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Rauschenberg setzt auf Baurausch

Neubaugebiete in allen Stadtteilen Rauschenberg setzt auf Baurausch

Die Stadt Rauschenberg geht im Kampf gegen sinkende Einwohnerzahlen in die Offensive. Mit drei Neubaugebieten sollen abgewanderte nach Rauschenberg zurückgeholt und Zuzügler gewonnen werden.

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Rauschenberg legt 535.000 Euro drauf

Diese Teilansicht zeigt die Lage des 4,5 Hektar großen möglichen Rauschenberger Neubaugebiets.  Das bis zu 280 Meter hoch gelegene Areal endet an dem Gehölzstreifen.

Quelle: Matthias Mayer

Josbach. Das Parlament hatte am 12. Dezember 2016 auf Antrag der CDU den Magistrat einstimmig aufgefordert, in der Kernstadt zu prüfen, ob dort ein Neubaugebiet entwickelt werden kann. In der Stadt befinden sich die wenigen noch vorhandenen Bauplätze in privater Hand.

Kein Jahr später hat Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) geliefert. Er stellte am Montagabend den im Bürgerhaus Josbach unter Vorsitz des Stadtverordnetenvorstehers Norbert Ruhl tagenden Parlamentariern Pläne für ein 4,5 Hektar großes Neubaugebiet für 45 Bauplätze in der Kernstadt vor. Das potenzielle Baugebiet befindet sich in der Gemarkung „Auf dem Kalk“ unterhalb der Grillhütte auf leer geräumten  landwirtschaftlichen Flächen, die talwärts durch einen breiten Gehölzstreifen begrenzt wird.

Aber auch in den Stadtteilen Ernsthausen und Albshausen möchte die Stadt Neubaugebiete entwickeln, berichtete der Bürgermeister. Damit verfügten alle Rauschenberger Stadtteile, mit Ausnahme des Weilers Wolfskaute, über städtische Baugebiete. In Josbach und in Schwabendorf bestehen Neubaugebiete, in Bracht und in Bracht-Siedlung sind diese in Arbeit.

430.800 Euro für den Grundstückskauf

Die Entwicklung von Wohngebieten in der Kernstadt sei immer wieder an fehlenden Flächen gescheitert. Jetzt sei es dem Magistrat gelungen, fünf Grundeigentümer zu finden, die allesamt bereit seien, ihre nebeneinander liegenden Grundstücke zum Preis von 10 Euro pro Quadratmeter an die Stadt zu verkaufen.

Der entsprechende Antrag des Magistrats bat das Parlament, die Haushaltsmittel für den Ankauf der Grundstücke in Höhe von 430.800 Euro plus 25.838 Euro Grunderwerbssteuer im Investitionshaushalt 2019 einzustellen. Der Kaufpreis soll zum 30. Juni fließen. Michael Emmerich zeigte sich ob der positiven Erfahrungen in Schwabendorf und der Nachfrage im Brachter Baugebiet zuversichtlich, dass ein großes Neubaugebiet in der Kernstadt nachgefragt werde.

Die Stadt bekomme immer wieder Anfragen nach Bauplätzen in der Kernstadt und müsse stets auf den Eigentümer von Bauland in Rauschenberg verweisen. „Wenn wir jetzt 45 neue Bauplätze entwickeln, haben wir für eine Dekade Ruhe“, mutmaßte der Kämmerer.

Eine komplette Machbarkeitsstudie liegt vor

„Wir müssen investieren, bekommen aber viel zurück“, sagte Emmerich unter Hinweis auf die Tatsache, dass auch in Rauschenberg der Einkommenssteueranteil entscheidender Einnahmefaktor geworden sei. 45 neue Haushalte stünden auch für mindestens 45 neue Einkommenssteuerzahler, von denen die Stadt finanziell profitieren werde.

Der Bürgermeister hatte nicht nur eine Ideenskizze, sondern auch eine komplette Machbarkeitsstudie zu dem Projekt mitgebracht. Das sei in seinem kommunalpolitischen Erleben einzigartig für ein Vorhaben in diesem frühen Stadium, sagte Michael Emmerich.

