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Peter Greib: "Die AWG ist gestorben"

Politik Peter Greib: "Die AWG ist gestorben"

Die politische Landschaft von Amöneburg wird um eine Fraktion ärmer: Alle Versuche der Amöneburger Wählergemeinschaft, engagierte Bürger für die Kommunalpolitik zu finden, sind gescheitert.

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Stehen düstere Zeiten für die Kernstadt an? Die Amöneburger Wählergemeinschaft um Vorsitzenden Peter Greib verabschiedet sich nach der Kommunalwahl 2016 aus der lokalen Politik.

Quelle: Tobias Hirsch

Amöneburg. „Die AWG ist am Donnerstagabend gestorben“, fasste sich Peter Greib gestern Morgen kurz. Der Fraktionsvorsitzende hatte es schon geahnt: Zu den ersten beiden Treffen, bei denen die Amöneburger eine Liste für die Kommunalwahl 2016 aufstellen wollten, waren lediglich drei Interessierte gekommen. Und auch beim dritten und letzten Versuch wurde es nicht besser: In Edgar Lotz fand sich ein ehemaliger Ortsvorsteher vom Berg ein, der allerdings schon viele Jahre in der Stadtverordnetenversammlung gesessen hatte, inzwischen über 70 Jahre alt ist und sich trotz seiner Mitgliedschaft nicht mehr politisch betätigen will. Der zweite Gast sei im Schichtdienst tätig und habe mitgeteilt, dass er sich daher nicht regelmäßig engagieren könne, berichtete Greib und betonte: „Dafür habe ich vollstes Verständnis.“ Ohne Groll mache er das Parteibuch zu und verabschiede sich aus der Kommunalpolitik: „Es ist schade, dass wir niemanden mehr finden konnten, der etwas für die Gemeinschaft tun will. Aber das muss ich hinnehmen.“

Von den Stadtverordneten der AWG war nach dem angekündigten Abschied von Hartmut Weber und Lothar Döring nur noch der amtierende Haupt- und Finanzausschuss-Vorsitzende Greib übrig, dem Stadtrat Heinrich Neumann zur Seite steht. „Um Politik zu machen, braucht man Mitstreiter. Und die gibt es nicht“, sagt Greib, der als Fraktionsvorsitzender auch noch eine dritte Amtszeit drangehängt hätte.

Andere Partei? Kommt nicht in Frage!

Ein Engagement in einer anderen Partei kommt für ihn indes nicht in Frage: „Ich hatte Angebote - eins war ganz konkret. Die anderen haben schließlich auch Probleme, Leute zu finden. Aber für mich gilt: Entweder AWG oder nix.“ Auf der Liste für den Ortsbeirat - es wird nur noch eine Gemeinschaftsliste geben, an der sich auch die CDU beteiligt - wird er wohl auch stehen, allerdings nur auf Platz neun.

Insgesamt hat er eine gewisse Politikverdrossenheit bei den Bürgern ausgemacht. Landes- und Bundespolitik seien schuld, dass sich die Menschen nicht mehr engagieren wollen: „Sie rechnen das runter auf die Kommune und haben die Schnauze voll. Über die Hälfte derer, die ich fragte, ob sie sich einbringen wollen, sagten nur: ,Politik? Hör mir uff damit.‘“

Umso mehr freut er sich über das Engagement der AWG-Mitglieder der vergangenen Jahre, auf das er sehr stolz ist. Peter Maus und Günter Graff hatten die Wählergemeinschaft vor rund 25 Jahren gegründet. „Wir wollten der selbstherrlichen CDU zu Biedermanns Zeiten die absolute Mehrheit nehmen. Und das klappte. Bis heute gewann die CDU diese Mehrheit nicht mehr zurück“, erinnert sich Graff, der damals den Christdemokraten den Rücken gekehrt hatte. Bei Greib war es ähnlich: Er wollte sich nicht von Parteipolitik beeinflussen lassen, sondern Kommunalpoltik so betreiben, wie es das Beste für die Stadt ist.

Ein Höhepunkt: die Abwahl von Anders Arendt

„Ich bedauere, dass es nun keine Fraktion mehr gibt, die besonders die Themen der Kernstadt im Blick hat. Aber die Zeiten ändern sich und die Leute scheinen zu glauben, dass so etwas nicht mehr gebraucht wird. In meinen Augen wäre es aber genauso notwendig wie einst“, resümiert Graff.

Auf einen Höhepunkt der AWG-Zeit will er sich nicht festlegen. Ähnlich ist dies bei Greib, der jedoch ein Ereignis noch einmal als absolute Besonderheit heraushebt: die Abwahl von Bürgermeister Anders Arendt, bei der sich die Kommunalpolitiker der Großgemeinde einig waren.

Lob von Richter-Plettenberg

Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg findet es schade, dass die AWG von der Bildfläche verschwindet. „Historisch ist sie ja eine Abspaltung der CDU, eine Initiative die sich offensichtlich inzwischen überholt hat“, sagt er und betont: „Ich finde die AWG hat inhaltlich in den letzten Jahren eine gute Arbeit gemacht und hatte oft mehr als die FWG einen Blick für die Großgemeinde.“ Und dann verteilt er sogar ein bisschen Lob: „Obwohl ich viele Redebeiträge des Fraktionsvorsitzenden Peter Greib oft viel zu polemisch fand, werde ich sie ein bisschen vermissen. Emotionen machen politische Debatten erst interessant. Herr Greib hat den Bauausschuss, wie ich finde, sehr gut geführt.“

Eine Wahlempfehlung, für wen die AWG-Sympathisanten künftig stimmen sollen, gibt es übrigens weder von Greib noch von Graff. Richter-Plettenberg setzt voll auf CDU, SPD und FWG: „Ich würde mich freuen, wenn sich die verbleibenden drei Wahllisten nicht nur die Sitze der AWG in der Stadtverordnetenversammlung aufteilen, sondern deren Programm in ihre Programme integrieren, um zu verhindern, dass in der Kernstadt die Zahl der Nichtwähler steigt.“

von Florian Lerchbacher

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