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Palmendieb erneut verurteilt

Gericht Palmendieb erneut verurteilt

Für die Marburger Justiz ist der Fall um den Diebstahl einer Yuccapalme in Stadtallendorf abgehakt. Das Landgericht verurteilte einen vorbestraften 33-Jährigen und bestätigte damit den Schuldspruch des Amtsgerichts.

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Noch einmal ging es um eine Yuccapalme. Ein 33-Jähriger wurde wegen Diebstahls eines einzelnen Exemplars verurteilt. Archivfoto

Marburg. Es war eine Szene, die naheging: Als die Staatsanwaltschaft nach der Beweisaufnahme verkündete, dass sie 10 Wochen Gefängnis für den 33-jährigen Angeklagten fordere, hörte man vom Flur des Landgerichts ein Schreien und Schluchzen, das durch die Tür in den Gerichtssaal drang. Die Laute seines 2-jährigen Sohnes, der draußen mit seiner Mutter wartete, trieben dem Angeklagten die Tränen in die Augen. Er bedeckte sein Gesicht mit den Händen.

Das Kirchhainer Amtsgericht hatte den 33-Jährigen am 13. Januar für schuldig befunden, eine rund zwei Meter hohe Yuccapalme am 23. September 2013 aus einem Hauseingang in Stadtallendorf gestohlen zu haben. Den Diebstahl des Bäumchens soll der Angeklagte mithilfe eines noch unbekannten Komplizen verübt haben. Zusammen seien die Männer anschließend mit ihrer Beute in dem Wagen der Mutter des Angeklagten geflüchtet. Das Urteil von drei Monaten Gefängnisstrafe hatte der 33-Jährige nicht angenommen, sondern Berufung eingelegt, die vor dem Landgericht verhandelt wurde.

Nachdem der erste Verhandlungstermin vor dem Landgericht kaum neue Erkenntnisse zu Tage gefördert hatte, fand am Freitag der zweite Termin statt. Drei Zeugen machten Angaben: die Mutter, die Ehefrau und die Großcousine des Delinquenten. Doch keine der drei Frauen konnte zum Fall etwas sagen, das die Staatsanwaltschaft ernsthaft an der Richtigkeit des Amtsgerichtsurteils hätte zweifeln lassen können.

Der Sitzungsvertreter der Marburger Staatsanwaltschaft legte dar, dass er eine zehnwöchige Haftstrafe, die aufgrund der zahlreichen Vorstrafen des Angeklagten nicht zur Bewährung auszusetzen sei, für angebracht halte. Außerdem attestierte der Staatsanwalt dem 33-Jährigen „kein gefestigtes soziales Umfeld“ zu haben. „Warum ist mein soziales Umfeld nicht gefestigt? Weil ich Hartz IV bekomme? Ich habe Frau und Kind“, wimmerte der 33-Jährige weinend in Richtung der Staatsanwaltschaft.

Bei ihm schlug die Traurigkeit dann offenbar um. Er empfand die Strafzumessung der Staatsanwaltschaft als „Schweinerei“, beteuerte, dass er „verdammt nochmal unschuldig“ sei und kündigte empört an, im Falle einer Verurteilung „vor den Bundesgerichtshof“ zu ziehen. Richter Hans-Werner Lange klärte ihn auf, dass nicht der Bundesgerichtshof, sondern das Oberlandesgericht für eine potenzielle Revision zuständig sei.

Den Rat hatte der 33-Jährige tatsächlich nötig, denn das Gericht verurteilte ihn zu den beantragten zehn Wochen Haft ohne Bewährung. Mit dem Wort „lächerlich“ kommentierte der Angeklagte das Urteil.

von Benjamin Kaiser

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