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Pächter legen die Flinte weg

Einschnitt Pächter legen die Flinte weg

Neue Jäger braucht das Dorf: Nach vielen Jahrzehnten als Pächter der Erksdorfer Gemarkung geben Hans Amrhein, Rolf Höhle und Wolfgang Bentin die Jagd ab. Vier Nachfolger stehen bereit.

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Peter Glinski, Vorsitzender der Hegegemeinschaft, erster Stadtrat Otmar Bonacker (dritter von links) und der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Ingo Henkel (rechts) verabschiedeten Hans Amrhein (von links), Wolfgang Bentin und Rolf Höhle.Foto: Schick

Erksdorf. Mit großem Beifall verabschiedete die Jagdgenossenschaft ihre drei altgedienten Jäger. „Die Zahlen sprechen für sich. Das gibt es sonst nirgendwo“, staunte der Vorsitzende Ingo Henkel. Hans Amrhein (nach 52 Jahren), Rolf Höhle (nach 46 Jahren) und Wolfgang Bentin (nach 30 Jahren) hängten ihre Flinte endgültig an den Nagel.

Es ist wohl eine der größten Zäsuren in der Geschichte der Jagdgenossenschaft. Nach Jahrzehnten der Kontinuität übernehmen nun mit Rolf Weber, Alexander Frey, Enno Gehrke und Rainer Sauer vier neue Pächter die Jagd rund um Erksdorf.

Schon vor knapp zehn Jahren hatten Amrhein, Höhle und Bentin eigentlich aufhören wollen. Damals - im Gegensatz zu heute - fanden sich aber keine Nachfolger für die beruflichen Ruheständler. „Wir kennen die Neuen. Sie sind zum Teil schon mit uns jagen gegangen“, berichtete Amrhein gegenüber der OP.

In Erksdorf gibt es praktisch keine Hasen mehr

Darum weiß er auch, dass die Jagd in der Erksdorfer Gemarkung weiter in guten Händen liege. Der 80-Jährige warf einen Blick zurück auf die Vergangenheit. Was hatte ihn über mehr als ein halbes Jahrzehnt zu der Arbeit motiviert? „Ich bin Erksdorfer, das Dorf hat mich immer wieder angezogen“, erzählte Amrhein, „außerdem ist es ein sehr schöner Ausgleich zum Alltag, draußen in der Natur zu sein. Das habe ich sehr genossen“.

Die Herausforderungen in der rund 1000 Hektar großen Gemarkung hätten sich in dieser Zeit allerdings stark gewandelt. Aufgrund des zurückgegangenen landwirtschaftlichen Anbaus von Raps sowie weniger Klee gebe es in Erksdorf „heute praktisch keine Hasen mehr“.

Dagegen habe das Schwarzwild-Aufkommen in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Um Wildschäden und -unfälle zu vermeiden, sei es laut Ingo Henkel eine der wichtigsten Aufgaben, die Population des Schwarzwilds zu regulieren.

Die Tätigkeit der Jäger ist aber auch mit einem stetigen Kampf gegen Vorurteile verbunden. „Das Bild ist: sie schießen etwas tot. Und das ist negativ“, erklärte Hans Amrhein. Doch derart eindimensional dürfe man das Wirken der Pächter nicht betrachten. „Wir kümmern uns auch um Hegearbeiten, pflanzen Bäume und Hecken, um den Tieren Schutz zu gewährleisten.“

Dies betonte auch Rolf Höhle. „Mit der Anlegung verschiedener Feldgehölze haben wir etwas für den Naturschutz getan.“ Unter anderem nannte Höhle die jüngst vollbrachte Renaturierungsmaßnahme „In der Zwiesel“ (die OP berichtete), für deren Umsetzung er sich bereits vor 16 Jahren eingesetzt hatte.

von Yanik Schick

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