Die Studie zeigt auf, dass eine Wohngebietsentwicklung in dem Gebiet grundsätzlich möglich ist, „aber einige Sachverhalte erst während der durchzuführenden Bauleitplanung (...) geklärt werden können.“ „Wir tragen ein gewisses Risiko“, bekannte Michael Emmerich, betonte aber, dass jede Bauleitplanung einem Restrisiko unterliege. Im Vergleich zur komplizierten Bauleitplanung am Feldweg sei das Risiko Auf dem Kalk minimal.

Der von den Bündnisgrünen dominierte Rauschenberger Ortsbeirat hatte sich gegenüber dem Projekt mit einem entschiedenen „ja, aber“ positioniert.  Dem entsprechend wollte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Stefan Seibert der Mittelfreigabe noch nicht zustimmen. Stattdessen beantragte er, das Thema gleich in zwei Ausschüsse zu überweisen: Haupt und Finanz, sowie Umwelt, Landwirtschaft und Bauwesen. Er begründete  dies mit mit dem verbleibenden Restrisiko.

Mit einem emotionalen Redebeitrag warb der Stadtverordnete Andreas Pigulla für das Projekt. Die CDU freue sich, dass es innerhalb eines Jahres gelungen sei, den Antrag der Fraktion umzusetzen. Das letzte städtische Baugebiet in der Kernstadt sei 1989 ausverkauft gewesen. Mit dem Ergebnis, dass der Großteil seiner Generation Rauschenberg verlassen habe.

Was in der Nachbarschaft selbst in abgelegenen Orten funktioniere, werde in der Kernstadt mit ihrer familienfreundlichen Infrastruktur erst recht laufen. Familien mit Kindern füllten Kindergärten und Schulen und sicherten deren Bestand. Und sie senkten den Altersdurchschnitt der Einwohner. „Wir dürfen diese Chance zur Entwicklung der Stadt nicht verschlafen“, sagte Andreas Pigulla und forderte zu einer konstruktiven und zielorientierten Zusammenarbeit auf.

Zustimmung für Ernsthausen und Albshausen

Der Bürgermeister erklärte, dass man das Projekt in den Ausschüssen beraten könne, stellte aber indirekt die Sinnhaftigkeit des Unterfangens in Frage. Es werde in den Beratungen nicht eine Information geben, die nicht schon in der Machbarkeitsstudie stehe. Den Grünen warf er vor, ohne jeden realen Hintergrund die Erschließungskosten auf Facebook mit zwei Millionen Euro angegeben zu haben.

Während das Rauschenberger Baugebiet in die Beratungsrunden geht, kann mit den Bauleitplanungen für die neuen Wohngebiete in Ernsthausen und in Albshausen begonnen werden. Die Stadtverordneten stimmten einstimmig der Bereitstellung von Haushaltsmitteln zum Ankauf der Grundstücke 2019 zu.

In Ernsthausen sind das 54.836 Euro für ein 9.804 Quadratmeter großes Grundstück, das die erforderliche Ausgleichsfläche von etwa 3.500 Quadratmetern gleich mitbringt. Das längliche Baugebiet liegt an der Straße Auf der Trift unweit der Einmündung in die Wolferoder Straße und lässt sich, so der Bürgermeister, mit geringem Aufwand erschließen. Die acht Bauplätze werden eine Größe von je rund 800 Quadratmetern haben.

In Albshausesn soll das neue Baugebiet an beiden Seiten der Straße Zur Feldlücke entstehen – jeweils ab der jetzigen Bebauungsgrenze Richtung Feld. Die beiden Flächen sind je 2.400 Quadratmeter groß und bieten zusammen Platz für sechs Bauplätze. Die Erschließung erfolgt über die Brückenstraße. Für den Grundstückserwerb werden 33.600 Euro fällig. 

von Matthias Mayer

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