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Präsenz nimmt viele Ängste

Sicherheitsgefühl Präsenz nimmt viele Ängste

Mit drei zusätzlichen freiwilligen Polizeihelfern, mehr Präsenz von Polizisten und seit November außerdem mit bis zu drei Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes soll in Stadtallendorf Ängsten entgegengewirkt werden.

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Das Themenfoto stellt eine Ladendiebstahls-Situation dar. 80 Ladendiebstähle wurden in Stadtallendorf im vergangenen Jahr polizeilich registriert. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. Wie am Montag bekanntwurde, gibt es seit November vergangenen Jahres ein Pilotprojekt. Seitdem finanzieren die Stadt Stadtallendorf und die Werbegemeinschaft Stadtallendorf aktiv den Einsatz eines privaten Sicherheitsdienstes in der Innenstadt. Sascha Mahler und zwei seiner Mitarbeiter patrouillieren zu unterschiedlichen Zeiten in der Innenstadt, stehen bei entsprechendem Anruf innerhalb weniger Momente bei einem Einzelhändler im Laden, wenn er Hilfe braucht, etwa beim Verdacht auf mögliche Ladendiebe oder nur dem bekannten „unguten Gefühl“.

Die Stadt habe erst einmal eine Einschätzung über den Bedarf haben wollen, begründet Bürgermeister Christian Somogyi den Umstand, dass über diese Kooperation bisher nichts bekannt geworden war. Hintergrund der Initiative waren Ängste und Gerüchte seinerzeit, als klar war, dass Stadtallendorf eine Erstaufnahmeeinrichtung erhält. Auch bei den Informationsveranstaltungen äußerten Bürger Befürchtungen zur Sicherheitssituation in der Stadt. Dem traten gestern Heinz Frank, Leiter der Polizeistation Stadtallendorf, und Ralph-Dieter Brede, Leiter der Polizeidirektion Marburg, aber auch noch einmal deutlich entgegen. Stadtallendorf sei beileibe kein „Brennpunkt für Flüchtlingskriminalität geworden“, formulierte Brede. Frank verwies darauf, dass es weder in Neustadt noch Stadtallendorf zu nennenswerten Gewaltdelikten von Flüchtlingen gegenüber Bürgern gekommen sei.

Gleichwohl: In Stadtallendorf hat sich ausweislich der polizeilichen Kriminalstatistik die Zahl der Ladendiebstähle im vergangenen Jahr von 38 auf 80 erhöht, die Zahl der Körperverletzungen stieg laut Polizeiangaben von151 im Jahr 2015 auf 183. Bei den Körperverletzungen gab es eine sehr hohe Aufklärungsquote der Polizei, in beiden Jahren 93 Prozent. Ralph-Dieter Brede erklärt den Anstieg der Fallzahlen in Stadtallendorf „überwiegend durch Auseinandersetzungen in Flüchtlingseinrichtungen“, sprich Erstaufnahme-Camp und größeren Unterkünften, in denen Flüchtlinge in der Stadt leben.

Im Fokus steht die steigende Zahl von Ladendiebstählen, wo das Sicherheitsdienst-Konzept auch ansetzt. Große Handelsunternehmen, die in Stadtallendorf Filialen unterhalten, haben eigene Sicherheitsleute. Der jetzt engagierte Sicherheitsdienst kommt auch und gerade den kleineren Einzelhändlern zugute. Mit Erfolg, so die erste Bilanz des Pilotprojektes, das Stadt und Werbegemeinschaft nun bis Ende Juni fortsetzen wollen. Die Stadt wolle das verfolgte Konzept solidarisch mit den Händlern weiterbetreiben, so Bürgermeister Somogyi.

„Es ist gut, dass wir ein Zeichen gesetzt haben“, resümierte Peter Zein vom Vorstand der Werbegemeinschaft. Heinz Frank, Leiter der Polizeistation Stadtallendorf, formuliert es ähnlich, insbesondere mit Blick auf Ladendiebstähle. „Mit Beginn des Konzeptes gab es eine spürbare Verbesserung“, sagt er aufgrund der Einsatzberichte. Für belastbare Zahlen ist es nach wenigen Wochen allerdings noch zu früh. Auch der von manchem gemutmaßte Anstieg von Ladendiebstählen während des Weihnachtsgeschäftes ist nicht eingetreten, womöglich aufgrund der Vorbeugung vor Ort. Polizei, Stadtverwaltung und Sicherheitsdienst kooperieren dabei, wenn es um das Thema Präsenz geht. Wie die OP berichtete, stockt Stadtallendorf die Zahl der freiwilligen Polizeihelfer von vier auf sieben auf, es gibt eine Kooperation mit Neustadt und Kirchhain. Zugleich wird in der Ordnungsbehörde eine weitere Stelle für einen uniformierten Ordnungspolizisten geschaffen.

Polizei leistet mehr ohne mehr Personal

Bei ihrem Beschluss über die Aufstockung des Polizeidienstes hatte die Stadtverordnetenversammlung noch einmal betont, dass sie auf einer Personalaufstockung bei der Polizeistation Stadtallendorf beharrt. Durch Änderungen bei der Schichtplanungen hat sich die Polizei vor Ort zunächst mal selbst Spielräume geschaffen, um mehr Präsenz in Städten zu zeigen. Sie schützt dabei auch die Erstaufnahmeeinrichtungen vorbeugend, bisher gab es aber keine Vorkommnisse. Die Änderungen und die zusätzliche Streife der Bereitschaftspolizei macht es möglich, dass aktuell bis zu vier Streifenfahrzeuge im Ostkreis pro Schicht im Einsatz sind, statt früher zwei bis maximal drei.

von Michael Rinde

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