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Rauschenberg siegt vorerst auf ganzer Linie

hintergrund Rauschenberg siegt vorerst auf ganzer Linie

In gut einem Jahr sollen fünf Windräder im Rauschenberger Stadtwald Strom produzieren. Dieses Ziel formulierte Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich im Gespräch mit der OP.

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Ansichtssache: Diese beiden gut 200 Meter hohen Windräder im Burgholzer Forst zeigen, wie sehr die Windräder im Rauschenberger Stadtteil die Baumwipfel überragen werden. Fotos (4): M. Mayer

Rauschenberg. Der Christdemokrat skizzierte den Weg zum zweiten Rauschenberger Windpark, der von der Breidenbacher Firma Krug Energie auf dem Rote Küppel gebaut werden soll. Die Stadt sei dabei, über eine Flächenplan-Nutzungsänderung das Gebiet für die Windkraft auszuweisen. Der Rücklauf mit den Einwendungen der sogenannten Träger öffentlicher Belange sei inzwischen erfolgt Die einzelnen Beiträge würden derzeit geprüft und anschließend die fünf Standorte für die Windräder genau definiert.

„Anfang des neuen Jahres wollen wir die Offenlage des geänderten Flächennutzungsplans beschließen. Dann erfolgt die Offenlage“, sagte Michael Emmerich. Während dieser Zeil haben die Bürger die Möglichkeit, die genauen Planunterlagen einzusehen. Der Bürgermeister rechnet damit, dass im Frühsommer 2015 der Satzungsbeschluss gefasst werden kann und das im Spätsommer der rechtskräftige Bebauungsplan vorliegen wird.

Regierungspräsidiumgibt grünes Licht

„In unserem Vertrag mit der Stadt Rauschenberg steht, dass wir zu Beginn des vierten Quartals die Anlagen errichten“, erklärte Hans-Hermann Zacharias, der als Bereichsleiter Erneuerbare Energien für das Unternehmen das Windpark-Projekt in Rauschenberg betreut. Er erwartet, dass die fünf Windräder noch in diesem Jahr an Netz gehen werden.

Sehr begünstigt werden die ehrgeizigen Ziele durch die Arbeitskarte für künftige Windkraftstandorte des Regierungspräsidiums Mittelhessen. Die Fachbehörde. Die Genehmigungsbehörde hat den Rauschenberger Windpark mit einem zustimmenden Grün eingefärbt. Nur einen kleinen Zipfel des Gebiets, der ohnehin in einer wenig wind-ergiebigen Tallage liegt, leuchtet in Rot.

Roter Milan schütztdie heiligen Eichen

Dieser Positiv-Entscheid spielt der Stadt in die Karten, aber auch die negativen Voten des RP lösen im Rathaus helle Begeisterung aus. Eine Fläche zwischen dem Rauschenberger Stadtteil Ernsthausen und Burgholz, die ein privater Investor mit einem Windpark bebauen wollte, leuchtet auf der Karte knallrot. Nach Kenntnis von Michael Emmerich will der RP die völlige Verspargelung der Landschaft rund um Emsdorf verhindern. Der hoch gelegene Kirchhainer Stadtteil ist schon an drei Seiten und Windrädern umgeben.

Und auch zum Windkraft-Standort Sosenberg sagt der RP nein. Der sonst Kahle Rauschenberger Hausberg wird von den heiligen Eichen gekrönt, dem Wahrzeichen der Stadt. Er soll nach dem schon vor Jahren sehr deutlich artikuliertem Willen des Stadtparlaments windkraftfrei bleiben.

Bürgermeister rechnetmit Klage der Bayern

„Es ist großartig, dass die Karte des RP zu 100 Prozent das widerspiegelt, war wir in Rauschenberg uns gewünscht und politisch gewollt haben. Das hilft uns sehr weiter“, sagte Michael Emmerich.

Der Bürgermeister hob hervor, dass alle RP-Entscheidungen aufgrund sachlicher Abwägungen getroffen worden seien. Das gelte auch für den Sosenberg. Der sei aus Artenschutzgründen und wegen der drohenden Umzingelung der Kernstadt mit Windkraftanlagen durch den RP gesperrt worden. „Dort leben viele Rote Milane.Der Nachweis dieser streng geschützten Greifvogelart gilt als Ausschlussgrund für die Windkraft, erklärte Emmerich.

Gleichwohl warnt der Bürgermeister vor voreilige Euphorie. Noch handele es sich nur um eine Arbeitskarte. Er rechne mit einer Klage der Energieallianz Bayern, denn das Unternehmen habe bereits viel Geld in seine Windkraft-Pläne auf dem Sosenberg investiert. Das Unternehmen hatte, wie auch ein Mitbewerber, schon vor Jahren mit der Grundstücks-Akquise für Windkraft-Anlagen auf dem Sosenberg begonnen.

Die Energieallianz Bayern betreibt einen Windpark in der Oberpfalz und vier Windparks in Sachsen-Anhalt. Pikanterie am Rande: Bayerns biegsamer Ministerpräsident Bayern hat erst in dieser Woche ein Gesetz durchgesetzt, dass den Mindestabstand von Windkraft-Anlagen in Bayern zur Bebauungsgrenze auf zwei Kilometer begrenzt. Damit ist die Zukunft der Windkraft in Bayern praktisch tot.

Wo entstehen dieneuen Windräder?

