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Prächtiger Hof und kulturelles Zentrum

Denkmalschulpreis des Kreises Prächtiger Hof und kulturelles Zentrum

Neben der Alten Schmiede in Schwabendorf geht ein weiterer Denkmalschutzpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf in den Ostkreis: Ausgezeichnet wird die Hofraite Rhiel in Sindersfeld.

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Die Hofraite Rhiel ist nach der Kirche das ortsbildprägende Gebäude-Ensemble von Sindersfeld. Für die vorbildliche Restaurierung des stolzen Vier-Seiten-Hofs erhalten Claudia und Professor Raimund Rhiel heute den Denkmalschutzpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Quelle: Matthias Mayer

Sindersfeld. Die Eigentümer des stolzen Vier-Seiten-Hofs, die Eheleute Claudia und Professor Raimund Rhiel, bekommen die Auszeichnung heute Abend auf ihrem Anwesen durch den Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow überreicht.

Die Eheleute Rhiel haben die längste Zeit ihres Lebens in München zugebracht. Dort wirkte Professor Raimund Rhiel unter anderen als Geschäftsführer eines großen Beratungsunternehmens, zu dessen Betätigungsfeld auch der jährliche Vergleich der Lebensqualität in den wichtigsten Metropolen der Welt gehört. In diesem Ranking kamen mit München, Düsseldorf und Frankfurt zuletzt drei deutsche Städte in die Top-Ten. Zugleich lehrte und lehrt Professor Raimund Rhiel abseits der Metropolen ehrenamtlich an der Marburger Philipps-Universität Versicherungsmathematik. Die Liebe zur Heimat und die Verbundenheit mit der Familientradition bewegten die Rhiels zur Rückkehr in den hoch über dem Ohmtal gelegenen Kirchhainer Stadtteil.

Aus München zurück zu den Wurzeln

„Ich bin auf dem Hof geboren, dort ist meine Heimat“, sagt der Mathematik-Professor Raimund Rhiel. „Seit mindestens 300 Jahren befindet sich der Hof in Familienbesitz. Und er war mit 50 bis 60 Hektar Land immer der größte Hof in Sindersfeld“, erklärt der Wissenschaftler. Dass dies über die Jahrhunderte so geblieben ist, erklärt sich aus dem in Sindersfeld üblichen Erbrecht. Im Gegensatz zu den Nachbardörfern wurde der Besitz nicht durch die Erbfolge immer wieder geteilt, sondern geschlossen an den Erstgeborenen vererbt. So blieben die Höfe in ganzer Größe zusammen.

So wurde es auch bei den Rhiels gehandhabt. Sein älterer Bruder erbte den Hof, Raimund Rhiel besuchte das Gymnasium und studierte später Mathematik. Der rhielschen Tradition auf „Kerns Hof“ - so der Dorfname - drohte das Ende, als der Hoferbe 2002 aus gesundheitlichen Gründen die Landwirtschaft aufgab. „Mein Bruder baute in Kirchhain ein Haus, und ich habe von ihm 2002 den Hof gekauft“, sagte Raimund Rhiel im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Land sei seit dem Rückzug seines Bruders verpachtet und das Anwesen selbst sei bis 2010 vermietet worden.

Danach seine für seine Frau und ihn die Entscheidung für einen Altersruhesitz nähergerückt. In enger Absprache mit Architektin, Baufirma und Denkmalschutz sei ein Konzept für die denkmalgerechte Restaurierung und die neue Nutzung des Hofes entwickelt worden, dessen Umsetzung zwischen Oktober 2010 und Sommer 2011 erfolgt sei, berichtete der Bauherr.

Seit dem Sommer 2011 bewohnen die Rhiels das durch einen gläsernen Aufzug barrierefrei erschlossene Wohnhaus des Hofes, das zeitgleich mit der Sindersfelder Kirche 1913 in der Nachfolge eines Wohnhauses aus dem Jahr 1750 gebaut wurde. In dem ältesten erhaltenen Teil des Hofes aus dem Jahr 1820 entstand eine Wohnung, die eine Familie gemietet hat.

WC im Kuhstall

Für die ehemals Landwirtschaft genutzten Gebäude fand sich zunächst keine Nutzung. „Ohne so richtig zu wissen wofür, haben wir in den Kuhstall zunächst eine WC-Anlage eingebaut“, sagte Professor Rhiel. Aus dieser Investition heraus sei der Gedanke gereift, einen 120 Quadratmeter großen Raum mit einem 40 Quadratmeter großen Nebenraum für Veranstaltungen der örtlichen Vereine herzurichten.

„In Sindesrfeld gibt es kein Dorfgemeinschaftshaus, sondern lediglich einen Gemeinschaftsraum über der Feuerwehrgarage, der nur über eine steile Treppe zu erreichen ist“ begründete der Hausherr seine großzügige Entscheidung.

Mieten kann man die Räume, die schon einige Märkte, ­Ausstellungen und Feste erlebt haben, allerdings nicht. „Wir wollen aus dem Hof keine Eventscheune machen“, stellt Raimund Rhiel klar. Die Räume werden nur den Ortsvereinen und Freunden kostenlos zur Verfügung gestellt. Und heute dem Landkreis. Der vergibt ab 17.30 Uhr dort seine Denkmalschutzpreise 2014 an die drei Preisträger.

von Matthias Mayer

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