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Das Ziel heißt 200 Anschlüsse

Nahwärme in Rauschenberg Das Ziel heißt 200 Anschlüsse

Rauschenberg ist die erste und bislang einzige Bioenergiestadt Deutschlands. Jetzt geht das ­ehrgeizige Nahwärme­projekt in die zweite, aber möglicherweise nicht letzte Phase.

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Ein schon fast vergessenes Bild für die Rauschenberger: Die Bahnhofstraße wird wieder für die Nahwärme aufgerissen. Diesmal geht es um den zweiten Bauabschnitt des Nahwärmenetzes.

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg. Gebaut wird eine zweite Trasse mit einer Länge von 3,150 Kilometern, an die nach dem jetzigen Stand 46 Häuser angeschlossen werden. Das Rauschenberger Nahwärmenetz wächst mit der Erweiterung auf knapp 14 Kilometer. Das teilte Axel Schmidt, Vorstandsmitglied der Genossenschaft Nahwärme Rauschenberg, zum offiziellen Baustart des zweiten Bauabschnitts mit. Die Genossenschaft investiert 1,45 Millionen Euro in das Vorhaben, erwartet aber einen Landeszuschuss in Höhe von 300.000 Euro.

Von zentraler Bedeutung für das Projekt ist der Bau des Holzhackschnitzel-Heizwerks am Festplatz, für das Baurecht besteht. Die Bauarbeiten für die beiden Öfen sollen im kommenden Jahr beginnen, sobald es die Witterung ermöglicht, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Bartelmeß. Nach dem Bauzeitenplan wird das Heizwerk mit seinen beiden Öfen zu Beginn der Heizperiode 2018/2019 ans Netz gehen. „Wenn das so weit ist, haben wir alles gehalten, was wir unseren Genossenschaftsmitgliedern versprochen haben“, erklärte der aus dem Stadtteil Ernsthausen stammende Architekt.

Derweil schaute Axel Schmidt schon in die weitere Zukunft. Das zu bauende Gebäude am Festplatz biete Platz für einen dritten Ofen und damit Heizkapazität für einen dritten Bauabschnitt. Der werde spätestens dann gebraucht, wenn das dringend benötigte Neubaugebiet für die Kernstadt baureif sei, sagte Axel Schmidt.

Zunächst gelten die baulichen Aktivitäten der Verdichtung an der vorhandenen Trasse. Das bedeutet: Nachzügler, die sich während der Bauphase nicht für die Nahwärme entschieden haben, werden jetzt an das Netz angeschlossen. Davon sind derzeit die Straßen auf dem Flur und Albert-Schweitzer-Straße betroffen.

„Wir nehmen jeden Anschlusswilligen mit, solange die Gräben noch offen sind und sofern das wirtschaftlich darstellbar ist“, versprach Axel Schmidt. Dass die noch unentschlossenen Hauseigentümer sich mit der Nahwärme etwas Gutes tun, schilderte er am Beispiel eines Rauschenbergers, der seine hohe Kosten im Unterhalt erzeugende Nachtspeicherheizung gegen die Nahwärme tauschte und anschließend problemlos einen Käufer für sein Haus fand. Die ökologisch erzeugte Nahwärme sei inzwischen ein Wertfaktor für jedes Haus.

Wärmepreis sinkt mit jedem neuen Abnehmer

Wie gut Ökologie und Ökonomie zusammenpassen können, zeigt das Beispiel der kreiseigenen Rauschenberger Sporthalle. Die wird bislang mit Strom beheizt, wobei in der eigentlichen Halle eine elektrische Warmluftheizung die eigentliche Halle temperiert. Das ist in Kürze Geschichte. Von der Breslauer Straße aus wurde das große Gebäude an das Nahwärmenetz angeschlossen. In der kommenden Woche folgt der Einbau der Übergabestation. Sobald die arbeitet, wird das Gebäude, das jetzt auch in der Halle Heizkörper bekommt, mit CO2-neutral erzeugter Nahwärme versorgt. Und das zu einem Preis pro Kilowattstunde, der deutlich unter dem Strompreis liegt.

Für Axel Schmidt ist es ein unschätzbarer Vorteil, dass die Genossenschaft gleich mehrere große Abnehmer hat, die zum Teil auch in der warmen Jahreszeit einen großen Wärmebedarf haben. Diese Abnehmer sind besonders wertvoll, weil Nahwärme-Genossenschaften in den Sommermonaten üblicherweise nur Wärme für die Warmwasserversorgung verkaufen. Die Faustregel lautet aber: Je mehr Nahwärme verkauft wird, um so günstiger können die Genossenschaftsmitglieder während der Generalversammlung den Wärmepreis gestalten.

Deshalb wird der erste neue Strang des zweiten Bauabschnitts ins Gewerbe­gebiet zur Firma SW-Motech verlegt. Die neue Halle des größten Rauschenberger Arbeitgebers soll Ende November fertig sein und ans Netz angeschlossen werden. „Allein SW-Motech steht mit ­seinem Wärmebedarf für 15 Häuser“, unterstreicht Axel Schmidt die Bedeutung der Großabnehmer, an deren Spitze die Stadt Rauschenberg steht, die - wo möglich - alle städtischen Einrichtungen an das Netz anschließen ließ. Ziel der Genossenschaft ist es, so Axel Schmidt, dass am Ende 200 Häuser an das Netz angeschlossen sind.

Seitenarme in die Altstadt

Noch ein weiteres großes Objekt soll in diesem Jahr erschlossen werden: Das ehemalige Kirchhainer Forstamt. In dem an der Straße Im Sand gelegenen Wohnhaus betreibt der zur Diakonie gehörende Sankt-Elisabeth-Verein eine Wochengruppe für Jugendliche.

Wir bauen weiter, solange dies das Wetter zulässt“, sagte Dieter Bartelmeß. Er kann sich gut vorstellen, dass in diesem Jahr noch Seitenarme des Netzes in der Altstadt Richtung Schlossberg gebaut werden. Nur die durch Rauschenberg führende Landesstraße soll vor dem Frühjahr nicht geöffnet werden, weil es es sonst Probleme mit dem Winterdienst geben könnte.

von Matthias Mayer

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