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Pumpen könnten Hochbehälter ersetzen

Wasserversorgung Pumpen könnten Hochbehälter ersetzen

Zwei Bauabschnitte sind bereits erledigt, der dritte stellt Stadtverordnete und Stadt jedoch vor eine schwierige Frage: Welche der zahlreichen Varianten ist für die Altstadt am ­besten geeignet?

Amöneburg. Gleich mehrere Varianten für den dritten Bauabschnitt hatte das Planungsbüro Kolmer und Fischer vor gut einem Jahr vorgelegt. Schnell wurde damals klar: Einfach wird die Entscheidung nicht, denn die Wasserversorgung der Stadt auf dem Berg ist nicht gerade einfach. So idyllisch die Lage 365 Meter über dem Meeresspiegel auch ist, so schwierig ist es, Wasser in die Altstadt zu bringen.

Eigentlich hatte es eine neue Steigleitung und eine direkte Einspeisung des Wassers ins Ortsnetz der Altstadt am untersten Punkt geben sollen. Zudem war geplant worden, den Hochbehälter außer Betrieb zu nehmen. Kosten insgesamt: 750000 Euro. Doch dann stellte sich heraus, dass die ursprünglichen Planungen nicht ausreichen, weitere Bauabschnitte folgen müssen und die Kosten auf mehr als zwei Millionen Euro steigen. Entsprechend groß war der Schock bei den Stadtverordneten - denen die Mitarbeiter des Fachbüros erklärten, dass sie nicht etwa geschludert hätten, sondern das Erforschen des verästelten Netzes schlicht aufwendig gewesen sei - und noch dazu schwierig, da die vorliegenden Unterlagen­ mangelhaft waren.

Als zentrales Problem stellte sich der viel zu niedrige Druck heraus, der besonders dann zum Problem werden könne, wenn in der Altstadt Löschwasser entnommen werden müsse. Aller Voraussicht nach breche dann die Trinkwasserversorgung zusammen. Ein Grund: An einigen Stellen ist der Durchmesser der Wasserleitungen zu gering. Hinzu kommt, dass der Hochbehälter saniert werden muss.

Entsprechend schlugen die Experten vor, aus Kunststoff einen zweiten Behälter in den ersten einzubauen - und einen weiteren Hochbehälter zu errichten, um die Wasserversorgung zu verbessern und Reinigungs- oder Sanierungsarbeiten zu erleichtern.

Bei Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro kam schnell der Wunsch nach einer zweiten Meinung auf. „Nicht etwa, weil es Zweifel an dem Fachbüro gibt, sondern weil die Thematik sehr komplex ist“, betonte Bürgermeister Michael Plettenberg.

Wartungskosten können zentraler Faktor werden

In Prof. Dr. Ing. Ralf Mehler von der Hochschule Darmstadt (Fachbereich Bauingenieur­wesen, Wassermanagement und Wasserbau) fand die Stadt einen Experten, der sich der Thematik annahm - und überraschend eine bereits verworfene und noch nicht einmal zu Ende geplante Variante wieder ins Spiel brachte: eine Lösung ohne Hochbehälter, die vorerst mit rund 650000 Euro zu Buche schlagen würde - die Stadt hat für das kommende Jahr zumindest eine „Verpflichtungsermächtigung“ über 385000 Euro vorgesehen.

Über Pumpen könne das Wasser bis in die Altstadt befördert werden, erläuterte Mehler, betonte aber gleichzeitig, dass für diese Lösung sehr viel Technik notwendig sei, die natürlich auch höhere Wartungskosten mit sich bringe.

Dipl.-Ing. Thorsten Hitz, einer der beiden Geschäftsführer von Kolmer und Fischer, nahm die Anregung interessiert zur Kenntnis und verwies darauf, dass er für diese Variante zwingend einen Pumpenhersteller kontaktieren wolle. Dieser müsse sich das Konzept anschauen und quasi eine ganzheitliche Lösung mit einem Pumpensystem erstellen.

Mit der Komplexität steige auch die Fehleranfälligkeit, warf Dr. Klaus Mund (SPD) ein - was Hitz mit dem Hinweis kommentierte, dass die Stadtverordneten nicht nur die veranschlagten Baukosten in Betracht ziehen müssten, sondern auch die Folgekosten.

Reinhard Franke (CDU) fragte zudem bei Stadtbrandinspektor Stefan Krähling nach, was die Feuerwehr von der Thematik halte. Dieser entgegnete, dass derzeit der Wasserdruck in der Altstadt zu gering und die Vorräte an Löschwasser nicht optimal seien - wollte sich aber nicht in die Diskussion der Stadtverordneten mit den Fachleuten und in die Meinungsbildung einmischen. Das sei Sache der Experten. „Jede Variante ist besser als die bisherige Lösung“, kommentierte Plettenberg.

Stadtrat Peter Hörl (SPD) erkundigte sich daraufhin bei Mehler, für welche Variante dieser sich entscheiden würde. Wenn die Stadt das notwendige Geld zur Verfügung habe, dann für die bisher präferierte Lösung. Allerdings sollten die Stadtverordneten noch abwarten, wie eine endgültig ausgearbeitete Variante ohne Hochbehälter aussehen und was sie kosten würde.

Bis Herbst gelte es, eine Entscheidung zu treffen, resümierte Plettenberg, während die Stadtverordneten dem Vorschlag zustimmten, das Planungsbüro Kolmer und Fischer tatsächlich damit zu beauftragen, die einst verworfene Variante detailliert auszuarbeiten.

Ziel ist es, im kommenden Jahr den dritten Bauabschnitt anzugehen.

von Florian Lerchbacher

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