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Plötzlich geht das Rad hinten hoch

Unfall Plötzlich geht das Rad hinten hoch

Das Nasenbein gilt als die Knautschzone des Radfahrers. Manchmal kann auch ein am Lenker montierter Korb diese Funktion ausfüllen. Diese Erfahrung hat Karin Nau bei einem Unfall gemacht.

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Karin Nau mit ihrem Rad am Unfallort: Das Vorderrad blockierte in der Fahrbahn-Absenkung an einem Hydranten-Deckel. Die Radlerin überschlug sich und landete auf dem Bauch.
Fotos: Matthias Mayer

Großseelheim. „Vielleicht hat mir der Fahrradkorb sogar das Leben gerettet“, erzählt die Großseelheimerin und zeigt ein verknäultes Blechgebilde, das gerade noch als Fahrrad-Korb identifizierbar ist. An ihrem Rad ist längst ein neuer Korb montiert, die zerstörte Zusatzlampe ist ersetzt, die Prellungen sind abgeklungen, nur noch ein Knie schmerzt etwas. Und dennoch lässt das Unfallgeschehen Karin Nau nicht los. Verantwortlich für den Unmut ist zuerst die Reaktion der Haftpflichtversicherung der Stadt Kirchhain auf ihre Schadensmeldung. Doch der Reihe nach.

Am 19. Dezember ist Karin Nau in ihrem Heimatort mit dem Rad unterwegs. Sie fährt seit 19 Jahren für die örtliche Apotheke Medikamente aus. „Das ist ein Service, der im Dorf gut ankommt - besonders bei älteren Menschen, die nicht mehr so mobil sind“, erzählt sie. Am 19. Dezember hat sie besonders viel zu tun. Beide Körbe ihres Rades sind mit Medikamenten gefüllt, als sie gegen 17.30 Uhr die kleine Anliegerstraße Am Homberg Richtung Marburger Straße befährt. Auf einem frisch asphaltierten Teilstück der abschüssigen Straße passiert‘s: „Ich merkte, dass ich in etwas reinfahre. Im gleichen Moment geht das Rad hinten hoch. Die Medikamente aus dem hinteren Korb fliegen über mich. Dann wirft es mich über den Lenker auf die Straße. Ich mache eine richtige Bauchlandung“, erzählt Karin Nau von ihrer Schrecksekunde. „Jetzt hast Du einen richtigen Schutzengel gehabt“, schießt es ihr durch den Kopf, als sie mit ramponierten Handschuhen und lädierter Jacke, körperlich aber weitgehend unversehrt, auf der Straße liegt.

Kein Schutz für schwächste Verkehrsteilnehmer?

Als Urheber für den ersten Abflug ihre Lebens („ich habe noch nie mit dem Rad einen Sturz gedreht“) macht sie einen Metalldeckel aus, der nicht bündig mit der Fahrbahndecke abschließt. Beim OP-Ortstermin zeigt sich: An der Abbruchkante geht‘s steil vier Zentimeter bergab, vom Fahrbahn-Planum aus sind es sogar sieben Zentimeter.

Karin Nau meldete die Gefahrenstelle und ihren persönlichen Schaden bei der Stadt Kirchhain, die sie an ihre Haftpflichtversicherung GVV verwies. Über das, was dann kam, hat sich Karin Nau gewundert beziehungsweise geärgert.

Gewundert hat sie sich über die Tatsache, dass sich die Stadt über Wochen nicht um die Beseitigung der besonders für Kinder mit Rollern und Skateboards sehr gefährlichen Gefahrenstelle gekümmert hat. Geärgert hat sie sich über die Aktion der Versicherung, die eine Schadensregulierung mit dieser Begründung ablehnte: Die Verkehrssicherheitspflichten für Fahrbahnen richten sich nach den Anforderungen, die für die dort dominierenden Verkehrsmittel gelten, nämlich die Kraftfahrzeuge. Weder Fußgänger noch Zweiradfahrer genießen insoweit einen besonderen Schutz.“ Der zuständige Sachbearbeiter sprach gegenüber der OP von einem alltäglichen Fall. Eine solche Bodenunebenheit wäre auf einem Gehweg für Fußgänger kritisch, auf einer Fahrbahn aber nicht, sagte er.

Die Verkehrssicherungspflicht an dieser Stelle schützt versicherungsrechtlich Autofahrer, die sich dort höchstens eine Felge oder Spurstange beschädigen können, nicht aber die schwächsten Verkehrsteilnehmer, die sich schlimmstenfalls das Genick brechen können. Diese Auffassung empfinde sie als Zumutung, sagt Karin Nau.

Stadt will denSchaden regulieren

Gordon Schneider kann das nachvollziehen, ohne die Haltung der Versicherung kritisieren zu wollen. „Wir bieten Frau Nau an, dass wir ohne Anerkennung einer Rechtsverpflichtung ihren Schaden regulieren werden“, sagte der auch für Sicherheit und Ordnung zuständige Fachbereichsleiter der Stadt gegenüber der OP. Die Stadt habe die Gefahrenstelle durch den Einbau eines Rings behoben; der Deckel schließe jetzt bündig mit der Straße ab. „Ich räume ein: Das hätten wird auch gleich nach den Asphaltierungsarbeiten im Vorjahr machen können“, bekannte Schneider.

von Matthias Mayer

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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