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Politiker fürchten jetzt den "Gau"

Bundesstraße 454 Politiker fürchten jetzt den "Gau"

Die Nachricht, die die OP am 8. Januar zum weiteren Ausbau der Bundesstraße 454 verbreitete, hat zu einer politischen Reaktion des Stadtallendorfer Parlaments geführt. Dort wird der Druck auf das Land erhöht.

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Die Kreuzung an der Bundesstraße 454 muss noch für rund 18 Millionen Euro umgebaut werden, bis dahin dauert es wohl noch einige Jahren, die A 49 rückt näher. Foto: Florian Lerchbacher

Quelle: Florian Lerchbacher

Stadtallendorf. Frühestens in fünf bis sechs Jahren, nachdem es dafür Baurecht gegeben hat, soll der dritte Ausbauabschnitt der Bundesstraße 454 in Stadtallendorf abgeschlossen sein. Das wäre im Jahr 2023, wenn es noch in diesem Jahr einen rechtskräftigen sogenannten Planfeststellungsbeschluss gibt. Das hatte die OP kurz nach dem Jahreswechsel nach entsprechenden Nachfragen beim Verkehrsministerium berichtet.

Dies will das Stadtallendorfer Stadtparlament so nicht hinnehmen, vor allem vor dem Hintergrund, dass voraussichtlich im Laufe des Jahres 2020 die Autobahn 49 bis Schwalmstadt-Treysa befahrbar wird. In einem mit großer Mehrheit gefassten Beschluss fordert das Parlament die Landesregierung dazu auf, den Ausbau der B 454 zu beschleunigen. Geldgeber wären Bund und Land, das Verkehrsministerium sieht gute Chancen für eine Finanzierung durch den Bund. Allerdings veranschlagt Wiesbaden mehrere Jahre für Bauentwurf, Ausschreibung und schließlich den aufwendigeren Umbau.

Den Beschlussantrag hatte die SPD-Fraktion eingebracht, zugleich gab es abermals eine ausführliche Anfrage der FDP und einen Ergänzungsantrag. Jürgen Behler (SPD) bezeichnete das real werdende Szenario als den „größtmöglichen anzunehmenden Unfall“, also den gefürchteten „Gau“. Er hält es durchaus für realistisch, die Kreuzung Hauptstraße/B 454 und Bahnhofstraße bis „2018, spätestens 2019“ fertigzubauen. Bündnis 90/Die Grünen hatten einen Änderungsantrag formuliert, in dem die Landesregierung zur zeitgleichen Fertigstellung der A 49 und Tieferlegung der B 454 aufgefordert wurden.

Sollte das nicht möglich sein, sollte das Land gebeten werden, den ersten Bauabschnitt der A 49 hinauszuzögern. Das bezeichnete Winand Koch (FDP) als „pure Polemik“, Werner Hesse (SPD) sah darin eine „ideologische Frage“. SPD und FDP verständigten sich während der Debatte, dass die Stadtverwaltung die Parlamentarier nun halbjährlich über den neuesten Stand informieren solle. Klaus Ryborsch von der CDU verlangte in Sachen dritter Ausbauabschnitt einen breiten Schulterschluss mit Industrie und Bundeswehr. „Der Lückenschluss der B 3 bei Marburg darf nicht zum Vorbild für die B 454 werden“, formulierte er. Jener Lückenschluss hatte Jahrzehnte auf sich warten lassen.

Ministerium will Baurecht abwarten

Michael Goetz, Grüne, richtete eine andere Frage in Richtung der übrigen Fraktionen: „Glauben Sie ernsthaft, dass es in Wiesbaden jemanden interessiert, was die Stadt fordert?“ Der Antrag von SPD und FDP fand eine breite Mehrheit, nur die Grünen stimmten mit Nein, nachdem vorher ihr Änderungsantrag abgelehnt worden war. Doch ließe sich der weitere Ausbau der Bundesstraße beschleunigen, etwa indem verschiedene Schritte parallel abliefen? Ließe sich nicht etwa der Bauentwurf bereits jetzt beginnen?

Die OP fragte beim Verkehrsministerium erneut nach. Von dort gab es klare Antworten. Natürlich sei Hessen Mobil als Landesbehörde bestrebt, den Ausbau so zeitnahe wie möglich zu realisieren. Aber: „Es wäre völlig unwirtschaftlich, damit zu beginnen, bevor der Planfeststellungsbeschluss bestandskräftig geworden ist“, erklärt Wolfgang Harms, ein Ministeriumssprecher. Er verweist auf denkbare Klagen, die zu Änderungen an den Plänen führen könnten. Klagen, die nicht auszuschließen sind, dürften ohnehin zu einer zusätzlichen Verzögerung bei der B 454 führen. Alle Wiesbadener Prognosen gehen davon aus, dass gegen den Planfeststellungsbeschluss nicht geklagt wird.

Im Übrigen verweist Harms wie schon in Neustadt auf Verkehrsprognosen. Wenn es zu einem vorläufigen Autobahnende bei Treysa käme, so erwarten Verkehrsexperten „nur“ eine Mehrbelastung von 1500 Fahrzeugen am Tag für die B 454 bei Stadtallendorf. Dies könne das vorhandene Straßennetz aufnehmen, so der Sprecher. Doch was passiert, wenn dieser Fall mitten in die Bauphase mit Vollsperrungen fällt, ein Schreckensszenario, das in der Stadtparlaments-Debatte auch vorkam. Immerhin: Hessen Mobil ist bestrebt, den Ausbau der B 454 abzuschließen, bis die Verkehrsfreigabe für den A-49-Abschnitt Schwalmstadt-Stadtallendorf erfolgt, heißt es sinngemäß in der Antwort auf die jüngste OP-Anfrage.

Die Planungen
Rund 18 Millionen Euro soll der Umbau der Kreuzung kosten. Dabei wird die B 454 wie im zweiten Ausbauabschnitt tiefergelegt, der innerörtliche Verkehr fließt dann auf der oberen Ebene.

von Michael Rinde

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