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Raubüberfall in Kirchhainer Jugendzimmer

Gericht Raubüberfall in Kirchhainer Jugendzimmer

Mit Pistole, Schlagstock und Schlagring bewaffnet versuchten vier junge Männer mit Gewalt Bargeld von Bekannten zu erbeuten. Sie landeten wegen versuchter räuberischer Erpressung vor Gericht.

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Mit einem solchen Geldschein-Foto aus dem Internet gaukelte ein junger Kirchhainer ehemaligen Klassenkameraden vor, im Besitz von 3 000 Euro zu sein. Das verstanden diese als Einladung zum Raubüberfall. Foto: Patrick Seeger/dpa

Quelle: Patrick Seeger

Marburg / Kirchhain. Als schon fast „dilettantisch ausgeführt“ doch nichtsdestotrotz als „massives Raubdelikt“ werteten die Prozessbeteiligten den Überfall der Halbstarken. Das unter Vorsitz von Thomas Rohner tagende Marburger Jugendschöffengericht verurteilte drei der geständigen Täter noch knapp zu Bewährungsstrafen, einer sitzt in Haft.

Die vier Möchtegern-Räuber aus Biedenkopf, zwischen 16 und 21 Jahre alt, hatten sich Ende Juni vergangenen Jahres in Kirchhain versammelt, um das vermeintlich liquide Opfer gezielt „abzuziehen“. Der Jüngste wurde vorgeschickt, klopfte an die Tür des ehemaligen Klassenkameraden. Mit mehreren Waffen im Gepäck, darunter eine Softair-Pistole, stürmten seine Kumpane anschließend die Wohnung, bedrohten die dort versammelten fünf jungen Männer und durchsuchten das Zimmer. Mit einem Schlagstock prügelte einer der Angreifer auf zwei der überraschten Opfer ein, während der älteste Täter mit gezogener Waffe lautstark nach Bargeld verlangte. „Er drohte, er ballert uns den Kopf weg“, berichtete am Dienstag einer der Zeugen vor dem Amtsgericht. Nachdem der Vater des Geschädigten, von einem der Anwesenden alarmiert, gegen die blockierte Zimmertür hämmerte, verließen die erfolglosen Banditen ohne Beute fluchtartig den Tatort und sprangen aus dem nächsten Fenster.

Auslöser des Überfalls war ein Foto mit einer üppigen Menge Barem, das der Geschädigte per Handy an einen der Täter verschickt hatte. In der Annahme, dass es sich um leicht zu beschaffendes Drogengeld handelte, entschieden sich die vier Beschuldigten ihm die angeblichen 3000 Euro abzunehmen. Ohne Erfolg - das Foto stammte aus dem Internet. „Bei mir gibt es nichts zu holen, ich habe sie nur ein bisschen verarscht“, gab der Zeuge an.

In einer knappen Erklärung ließen die Täter durch ihre Verteidiger ihr Schuldeingeständnis mitteilen, schwiegen ansonsten zum eigentlichen Tatablauf. „Es war so, der Tatvorwurf wird vollständig eingeräumt“, teilte etwa Verteidigerin Anja Uhlfelder im Namen ihres Mandanten mit, der den Schlagstock eingesetzt hatte. Jedoch sei die Anwendung von Gewalt nicht Teil des ursprünglichen Plans gewesen, die Situation einfach „aus dem Ruder gelaufen“.

Die fünf jungen Opfer, allesamt im Jugendalter oder Heranwachsende, kamen zwar mit dem Schrecken und einigen blauen Flecken davon, der ein oder andere habe jedoch kurze Zeit große Angst verspürt: „Jeder war bewaffnet, ich habe das schon ernst genommen“, so ein Zeuge. Ein anderer beurteilte das Ganze scheinbar weniger bedrohlich, beendete im Beisein der Angreifer noch schnell sein Videospiel. Die Verteidigung sprach von einer eher geringen Gefahrensituation und hob die „dilettantische Ausführung der Tat“ hervor.

Nacheinander entschuldigten sich die Täter stockend bei den Geschädigten. Alle vier sind gerichtsbekannt, standen unter anderem bereits wegen gefährlicher Körperverletzung, räuberischer Erpressung, Bedrohung oder Betrug vor einem Richter. Mehrere Eintragungen im Strafregister hat insbesondere der 21-Jährige zu bieten, der zudem unter Bewährung einer früheren Jugendstrafe stand, seit Monaten bereits in Untersuchungshaft sitzt. Sein 20 Jahre alter Kumpan hatte sich zudem wegen Besitz von Betäubungsmitteln zu verantworten. Auch für den Jüngsten im Bunde wurde von der Jugendgerichtshilfe ein Drogenproblem sowie eine „schwere Störung des Sozialverhaltens“ diagnostiziert.

21-Jähriger muss fürdrei Jahre ins Gefängnis

Staatsanwalt Sebastian Brieden konnte nur wenige mildernde Umstände für das räuberische Quartett finden. Der Überfall als „massives Raubdelikt“ und insbesondere der Einsatz von Waffen sei „besonders schwer zu verurteilen“, forderte der Anklagevertreter.

Dies sah das Jugendschöffengericht ähnlich und verurteilte den einzigen erwachsenen, vorbestraften Täter wegen schwerer räuberischer Erpressung zu einer dreijährigen Haftstrafe. Zu je einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung sowie 120 Arbeitsstunden wurden die beiden nur wenig jüngeren Mittäter nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Der 16-Jährige kam mit einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe sowie 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon.

Einen minderschweren Fall, wie von der Verteidigung befürwortet, sah das Gericht nicht. „Bei diesem Tatgepräge muss man von einer Schwere der Schuld ausgehen“, schloss Jugendrichter Thomas Rohner.

von Ina Tannert

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