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Rauschenberg hofft auf 90-Prozent-Förderung

Modellprojekt Marktstraße 15 Rauschenberg hofft auf 90-Prozent-Förderung

Manchmal muss eine Kommune blitzschnell handeln, wenn sie an einen Fördertopf kommen will. Die Stadt Rauschenberg hat das für ein Projekt getan, das mehrere Probleme lindern kann.

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Dieses Ackerbürgerhaus in der Marktstraße steht seit 25 Jahren leer. Jetzt soll es saniert und nutzbar gemacht werden.

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg. Das Haus Marktstraße 15 steht seit 25 Jahren leer. Schon fast aufgegeben, mutiert das Fachwerkgebäude jetzt zur eierlegenden Wollmilchsau. Es soll in Rauschenberg lebende Flüchtlinge raus aus der Langeweile und rein in die Arbeit führen. Es soll Flüchtlingsfamilien akzeptablen Wohnraum bieten und zugleich sozialer Treffpunkt mit Werkstatt-Café für die Neubürger sein.

Ist das Vorhaben umgesetzt, gibt es zudem in der historischen Altstadt mit ihren 155 Baudenkmälern einen Leerstand weniger. Zurzeit stehen dort 15 Häuser leer. Und das Tollste: Die Stadt darf für Sanierung und Umbau des Hauses für die multifunktionale Nutzung auf eine 90-Prozent-Förderung des Bundes hoffen.

Das teilte Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) während der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in Bracht mit. Er sei vom Bundestagsabgeordneten Sören Bartol auf das Zukunftsinvestitionsprogramm des Bundes zur Förderung der Sanierung kommunaler Einrichtungen für die soziale Infrastruktur aufmerksam gemacht worden.

Die Besonderheit: Zwischen Auflage des 140 Millionen Euro schweren Programms und dem Bewerbungsschluss am 13. November lag nur ein Monat. „Wenn wir nicht bereits ein fertiges Konzept für das Haus Marktstraße 15 in der Schublade gehabt hätten, wäre für uns eine Bewerbung für die Aufnahme in das Programm nicht möglich gewesen“, erklärte Michael Emmerich, der das hohe Haus um die Zustimmung für die Bewerbung bat.

Ausbildungsverträge für bis zu acht Flüchtlinge

Diese erteilte die Stadtverordnetenversammlung einstimmig, auch wenn die Sache aus Rauschenberger Sicht einen Haken hat. Das Programm ist für Projekte ab einem Investitionsvolumen von einer Million Euro ausgeschrieben. Der Kostenrahmen für das Haus Marktstraße 15 ist mit „nur“ 475000 Euro veranschlagt. Der Bürgermeister hofft trotzdem, dass das Vorhaben Berücksichtigung findet und verweist auf die vielfältigen Ziele, die mit diesem Projekt verwirklicht werden können.

Das Raumkonzept sieht vor, dass im Erdgeschoss auf 55 Quadratmetern der kommunale Secondhand-Laden Schatzkiste mit einem integrierten Wekrstatt-Café untergebracht wird. Nähmaschinen und Platz für gemeinsame Hand- und Bastelarbeiten bieten die Möglichkeit, für den eigenen Bedarf oder für den Verkauf in der Schatzkiste zu gestalten. Ferner soll es dort Beratungsangebote für Flüchtlinge geben. In den beiden oberen Stockwerken sollen jeweils eine Wohnung für Flüchtlinge entstehen.

Besonderheit des Projekts: Bis zu acht Flüchtlinge bekommen über Ausbildungsverträge die Gelegenheit, an der denkmalgerechten Sanierung des Gebäudes unter fachkundiger Anleitung mitzuwirken. Das Nichtstun und die Langeweile sind laut des Rauschenberger Arbeitskreises Flüchtlinge eines der größten Probleme für die männlichen Flüchtlinge.

Ermöglicht werden die Einstiegsqualifikation und das Arbeiten am Bau durch die Projektpartner der Stadt, die Träger des Vorhabens ist. Diese sind die Kreishandwerkerschaften Marburg-Biedenkopf und Hersfeld-Rotenburg, die Praxis GmbH Marburg, die Agentur für Arbeit und das Landesamt für Denkmalpflege.

von Matthias Mayer

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