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Ragnarock versetzt Langendorf ins Metal-Fieber

Metal Ragnarock versetzt Langendorf ins Metal-Fieber

Lange Haare, wild geschüttelt. Tätowierte Kerle in Lederkluft und ganz viel Herzlichkeit: Das ?beschauliche Langendorf verwandelte sich am ?Wochenende wieder in Deutschlands Metal-Mekka.

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Die legendäre Pommesgabel – kleiner Finger und Zeigefinger gespreizt – waren obligatorisch beim Ragnarock-Festival. 

Quelle: Miriam Prüßner

Langendorf. Ohrenbetäubend dröhnt der Bass über den Sportplatz und bringt das Trommelfell zum Vibrieren. Blutroter Nebel wabert von der Bühne in die tobende Menge. Großflächig tätowierte Kerle in schwarzer Lederkluft schütteln wild ihre Köpfe und lassen das wallende Haupthaar fliegen.

Sie recken die Arme in die schwüle Nachtluft, spreizen den kleinen und den Zeigefinger zum Teufelszeichen und gröhlen lauthals den misanthropischen Text, den „Sodom“-Frontmann Thomas „Tom Angelripper“ Such ins Mikro brüllt. „Ach was!“, sagt Regina Waldschmidt und fängt lauthals an zu lachen. „Die sehen alle schwarz und düster aus, aber Angst muss man wirklich nicht haben. Das sind unheimlich nette und höfliche Leute! Die sagen alle ganz brav Danke und Bitte“, betont Waldschmidt.

Es ist Freitagnacht, kurz nach Mitternacht. Seit vier Stunden schiebt die Langendorferin Thekendienst im Bierpilz. Bis 4 Uhr morgens wird sie die rund 1?000 Heavy-Metal-Fans mit kühlen Getränken versorgen. Drei Tage Thekendienst, von 19 Uhr abends bis 4 Uhr morgens. Unentgeldlich. Regina Waldschmidt kann sich nichts Schöneres vorstellen. „Das ist eine so tolle, friedliche Veranstaltung mit netten Menschen – da helfe ich doch gern“, sagt die 52-Jährige und erntet ein zustimmendes Nicken von Thekenkollegin Heike Metke, die fleißig den Tresen abwischt.

Langendorf ist gerne Ausrichter

Die beiden Frauen sind nicht allein. Gut 50 Dorfbewohner sorgen an den drei Festival-Tagen dafür, dass es den „netten Metallern“ an nichts fehlt. Einmal im Jahr prallen auf dem Langendorfer Sportplatz zwei Kulturen aufeinander und verschmelzen: Die Dorfkultur und die Heavy-Metal-Szene. Man kennt sich. Man schätzt sich. „Das halbe Dorf ist mittlerweile integriert und hilft mit. Das ist großartig“, findet Dany Reinhardt, der mit seinem vierköpfigen Team das Ragnarock organisiert.

Angefangen hatte der heute 35-Jährige das Ganze vor 13 Jahren als Privatparty – mittlerweile ist das Ragnarock schon lange kein Geheimtipp mehr. Rund 1000 Heavy-Metal- und Hardrock-Fans aus ganz Deutschland, Europa und sogar Indien und Australien pilgern diesmal ins heimliche Metal-Mekka am Rande des Burgwalds.

Bei der 12. Auflage des Festivals treten an diesem Wochenende 31 Bands auf zwei Bühnen auf. Es gibt alles, was das Metal-Herz begehrt: von Hardrock bis Trash-Metal von Newcomer-Bands aus der Region bis hin zu echten Szene-Legenden wie die Gelsenkirchener Band „Sodom“. „Auch wenn immer mehr Menschen kommen – man fühlt sich wohl hier, weil es so familiär ist. Das ist hier – wie die Dame eben sagte – ein richtiges Familienfest“, betont Besucher Christian Spies, hebt sein Glas und prostet lachend Regina Waldschmidt im Bierpilz zu.

Von Nadine Weigel

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