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Kinderbuch über Lama-Flucht

Nach einer wahren Geschichte Kinderbuch über Lama-Flucht

Bevor im Kinderzimmer der Familie Pigulla das Licht ausgeht, ist die Gute-Nacht-Geschichte fällig. Seit einigen Tagen wollen Johannes und Valentin stets die gleiche Geschichte hören. Die hat ihr Vater Andreas geschrieben.

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Rauschenberg setzt auf Baurausch

Andreas Pigulla hält ein druckfrisches Exemplar seines Kinderbuchs für „4- bis 90-Jährige“ in den Händen. Am Samstag wird der ­ Autor das Buch ab 15 Uhr in der Kratz‘schen Scheune vorstellen.

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg. Am Samstag ab 15 Uhr wird Andreas ­Pigulla das Kinderbuch im Rauschenberger Gemeinschaftshaus Kratz‘sche Scheune einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. „Jamballa. Das Lama, das nicht mitfeiern wollte“, hat der Rauschenberger Oberstudienrat das Buch genannt, dem eine Geschichte zugrunde liegt, die während der 750-Jahr-Feier Rauschenbergs 2016 die ganze Stadt und den halben Landkreis bewegte.

Jamballa, eines von fünf Lamas der Rauschenberger Familie Ludwig, begleitete die erste Etappe des Rauschenberger Grenzgangs zum Festauftakt. Während sich die Grenzgänger am Frühstücksplatz bei Himmelsberg erfrischten, riss Jamballa aus und verschwand im Wald.

Andreas Pigulla und dessen Freund Axel Ruckert waren bei dem Vorfall zugegen. Beide hatten ihren Sohn an der Hand, beide Kinder dreieinhalb Jahre alt und beide in der Trotzphase - ungefähr so schwierig zu ­begleiten, wie ein eigenwilliges Lama.

„Daraus mache ich eine Geschichte. Eine Mutmachgeschichte“, vertraute Andreas Pigulla seinem Freund an. Am Abend des ersten Grenzgang-Tags betrachtete er im Netz die großartigen Fotos der Rauschenberger Haus- und Hof-Fotografen Armin Köhler und Hans-Jörg Hellwig. Dabei entdeckte er das spätere Titelfoto des Buchs. Hans-Jörg Hellwig hatte Jamballa noch vor dessen Flucht fotografisch erwischt, wie er - halb verdeckt durch eine junge Baumkrone - das Treiben der Menschen beobachtete. Das Foto bestärkte Andreas Pigulla in seinem Tun. Noch in den Nachtstunden entwarf der Autor den Erzählstrang für das Kinderbuch.

Andreas Pigulla hält ein druckfrisches Exemplar seines Kinderbuchs für „4- bis 90-Jährige“ in den Händen. Foto Matthias Mayer

Der orientierte sich am Festprogramm der Rauschenberger Jubiläumsfeier, das Andreas Pigulla als Mitglied des Festausschusses mitentwickelt hatte. Dem Festtreiben stellte er das Schicksal Jamballas gegenüber, der - möglicherweise verängstigt durch Böllerschüsse am ersten Festtag - verschwunden blieb.

So feierten die Rauschenberger und machten sich zugleich Sorgen um das Tier, das trotz täglicher Suche wie vom Erdboden verschluckt war. Auch die OP-Leser nahmen Anteil am Schicksal Jamballas. Ein Video der OP-Fotografin Nadine Weigel zu dem verschollenen Lama bekam 21.000 Klicks.

Ausreißer taucht nach vier Tagen wieder auf

Als Jamballa schließlich nach vier Tagen von einem Sohn der Familie Ludwig in der Nähe von Himmelsberg gefunden wurde, verbreitete sich die frühe Botschaft während des großen Altstadtfestes wie ein Lauffeuer.

An dieser Stelle lässt der Autor das Lama nach vier abenteuerlichen Tagen und Nächten seine Ängste vor den Menschen überwinden und erweckt in dem Tier die Freude, mit den Rauschenbergern zu feiern.

15 Kapitel umfasst das Buch, zu denen es jeweils großartige Fotografien vom Fest, von Stadtansichten und von der Umgebung Rauschenbergs gibt. Diese stammen fast ausnahmslos vom Duo Köhler/Hellwig. Und sie machen das Buch auch für Erwachsene interessant, denn sie zeigen Rauschenberg von seinen schönsten Seiten und erinnern zugleich an das große Stadtfest. Für den Autor ist der Einsatz der Fotografen überragend. Als er eine Ansicht vom nächtlichen Rauschenberg für ein Kapitel benötigte, schlug sich Hans-Jörg Hellwig gleich mehrere Nächte um die Ohren, weil die Lichtverschmutzung zunächst keine guten Ergebnisse zuließ.

Aber auch von anderen Seiten bekam der Autor Hilfen. Der Kultur- und Verschönerungsverein Rauschenberg (KVR) übernahm die erheblichen Druckkosten für das auf hochwertigem Papier durchweg farbig gedruckte Buch. Und als Andreas Pigulla mit dem Layout nicht weiterkam, sprang Robert ­Huber von RegioHessen in die Bresche und schneiderte dem Buch ein wunderschönes Gewand.

In der Rauschenberger Kita­ Mäuseburg und während ­einer Lama-Wanderung mit der Grundschule hat der Autor schon aus seinem Buch gelesen. Die offizielle Premiere findet am Samstag ab 15 Uhr auf Einladung des KVR in der Kratz‘schen Scheune statt. Für die Besucher gibt es Snacks und Getränke. Nach der Lesung steht der Autor für Gespräche und Fragen zur Verfügung. Selbstverständlich als Stargast mit dabei: Der Hauptdarsteller Jamballa. Wenn sich alle Besucher ruhig verhalten, begrüßt er seine Fans kurz im Saal.

„Jeder soll das Buch haben können und deshalb wird auch kein Beteiligter daran etwas verdienen“, sagte Andreas Pigulla dieser Zeitung. So werde der preis von fünf Euro möglich. Der Überschuss von 50 Cent pro Buch fließe in ein noch zu bestimmendes Kulturprojekt für Kinder. Das Buch ist in der Stadtbücherei und im Secondhand-Geschäft Der Laden (früher Schatzkiste) erhältlich.

von Matthias Mayer

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