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Ostkreis-Zentrale steht auf der Kippe

Ärztlicher Bereitschaftsdienst Ostkreis-Zentrale steht auf der Kippe

Auch die Zukunft der ärztlichen Bereitschafsdienstzentrale in Stadtallendorf steht in den Sternen. Das Gebäude für Zentrale und Rettungswache hatte die Stadt erst im August 2010 eingeweiht.

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Vor dem Gebäude der Bereitschaftsdienstzentrale in Stadtallendorf steht das Fahrzeug, mit dem der Arzt im Notfall Hausbesuche macht.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) ist von den Überlegungen, die Bereitschaftsdienstbezirke im Kreis neu zu organisieren und im Prinzip auf Marburg zu konzentrieren völlig überrascht worden. In Stadtallendorf befindet sich der zentrale Anlaufpunkt für Kranke aus dem Ostkreis, die hausärztliche Hilfe nach Schließung der Praxen brauchen (siehe Infokasten). Die Stadt hatte sich seinerzeit dazu entschlossen, den Neubau für die Rettungswache gleich um Räume für die Bereitschaftsdienstzentrale zu ergänzen. Hauptziel des Neubaues war es, die Zentrale in Stadtallendorf zu halten. Doch vor welcher organisatorischen Zukunft steht der ärztliche Bereitschaftsdienst in Stadtallendorf jetzt? Wie die OP am Samstag und in ihrer gestrigen Ausgabe berichtet, gibt es schon weiter gediehene Überlegungen von Kassenärztlicher Vereinigung (KV) und Ärzteschaftsvertretern, aus jetzt noch vier Bereitschaftsdienstbezirken einen zu machen.

Entscheidung kann dauern

Dr. Ortwin Schuchardt, ein Sprecher der 52 Ärzte aus dem Bezirk Ostkreis, spricht von einem Planspiel, Entscheidungen gibt es nicht. „Wenn es dazu kommt, dann könnte das frühestmöglich im Juli nächsten Jahres greifen“, sagt er. Schuchardt sieht es nicht so, dass es eine schnelle Entscheidung der KV gibt. Denn die KV ist aktuell seit wenigen Tagen führungslos (diese Zeitung berichtete am Samstag).

Die bisherigen Überlegungen sehen laut dem Stadtallendorfer Mediziner so aus, dass der Bereitschaftsdienst mit festen Sprechzeiten auf Marburg zentriert wird. Gleichzeitig wird ein Fahrdienst in einzelnen Gebieten geschaffen, sprich ein Arzt kommt zum Hausbesuch, wenn es nötig ist. Im Ostkreis könnte dieser Arzt beispielsweise in der jetzigen Zentrale am Scheidfeld nächtigen. All das liefe zunächst als eine Art von Modellversuch. Die Räume jener Bereitschaftsdienstzentrale führt im Ostkreis zu einer ganz besonderen Situation. Darum haben „wir Ärzte hier auch die größten Bauchschmerzen“, räumt Schuchardt ein. Gemeint ist der erst zwei Jahre alte Neubau, die KV hat mit der Stadt Stadtallendorf einen Mietvertrag geschlossen, der insgesamt zehn Jahre läuft. Erst zweieinhalb davon sind um. Damals, bei der Einweihung, sprachen Ärzte wie Bürgermeister von einer zukunftsweisenden Institution - die nun aber schon wieder zur Disposition steht.

Somogyi kritisiert die Informationspolitik

1,2 Millionen Euro investierte die Stadt damals aus ihrem Etat. Klar ist, dass sich diese Räume auch kaum anderweitig vermieten ließen. „Ich werde alles dafür tun, dass die KV den geschlossenen Mietvertrag auch einhält. Wir dürfen die Stadt Stadtallendorf nicht so brüskieren“, sagt Schuchardt. Besonders verärgert ist Bürgermeister Somogyi über die Informationspolitik. Doch er hat vor allem die Sicherung der Patientenversorgung im Blick. Somogyi hat Schuchardt am Montag gebeten, an einer Sitzung des Magistrats teilzunehmen und dort auch die Fraktionsvorsitzenden über den Stand der Dinge zu unterrichten. Das will der Mediziner auch gerne tun, auch in anderen Städten.

Die ärztliche Versorgung hält der Stadtallendorfer Mediziner für nicht gefährdet. Er verweist darauf, das sich die Zahl der Patienten in der Bereitschaftszentrale nicht erhöht hat, seit die anderen Ostkreis-Städte hinzugekommen sind. Das war im Januar 2009.

Schuchardt hält die Idee, den Bereitschaftsdienst kreisweit auf Marburg zu konzentrieren für nicht unvernünftig. Und er hält es auch für sinnvoll, dass die Ärzte der Region ein eigenes Konzept entwickeln, um später nicht in die Situation zu kommen, von der KV eine fertige Vorgabe zu erhalten. Denn die KV hat konkrete Absichten: Sie will den ärztlichen Bereitschaftsdienst hessenweit neu organisieren. Im Kern geht es darum, die Dienststrukturen zu vereinheitlichen.

Alle Ärzte sollen laut Schuchardt in einen Dienstpool einzahlen, egal, ob sich ihre Praxen in der Stadt oder auf dem Land befinden. Gleichzeitig gibt es eine einheitliche Bezahlung je Dienst. Im Ergebnis könnte das dazu führen, dass ländliche Praxen ebenfalls attraktiver werden und Ärzte auf dem Lande einfacher Nachfolger finden.

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