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Großes Interesse an großem Projekt

Bioenergie Großes Interesse an großem Projekt

Der Information und Gewinnung neuer Mitstreiter zur Solarwärmeversorgung in Bracht diente die Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle.

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Etwa 130 Bürger kamen zur Info-Veranstaltung in die Mehrzweckhalle Bracht. Ihr Interesse galt der Option, Bracht ganz mit Sonnenenergie zu heizen. Foto: Heinz-Dieter Henkel

Bracht. Mit rund 130 Interessierten dürfte diese Bürgerversammlung das wohl bestbesuchte Bürgertreffen der vergangenen Jahre gewesen sein, was Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) erfreut zur Kenntnis nahm. Er skizzierte den erfolgreichen Weg der Bioenergie­ in der Stadt Rauschenberg, angefangen vom Bioenergiedorf Josbach, an dessen Werden der Bürgermeister maßgeblich beteiligt war, über den Stadtteil Schwabendorf bis zur Stadt Rauschenberg, wo sich die Nahwärmeversorgung noch im Aufbau befindet. Er freute sich darüber, dass jetzt auch in Bracht über die Nutzung regenerativer Energien nachgedacht werde.

Dr. Norbert Clement, Fachdienstleiter Erneuerbare Energien im Fachbereich Ländlicher Raum beim Landkreis Marburg-Biedenkopf, berichtete über den bisherigen Werdegang der regenerativen Energien und die Entwicklung des Kreises zu einem der führenden Landkreise­ in Deutschland. Die Brachter Arbeitsgruppe (wir berichteten) habe seine volle Unterstützung, versicherte er.

Machbarkeitsstudie Bioenergiedorf

Über die Entwicklung der Bioenergie in Oberrosphe, das erste Dorf, das sich im Landkreis bereits im Jahre 2007 auf den Weg zum Bioenergiedorf machte, berichtete Genossenschaftsvorstandsvorsitzender Hans-Jochen Henkel. Neben Startschwierigkeiten und Erfolgen, bilanzierte er auch Wertsteigerungen der angeschlossenen Immobilien sowie eine deutlich verbesserte Dorfgemeinschaft, für die vorrangig das ­Gemeinschaftsprojekt verantwortlich sei.

Über die bisherige Arbeit der Initiativgruppe „Solarwärmeversorgung Bracht und Bracht-Siedlung“ berichtete Helgo Schütze. Er warb damit, dass die Sonne ein kostenloser Energielieferant sei, dessen Erträge man nur noch einsammeln müsse. Pro Jahr und Quadratmeter liefere sie Energie, die dem einem Heizwert von 100 ­Litern Heizöl entspreche.

Die vom Einbecker Physiker Gunter Brandt vorgelegte Machbarkeitsstudie sehe vor, die kostenlose Wärme im Sommer mit Solarkollektoren einzusammeln und in riesigen Behältern für die Wärme-Abgabe im Winter zu speichern. Ein wegen seiner Größe bisher deutschlandweit einzigartiges Projekt, das auf bewährter Technik fußt. Sollten, so erste Berechnungen, 103 Gebäude angeschlossen werden, wäre eine Einsparung von rechnerisch bis zu 268000 Liter Heizöl möglich, was wiederum einer jährlichen Einsparung von 831Tonnen umweltschädlichem CO2 entspräche.

Die Vorteile, so Schütze, lägen­ klar auf der Hand: langfristige­ Preisstabilität, geringe Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, hohe Sicherheit sowie keine Kosten bei der Brennstoffbeschaffung.

Neun Millionen Euro Gesamtkosten

Über den finanziellen Aspekt berichtete Heinrich Aillaud. Mit der Solarthermie habe man sich für die teuerste Variante entschieden. Somit hänge vieles von Zuschüssen ab, die Land und Bund gewährten.

Von den rund 9 Millionen Euro Gesamtkosten bekäme man rund 3 Millionen Euro Zuschuss für das Nahwärmenetz mit Speicher. Bei 6000 Euro Mitgliedsanteil je Genosse, käme man auf ein Eigenkapital von mehr als 600000 Euro. Über Kredite seien 2,4 Mio. Euro zu bekommen, die über 25 Jahre abbezahlt werden müssten. Es bliebe ein Lücker von drei Millionen Euro, welche über ein Sonderprogramm der Landesregierung für Pilot- und Demonstrationsprojekte zu ­finanzieren wäre.

Eine Bezuschussung den Landes sei durchaus realistisch, meinte Bürgermeister Michael Emmerich, der bereits persönlich in Wiesbaden vorgesprochen hat. Sollte ein Landeszuschuss bewilligt werden, stehe als Nächstes die Gründung einer Genossenschaft an.

Mit vielen Fragen zum Standort des großen Wärmebehälters, der Trassenführung der Wärme­leitungen, die Wahrscheinlichkeit, auch Bracht-Siedlung mit anzuschließen, den Kosten, sowie die Übernahme alter oder auch neuerer Heizungen der Mitglieder durch die Genossenschaft (nach dem Modell Oberrosphe), endete die Bürgerversammlung. Viele Brachter nahmen Fragebögen zum Ausfüllen mit.

von Heinz-Dieter Henkel

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