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Ortsbeirat segnet Tankstellen-Pläne ab

Diskussion Ortsbeirat segnet Tankstellen-Pläne ab

Bürgermeister Michael Plettenberg erneuerte während der Ortsbeiratssitzung sein Plädoyer für den Bau einer Tankstelle. Das Gremium unterstützt mit vier zu eins Stimmen das Vorhaben - knüpft daran aber Bedingungen.

Amöneburg. Kritik ja, Widerstand nein. Nach den Diskussionen im Bauausschuss über den geplanten Bau einer Tankstelle (die OP berichtete) war nicht auszuschließen, dass sich in der Sitzung des Amöneburger Ortsbeirats breiter Protest gegen das Vorhaben formiert. Dazu hätte es allerdings ein klares Votum der Einwohner oder des Ortsbeirats selbst gebraucht - beides bleib aus. Gerade einmal zehn Besucher wohnten der Sitzung bei und äußerten noch dazu unterschiedliche Ansichten. Während eine Frau deutlich die „Verschandelung“ der Landschaft anprangerte, sprach ein Mann lediglich von einem „kleinen Übel“. Schließlich gebe es in der Umgebung viele Beispiele für Städte mit sehenswertem Anblick, der durch die Anwesenheit einer Tankstelle nicht heruntergezogen werde.

Der Ortsbeirat unter Vorsitz von Sefa Elmaci sprach sich am Ende mehrheitlich dafür aus, die Beschlussempfehlung des Bauausschusses zur „Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans“, der den Bau einer Tankstelle an der Kreisstraße 30 oberhalb des Kreisels vorsieht, zu unterstützen. Nur Andreas Müller-Forst stimmte dagegen. „Man sollte die Natur, Kultur und Historie Amöneburgs stärken. Da ist eine Tankstelle nicht passend“, erklärte er.

Gleichzeitig formulierte das fünfköpfige Gremium aber auch einige Bedingungen, die an jene Abstimmung gebunden sind. Neben der Prüfung einer Linksabbiegespur sowie der Einkalkulierung eines möglichen Rückbaus ging es dabei in erster Linie um den Radweg, der momentan parallel zur K30 verläuft. Er soll um die Tankstelle herum geführt werden. Stand jetzt würde es dort zum Begegnungsverkehr zwischen Autos und Radfahrern kommen. „Dann gibt es Tote und Verletzte“, schimpfte Ortsbeiratsmitglied Reinhard Franke (CDU). Zusätzlich dazu protokollierte der Ortsbeirat, bei der Gestaltung der Tankstelle sei „auf das Landschaftsbild Rücksicht zu nehmen“.

Damit war man also wieder bei der Sorge, eine Tankstelle am Fuße des Bergs könne den Blick auf Amöneburg verzerren. Winfried Kaul (SPD), der das Projekt bereits in der Bauausschuss-Sitzung kritisiert und die Gründung einer Bürgerinitiative ins Gespräch gebracht hatte, bemängelte gar einen Verstoß gegen den Regionalplan. Die besondere Sichtweise auf die Stadt, die es demnach zu schützen gelte, werde durch eine Tankstelle beeinträchtigt.

Bürgermeister Michael Plettenberg hielt dagegen: der Standort sei gut eingebettet in einer Senke und von oben durch einen Baumwall geschützt. „Man sieht sie eigentlich nur von ganz wenigen Seiten“, sagte er. Außerdem werde die Verwaltung mittels eines städtebaulichen Vertrags viele Mitspracherechte besitzen, etwa bei Fragen der Farbe oder Oberflächengestaltung. Der designierte Käufer und Betreiber Knies + Lagotka GmbH habe bereits zugesagt, dabei Zugeständnisse zu machen. „Eine Tankstelle ist für mich Basis-Infrastruktur“, warb der Bürgermeister um die Realisierung des Projekts, „wir alle sind heutzutage auf Autos angewiesen. Und wir alle fahren Umwege zum Tanken“.

Etwa 1,4 Hektar Gesamtgrundfläche wird der Investor laut Plettenberg erwerben, rund 3700 Quadratmeter betrage die Fläche der Tankstelle. Winfried Nau (SPD) wurde argwöhnisch: Warum man einen Fußballplatz kaufe, wenn man denn nur eine Würstchenbude eröffnen wolle, fragte er - und äußerte die Befürchtung, auf dem Areal könnten künftig weitere Geschäfte entstehen. Kaul hatte sogar den Verdacht, durch den Tankstellenbau würde die Stadt die Einrichtung eines Gewerbe­gebiets „wieder aufleben lassen“. Der Plan war schon einmal gescheitert.

Plettenberg entgegnete: „Es besteht keinerlei Erweiterungspotenzial. Sobald es größere Kategorien annimmt, brauchen wir die Genehmigung der Regionalversammlung - und die bekommen wir nicht.“ Faktisch und rechtlich sei die Entstehung eines Gewerbegebiets damit nicht möglich.

von Yanik Schick

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