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Randale in der Disko und bei der Polizei

Gericht Randale in der Disko und bei der Polizei

Im Alkohol-Rauschbenahm sich eine Frauaus Guinea gründlichdaneben: Sie legte sich mit Polizisten an, pöbelte, wehrte sich mit aller Gewalt gegen ihre Festnahme und teilte dabei selbst heftig aus.

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„Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot“ – diese Songzeile Herbert Grönemeyers bewahrheitete sich strafrechtlich für eine Angeklagte in Kirchhain. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Kirchhain/Stadtallendorf. Mit Gesetzeshütern scheint die 42-Jährige ihre ganz persönlichen Probleme zu haben. Schon 2011 musste die gebürtige Guineerin auf der Anklagebank Platz nehmen, weil sie Polizeibeamte beleidigt und gegen deren Vollstreckungsgewalt Widerstand geleistet hatte.

Nun hatte die Wiederholungstäterin, die derzeit eine Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung in der JVA Köln absitzt, im Kirchhainer Amtsgericht ein Déjà-vu-Erlebnis der unrühmlichen Kategorie. An ihrer Schuld gab es nach den Ausführungen der Zeugen keine Zweifel. Dennoch kam sie am Ende mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à zehn Euro noch recht glimpflich davon. Die Ursache: Richter Joachim Filmer hatte den Zustand der Angeklagten während der Tatnacht als „vermindert schuldfähig“ eingestuft. Das bewahrte sie im Wesentlichen vor einer Freiheitsstrafe.

Mit einem Tritt gegen das Schienbein fing es an

Ausschlaggebend für Filmers Entscheidung war der Alkoholspiegel, den die 42-Jährige am frühen Morgen des 9. April 2013 im Blut hatte. Gegen 3 Uhr mussten es fast 2,5 Promille gewesen sein, als zwei Polizeibeamte die Unruhestifterin aus einer Diskothek in Stadtallendorf herausholten. Auf der Polizeidienststelle war zuvor eine Beschwerde des Wirts eingegangen, weil die Frau unaufhörlich randalierte.

„Draußen haben wir sie nach ihren Personalien befragt, aber das hat sie überhaupt nicht interessiert“, erzählte einer der beiden Polizeibeamten vor Gericht. Als der Polizist ihr gedroht habe, sie mit auf die Wache zu nehmen, habe ihm die Angeklagte mit voller Wucht gegen das Schienbein getreten und die Beamten als „korrupt“ tituliert.

Ohne zu zögern verhaftete das Duo die vollkommen betrunkene 42-Jährige und fuhr mit ihr zum Revier. Dort angekommen, versuchte sie sich einen Weg vorbei an den Polizisten zu einem Taxi zu bahnen - die Beamten hielten sie fest. „Dann hat sie nach mir geschlagen. Wir mussten sie mit mehreren Personen in die Zelle bringen“, erinnerte sich einer der Polizisten.

Selbst dort weigerte sich die Angeklagte noch, mit der Polizei zu kooperieren. Die Blutentnahme entwickelte sich für alle Beteiligten zu einem unwürdigem Schauspiel. Zwei Beamte mussten die sich kräftig wehrende Frau an Armen und Beinen festhalten.

Staatsanwalt fordert Bewährungsstrafe

„Der Sachverhalt steht fest. Die Angeklagte hat die Tat begangen“, konstatierte der Staatsanwalt, nachdem die beiden hauptbetroffenen Polizeibeamten ausgesagt hatten. Er forderte deshalb eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung.

Die beschuldigte Frau wollte das nicht wahrhaben. Sie bestritt sämtliche Anklagepunkte und machte stattdessen den Ordnungshütern schwerwiegendste Vorwürfe. Zunächst hätten die Beamten sie gewaltsam an den Haaren gezogen, auf den Boden geschubst und auf sie eingeschlagen. Danach sei sie in der dunklen Zelle von acht Personen überrumpelt worden. Ein Telefonat mit ihrem Anwalt habe man ihr ebenso verweigert wie den Gang zur Toilette. „Ich hatte richtige Angst“, sagte die Angeklagte.

Tags darauf habe sie deswegen Anzeige gegen betroffene Polizisten wegen Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung erstattet. Dieses Verfahren wurde inzwischen eingestellt.

Richter Filmer setzte letzten Endes auf die Glaubwürdigkeit der Staatsdiener. Die Staatsanwaltschaft war mit dem Urteil nicht wirklich einverstanden und erwägt Rechtsmittel.

von Yanik Schick

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