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Projektierer weist Vorwürfe zurück

Windkraft Projektierer weist Vorwürfe zurück

Die Diskussionen um die sogenannten „Standorte zwei und sieben“ gehen weiter. Die Firma Juwi ist empört über die Vorwürfe der Bürgerinitiative „Es reicht“ und weist ­diese vehement zurück.

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Markus Dörr (links) verteilte Informationen zur Motivation der Bürgerinitiative „Es reicht“ an die Kommunalpolitiker – hier an Rita Hörl-Eberl und ihren Mann Peter Hörl.Foto: Florian Lerchbacher

Mardorf. „Es zeugt leider von erheblicher fachlicher Unwissenheit und einem unzureichenden Methodenverständnis wenn behauptet wird, dass die Raumnutzungsanalyse nicht korrekt durchgeführt wurde“, ärgert sich Felix Wächter, der Pressesprecher des Windrad-Projektierers Juwi über die Vorwürfe der Bürgerinitiative. Diese hatte, kurz gesagt, behauptet, der Gutachter habe die falschen Horste begutachtet (die OP berichtete ausführlich). „Die von den Fachgutachtern erstellte Studie des Raumnutzungsverhaltens der Rotmilane im Bereich der geplanten Anlagenstandorte ist in jeder Hinsicht methodisch einwandfrei durchgeführt worden. Die Behauptungen der Bürgerinitiative weisen wir daher scharf zurück“, teilt Wächter mit.

Die Bürgerinitiative, die sich ans Regierungspräsidium gewendet hat, würde verkennen, dass es sich bei einer Raumnutzungsanalyse „um die Analyse und Darstellung der Flugbewegungen der Milane im Bereich der geplanten Windräder handelt“. Das Ziel einer solchen Analyse sei es, herauszufinden ob und wie häufig sich die Vögel im Rotorbereich der Windenergie-Anlagen aufhalten. „Dabei ist es völlig unerheblich, wo sich der Horst eines entsprechenden Revierpaares befindet, das am nächsten zur geplanten Anlage brütet - oder wie im vorliegenden Fall, vor drei Jahren gebrütet hat“, erklärt Wächter. Greifvögel hätten innerhalb ihres Reviers nicht nur einen, sondern mehrere Horste. Die Rotmilane würden ihre Nester immer häufiger wechseln und bauten zu Beginn einer Brutperiode neue Horste. „Dieses Verhalten trifft auch auf das Rotmilanpaar nördlich von Höingen zu. Sie besiedeln zwar nach wie vor ihr Revier, nutzten aber im Jahr 2015 einen anderen Horst als im Jahr 2012“, so Wächter.

Regierungspräsidium hat noch nicht entschieden

Derweil läuft die naturschutzrechtliche Prüfung der beiden Standorte beim Regierungspräsidium weiter. „Eine Entscheidung zur Genehmigung der Windkraftanlagen ist noch nicht gefallen“, teilt Thorsten Haas, der stellvertretende Pressesprecher, auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

Unabhängig davon werben die Windkraftgegner weiterhin für ihr Anliegen. Es gebe bereits fast 500 Unterstützer, sagte Sprecherin Dr. Annette Schick gegenüber der OP, während sie im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung Briefe an die Bürgervertreter verteilte. Darin betonen die Mitglieder der Bürgerinitiative, dass sie keine Windkraftgegner seien - aber die Stadt Amöneburg und ihre Bürger mit dem bestehenden Windpark ihren Beitrag zur Energiewende geleistet hätten.

Sie kritisieren Lärm und Schattenwurf der Anlagen und die daraus resultierende Einschränkung - beziehungsweise gar „Vernichtung“ - der Lebensqualität: „Die Windräder machen Lärm und die Menschen krank“, teilen sie mit und verweisen auf Studien aus verschiedenen Ländern. Noch dazu führten die „geringen Abstände der Windkraftanlagen zu unseren Häusern in den umliegenden Dörfern“ zu „drastischen Wertverlusten bis hin zur Unverkäuflichkeit der Immobilie“.

Zudem liege ihnen der Naturschutz am Herzen, denn in den Wäldern gebe es Wildkatzen, Rotmilane und Fledermäuse, die nur noch minimal geschützt würden.

In Richtung der Stadtverordneten ruft die Bürgerinitiative dazu auf, nicht nur die wirtschaftlichen Auswirkungen, sondern auch jene auf die Bürger zu sehen. Sie kündigen in ihrem Brief eine Infoveranstaltung für die zweite Januarhälfte an und rufen dazu auf, eine Bürgerversammlung zum Thema Windkraft und den Auswirkungen zu veranstalten - ein Punkt, den Stadtverordnetenvorsteher Dr. Stefan Heck sogleich aufgriff.

Wie es um die Pläne der Mardorfer Waldinteressenten aussieht, Wald für den Bau weiterer Anlagen (in der Diskussion waren bis zu neun weitere Windräder) zu verkaufen, ist nicht bekannt: Vorsitzender Josef Kräuter war gestern für die OP nicht erreichbar.

von Florian Lerchbacher

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