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Rauschenberg setzt auf Innovation

Trinkwasser Rauschenberg setzt auf Innovation

Josbach bekommt einen neuen Trinkwasser-Hochbehälter. Das beschloss die Stadtverordneten­versammlung am Montagabend im Bürgerhaus Josbach nach einjährigen Beratungen einstimmig.

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Gewöhnungsbedürftig: Das Foto zeigt einen Trinkwasser-Hochbehälter aus Polyäthylen der Firma Hawle Kunststoff GmbH, wie er in Josbach gebaut werden soll. Die beiden miteinander verbundenen Röhren werden mit Sand und steinfreier Erde abgedeckt und sind nach der Fertigstellung nicht mehr zu sehen. Foto: Hawle Kunststoff

Josbach. Die Stadtverordneten entschieden sich für einen Neubau des Hochbehälters und gegen eine Sanierung des aus dem Jahr 1952 stammenden Hochbehälters. Dieser wies mannigfaltige Schäden auf, die schon vor gut einem Jahr zur Stilllegung einer der beiden Wasserkammern führte, wie diese Zeitung berichtete. Drei der vier im Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Bauwesen vertreten Fraktionen hatten an einer Exkursion nach Butzbach teilgenommen und dort eine besonders innovative Hochbehälter-Variante­ in Augenschein genommen: Zwei miteinander verbundene Röhren aus Polyäthylen (PE) der Firma Hawle Kunststoff GmbH. Diese drei Fraktionen sprachen sich nach dem Ortstermin für diese Lösung und gegen die bis zuletzt favorisierte Beton-Sanierung des alten Hochbehälters aus.

Diplom-Ingenieur Dieter Reifschneider vom Ingenieurbüro Müller untermauerte die Position der Ausschuss-Mehrheit mit einigen Fakten. Er beschrieb die Schäden an dem alten Bauwerk, dem er auch einen konstruktiven Mangel beim Zugang zu einer Wasserkammer bescheinigte. Der Fachmann bezweifelte, dass die Betonsanierung für den erwarteten Zeitraum von 30 Jahren halten werde.

Anders sehe es bei der PE-Lösung aus. Die Hersteller gäben die Haltbarkeitsdauer mit 100 Jahren an. Mit einem Sicherheitsabschlag von 50 Jahren liege man letztlich mit 50 Jahren deutlich besser als mit der Betonsanierung. Das von der Firma Hawle Kunststoff angebotene System sei mit 129700 Euro deutlich günstiger als das um 60000 Euro teurere Angebot eines Mitbewerbers.

100 Jahre haltbar, abernur fünf Jahre Garantie

Dieter Reifschneider erklärte allerdings, dass mit der Verwirklichung dieses Projekts erhebliche Nebenkosten verbunden seien. Der Neubau neben dem alten Hochbehälter bedinge Grunderwerb, Rodungsarbeiten und die Herstellung des Baugrunds. Hinzu kämen die Stirn- und Flügelwände für die Einfassung des Kunststoff-Bauwerks, die Überschüttung mit lagenweiser Verdichtung der Kunststoffröhre und auch die Wiederherstellung der Zufahrt an der Straße Am Krausholz.

Wie der Ingenieur erklärte, müsse sicher mit einer Beschädigung der Zufahrt beim Antransport des Röhrensystems mit einem Schwerlast-Transporter gerechnet werden. Kosten: 40000 Euro.

Der Diplom-Ingenieur errechnete für die PE-Lösung 305000 Euro Gesamtkosten. Diese lägen zwar über dem Aufwand für das mit 271440 Euro veranschlagten Sanierungsmodell, sei aber ob der längeren Haltbarkeit dennoch die wirtschaftlichere Lösung.

Kritische Nachfragen aus dem Parlament nach der Haltbarkeit beantwortete der Fachmann mit Erfahrungswerten bei PE-­Rohren. Er kenne 50 Jahre alte PE-Rohre, die noch immer intakt seien. Gleichwohl gebe es keine 50 Jahre währende Garantie der Hersteller. Nach VOB liege die Gewährleistung immer nur bei fünf Jahren. Auch Weich­macher seien bei diesem Werkstoff kein Problem, weil nicht vorhanden.

Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) merkte an, dass die Stadt letztlich mit den in den Haushalt eingestellten 250000 Euro trotz der Mehrkosten auskommen werde. Der Grund: Die Stadt unterhalte einen Betrieb wasserrechtlicher Art, der steuerabzugsfähig sei. Deshalb müsse nicht mit dem Brutto- sondern mit dem Netto-Betrag gerechnet werden.

von Matthias Mayer

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