Eine Übersichtskarte mit den Standorten der fünf neuen Anlagen im Rauschenberger Stadtwald hat die OP-Redaktion leider nicht erhalten. Die nicht mehr ganz aktuellen Standort-Karten auf der Homepage der Stadt Rauschenberg sind inzwischen verschwunden. Zumindest für Ortskunde lassen sich die Standorte mit ausreichender Genauigkeit beschreiben.

Gebaut wird entlang des großen Waldweges, der von der Kreisstraße 9 aus Richtung Sindersfeld rund 500 Meter vor dem Gehöft Zettrichhausen spitzwinklig nach rechts abzweigt. Entlang dieses breiten Weges, der auf den ersten 1,3 Kilometern unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zwischen Rauschenberg und Sindersfeld liegt, werden die fünf Windräder entstehen.

Welche Anlagenwerden gebaut?

Krug Energie hatte ursprünglich mit den für Schwachwind-Gebiete im Binnenland konzipierten Maschine Nordex 117 geplant, die zuletzt zwischen Burgholz und Langenstein und südlich von Emsdorf aufgebaut wurden, sich dann aber für ein leistungsstärkeres Modell von Enercon entschieden. Enercon-Anlagen gelten als Mercedes unter den Windrädern. Sie arbeiten ohne Getriebe, sind deshalb deutlich leiser und auch leistungsstärker als als Anlagen von gleicher Größe anderer Hersteller. Wie Hans-Hermann Zacharias berichtete, werden in Rauschenberg Windkraft-Türme vom Typ Enercon 115 gebaut, die eine Leistung von 3000 kW haben.

Die Türme werden eine Nabenhöhe von von 142,5 Metern haben. Dazu kommt der Rotor mit einem Durchmesser von 115 Metern, was eine Gesamthöhe von exakt 200 Metern ergibt. Der Rotor überstreicht eine Fläche 10515,5 Quadratmetern, die deutlich über der Größe eines Fußballplatzes liegt.

Die Entscheidung für Enercon seien mit Mehrkosten verbunden, sagte Zacharias. Diese würden aber durch die höhere Effizienz und geringere Wartungskosten in acht bis neun Jahren wieder hereinkommen. Entscheidend für diese Wahl sei letztlich auch das Angebot des Herstellers gewesen, zwölf Jahre lang für alle durch technische Defekte bedingten Stillstände die Einnahme-Ausfälle zu bezahlen.

Warum wird ein fünftes Windrad gebaut?

Dieses Rundumsorglos-Paket sei auch für die Stadt Rauschenberg ein entscheidender Vorteil, die zwei der fünf Windräder von Krug Energie zum Einstandspreis ohne Aufschlag für einen genossenschaftlichen Betrieb übernehme, erklärte Michael Emmerich.

Ursprünglich sollten auf dem rote Küppel nur vier Windräder entstehen, auch wenn das Gebiet auch zehn Anlagen Platz bietet, wie der Bürgermeister erläuterte. Die Notwendigkeit für das fünfte Rad ergibt sich aus der extrem aufwendigen Anbindung der Anlagen an das Stromnetz, wie Hans-Herman Zacharias erklärte. Die Anlagen müssten über eine 10,3 Kilometer lange Erdtrasse an das Umspannwerk in Kirchhain angeschlossen werden. Der Bau dieser Trasse mit Querung der Bundesstraße 62 und der Main-Weser-Bahn rechne sich nicht für nur vier Windräder, sagte Zacharias, der in diesem Punkt auf eine Zusammenarbeit mit der Firma AboWind hofft, die in nordwestlicher Verlängerung der Rauschenberger Windrad-kette eine Windrad in der Gemarkung Sindersfeld bauen wird.

Wie ist die Akzeptanzdes Windparks?

Bürgermeister Michael Emmerich erwartet aus Rauschenberg, der Stadt der grünen Energien, keinen großen Widerstand. Bei der letzten Info-Veranstaltung zum Windpark habe es eine deutliche Haltung pro Windkraft gegeben, sagte Emmerich.

Anders sieht es in Sindersfeld aus, das die optische Hauptlast des Windparks zu tragen hat. Das Dorf liegt nahezu auf der Höhe der sechs Windräder, die mutmaßlich in nordöstlicher Richtung den Horizont verspargeln werden. Der Unmut darüber, dass zum Kirchhainer Windrad von AboWind noch fünf Anlagen aus Rauschenberg dicht an der Sindersfelder Gemarkungsgrenze kommen, ist im Dorf groß. Ob aus dem Kirchhainer Stadtteil heraus der Rechtsweg beschritten wird, ist noch offen.

Der Lärmpegel sollte bei der Hauptwindrichtung Südwest für Sindersfeld kein Problem sein. Die Lärmpegel-Berechnung sei so, dass keine der Anlagen auch nur zeitweise abgestellt werden müsse, versicherte Hans-Hermann Zacharias. Am Gehöft Zettrichhausen seien 40 Dezibel zulässig. Dieser Wert werde weit unterstrichen.

Der Bürgermeister würdigte ausdrücklich die faire Kooperation mit Krug Energie, deren branchenunübliche Offerte zur aufschlagsfreien Übernahme zweier Windräder deren genossenschaftlichen Betrieb erst die wirtschaftliche Grundlage gebe. Auch abseits dieser beiden Windräder bleibe die Wertschöpfung aus dem Windpark zum erheblichen Teil in der Stadt. Krug Energie habe für den betrieb des Windparks die Windpark Rauschenberg GmbH mit Sitz in Rauschenberg gegründet. Die Gewerbesteuer bleibe vollständig in der Stadt.

von Matthias Mayer

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