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Radfahrer brauchen noch Geduld

Altlastensanierung Radfahrer brauchen noch Geduld

Bagger holen immer noch in der Kleinniederung am Waldesrand teilweise belasteten Boden aus dem Grund. Die Altlastensanierung dürfte wohl noch bis Mitte Juli dauern, dann folgt der Rückbau der Baustelle.

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Ein Bagger lädt in der Kleinniederung Erde in einen Container, der zum Transport luftdicht verschlossen wird.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Die Abwässer, die das Sprengstoffwerk der DAG während des Zweiten Weltkriegs in den Boden gelangen ließ, hatten reichlich Schadstoffe in sich, vor allem Mono-Nitro-Toluole (MNT). Dass das seit Herbst vergangenen Jahres laufende Sanierungsprojekt länger dauert, teurer wird und mehr Schadstoffe entsorgt werden müssen, ist seit einigen Monaten bereits klar (die OP berichtete).

Eiunschränkungen für Radfahrer und Spaziergänger

Zwar liegt das Sanierungsgebiet mitten im Wald und außerhalb der Wohnbebauung. Radfahrer und Spaziergänger müssen aber seit Einrichtung der Baustelle mit Einschränkungen leben. Denn Radwegeverbindungen sind gesperrt und werden umgeleitet. Leider wurden in der Vergangenheit immer wieder Abdeckungen von Radwegeschildern entfernt, was bei Ortsfremden natürlich zu Problemen führt. Bis Mitte Juli, so schätzt es Projektleiter Christian Weingran von der Him GmbH, wird die eigentliche Sanierung noch dauern. Dann folgt der Rückbau der Baustelleneinrichtung mit weiterem Lkw-Verkehr. Voraussichtlich Mitte August werden die Radwege in Nähe der Kleinniederung dann wieder freigegeben werden können. Bis dahin werden rund 30000 Tonnen Boden bewegt sein, etwa 5000 Tonnen Boden stehen jetzt noch an. Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des nach jüngsten Schätzungen rund 5 Millionen Euro teuren Sanierungsvorhabens. Zahlen muss, wie bei vorherigen Sanierungen am „Rüstungsaltstandort Stadtallendorf“, das Land Hessen.

In Kleinniederung ist es mit Bodenaushub nicht getan

Wie wichtig das Sanierungsvorhaben, eines der wohl letzten im Umfeld des DAG-Gebiets, ist, verdeutlichen die aktuellen Zahlen über die aus dem Boden geholten Schadstoffe. Laut Bauleiter Andreas Jäkel wurden rund 2,9 Tonnen entfernt. „Rund eine Tonne davon haben wir bei den sogenannten Nachschnitten gefunden“, sagt Jäkel. Nachschnitte erfolgen, wenn Proben zeigen, dass sich noch Schadstoffe in der Erde finden, also zum Beispiel in größeren Tiefen als zunächst zu erwarten war. In der Kleinniederung ist es mit Bodenaushub nicht getan. Dort werden weitere Schadstoffe über einen längeren Zeitraum gezielt ausgespült werden müssen, zunächst mit Wasser.

Brunnen wirken wie ein Sperrgürtel

Um die Trinkwasservorkommen in dem Gebiet zu schützen, gibt es seit Jahrzehnten unter anderem die hydraulische Sicherung, Brunnen wirken wie ein Sperrgürtel. Nach der Sanierung der Tri-Halde, der einst größten Rüstungsaltlast, gab es die Hoffnung, diese Sicherung Zug um Zug zurückfahren zu können. Seinerzeit formuliertes Wunschziel war ein Zeitraum zwischen den Jahren 2020 und 2025. Doch die aktuellen Daten der Brunnen zeigen, dass das wohl zu früh sein dürfte. „Wir werden die Sicherung auf unbestimmte Zeit noch brauchen“, erläutert Projektleiter Weingran, seit Jahrzehnten mit der Stadtallendorfer Situation vertraut. Auch das Regierungspräsidium in Gießen bestätigt, dass sich kein Termin für ein Ende der vorbeugenden Sicherung absehen lässt. „Man wird aber einzelne Brunnen Zug um Zug abschalten können“, sagt Weingran voraus. Durch Optimierungen werde versucht, die Zeit der Sicherung so kurz wie möglich zu halten, heißt es dazu auch vom Regierungspräsidium Gießen. Die jährlichen Kosten des Brunnenbetriebs kann die Behörde derzeit nicht beziffern.

Warum ist nach der Tri-Halden-Sanierung überhaupt noch eine derartige Sicherung erforderlich? Unterhalb der früheren Halde befinden sich Gesteinsschichten, in die Schadstoffe über Jahrzehnte eindrangen. Sie werden nach und nach ausgeschwemmt, was aber Zeit benötigt.

von Michael Rinde

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