienen. „Die Gründung einer eigenen Windenergie-Genossenschaft würde uns organisatorisch überfordern, da für das Nahwärmeprojekt für die Kernstadt ohnehin die Gründung einer weiteren Genossenschaft ansteht“, erklärte der Bürgermeister.

Die Rauschenberger können Mitglied der Energiegenossenschaft werden und sich mit zweckgebundenen Mitteln an der Finanzierung des Rauschenberger Windparks beteiligen und von den Erlösen eines Windrades profitieren, skizzierte Emmerich den Weg. Das zweite Windrad wolle sich die Stadt sichern. Dazu müsse eine stadteigene GmbH gegründet werden, die den Ankauf des Windrades über Kredite finanziere. Die Stadt müsse für die Kredite bürgen. So werde erreicht, dass die Kredite nicht haushaltswirksam werden.

Allerdings sieht der Bürgermeister noch einige Hürden für das Projekt. Das Ergebnis der seit dem 1. August laufenden naturschutzfachlichen Untersuchungen müsse ebenso abgewartet werden, wie eine Windstudie. Bisher gebe es eine Windprognose für den Standort Roteküppel von 5,75 Metern pro Sekunde, wobei schon eine zehnprozentige Sicherheitsreserve eingerechnet sei, erklärte Michael Emmerich. Damit liege der Standort über dem Mindestwert.

Viel größere Sorgen macht ihm eine parlamentarische Altlast aus dem Jahr 2002. Damals hatte die Stadtverordnetenversammlung im Zusammenhang mit dem Windpark „Auf der Hecke“ zwischen Ernsthausen und Josbach das komplette restliche Stadtgebiet für Windkraftanlagen gesperrt. Dieser Beschluss war bei den Vorplanungen zu Roteküppel in den vergangenen drei Jahren nicht einmal thematisiert worden. Bei einem Vorgespräch sei er von einem Mitarbeiter des Regierungspräsidiums auf diesen Beschluss hingewiesen worden, sagte Emmerich der OP.

Das Problem: Die Stadtverordneten können diesen Beschluss nicht einfach aufheben. Einziger Ausweg: Eine Teiländerung des Flächennutzungsplans. Verfahrensdauer: Ein gutes Jahr. Und das ist ein wichtiges Jahr, denn 2015 wird die Windkraft-Förderung nach dem EEH-Gesetz um 8 Prozent gesenkt. Möglicherweise könne dieser Verlust durch eine Verbilligung der derzeit hochpreisigen Anlagen reduziert werden, sagte der Bürgermeister.

In den Abständen zur Wohnbebauung sieht Emmerch keine Probleme. Das nächste Windrad trenne 1200 Meter vom Ortseingang von Rauschenberg; zu Sindersfeld betrage der Abstand mehr als 1000 Meter. Gleichwohl wolle die Stadt auch die Bürger von Sindersfeld und Himmelsberg am 30. September zur Windkraft-Bürgerversammlung einladen. Diese beginnt um 19 Uhr im Ernsthäuser Storchennest.

von Matthias Mayer

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