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Professionelle Jugendarbeit oder nicht?

Haupt- und Finanzausschuss Professionelle Jugendarbeit oder nicht?

Eher unterkühlt war die Stimmung, als sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses im wohlbeheizten Gemeenshaus in Mardorf dem Thema Jugendarbeit widmeten.

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Leben auf dem Floß ist ein Teil der Erlebnispädagogik, die der Verein bsj in der Jugendarbeit anbietet.Archivfoto

Amöneburg. Zum zweiten Mal stellte Karl Nickel vom gemeinnützigen Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit Marburg (bsj) das Grundgerüst eines Konzeptes für professionelle Jugendarbeit in Amöneburg vor. Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg sieht dafür großen Bedarf, insbesondere vor dem Hintergrund, dass es bei den Jugendräumen immer wieder „Unregelmäßigkeiten“ gebe (die OP berichtete mehrfach).

Entsprechend hatte er den Verein, der sich im Kreis etabliert und bereits in mehreren Kommunen für die Jugendarbeit verantwortlich ist, um ein Konzept gebeten - wohlwissend, dass das Geld knapp ist und die Stadtverordneten selten die Spendierhosen anhaben, zielte er dabei nur auf die Minimallösung ab.

35000 Euro soll der auf vorerst drei Jahre angelegte „Versuchsballon“ kosten, knapp 20 Wochenstunden Jugendarbeit würde die Kommune dafür erhalten. Nach Abzug der für Vorbereitung und Verwaltung notwendigen Zeit blieben nicht einmal zwei Wochenstunden pro Stadtteil und Jugendraum übrig, kritisierte Amöneburgs Ortsvorsteher Herbert Fischer. Jan-Gernot Wichert (CDU) schlug in die gleiche Kerbe, während sein Fraktionskollege Reinhard Franke befürchtete, der bsj würde als Konkurrent der Vereine auftreten. „Viele Jugendliche fallen aus den Vereinen heraus“, entgegnete Nickel. Sebastian Habura, der über seine langjährige erfolgreiche Arbeit als Stadtjugendpfleger in Neustadt berichten wollte, betonte: „Es soll keinen Wettbewerb geben. Vielmehr zielen wir auf Kooperationen ab, von denen beide Seiten profitieren.“ Fischer kommentierte, in Amöneburg hätten die Vereine keine Nachwuchssorgen. Im Gespräch mit dieser Zeitung hob er hervor, er sei nicht gegen Jugendarbeit. „Wenn, muss man sie richtig machen, sonst ist sie nicht effektiv genug.“ Sollte ein Versuchsballon gestartet werden, dann mit einer vollen Stelle. Wichert will indes, dass zunächst grundlegende Fragen geklärt werden: „Was brauchen wir überhaupt für ein Konzept? Was wollen unsere Jugendlichen?“ Er forderte eine Analyse des Ist-Zustandes und Fakten.

Ausschuss verschiebt Aussprache und Empfehlung

Kritik kassierten die bsj-Mitarbeiter auch dafür, dass sie sich in dem Konzept noch nicht mit den für die Stadt spezifischen Bedürfnissen auseinandergesetzt haben - allerdings hat die Stadt das Grundgerüst des Konzeptes kostenlos erhalten. Aussprache und Abstimmung blieben aus. Das wollen sie in der für kommenden Montag, 19.30 Uhr, angesetzten Sondersitzung im Gemeenshaus nachholen. Dann setzen sie sich auch mit dem Thema Jugendraum für Amöneburg und der Frage auseinander, ob die Stadt den Jugendraum Rüdigheim von der Kirchengemeinde übernehmen soll. „Das mache ich nur, wenn mir die Stadtverordneten die Mittel zur Verfügung stellen, um den Raum vernünftig zu begleiten“, sagte der Bürgermeister.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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