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Ortsbeirat kämpft um Filiale vor Ort

Sparkasse Ortsbeirat kämpft um Filiale vor Ort

Die Sparkasse plant im zweiten Quartal 2018 auch die Schließung ihrer Schweinsberger Filiale. Vom Ortsbeirat hagelt es dafür Kritik. Eine Unterschriftensammlung ist erfolgreich angelaufen.

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Ein Kunde betritt die Sparkassen-Filiale in Schweinsberg, die auf der Streichliste des Kreditinstitutes steht.

Quelle: Michael Rinde

Schweinsberg. Im ersten Halbjahr nächsten Jahres beginnt die Schließung von insgesamt 14 von zurzeit noch 67 Filialen der Sparkasse Marburg-Biedenkopf. Die Filiale in der Biegenstraße in Schweinsberg ist im zweiten Quartal 2018 auf der Streichliste des Kreditinstitutes, einer Anstalt öffentlichen Rechts. Es soll dort dann auch keine Selbstbedienungs-Angebote mit Geldautomat mehr geben.

Ortsvorsteher Adolf Fleischhauer erfuhr es im Ort als erster, er bekam am 8. Oktober Post, unterschrieben von Sparkassen-Vorstand Andreas Bartsch. Der Ortsbeirat hat unmittelbar nach Bekanntwerden und der Veröffentlichung in der OP agiert. Ortsvorsteher Fleischhauer hat sich schriftlich an Bartsch gewandt und um Aufklärung über die Gründe für die Schließung der Schweinsberger Filiale gebeten. Bartsch meldete sich unmittelbar bei ihm und sagte zu, in einer Ortsbeiratssitzung Rede und Antwort zu stehen.

Wegfall der Filiale ist "fatal"

Ein Termin im November wird gerade abgestimmt. Zeitgleich hat eine Unterschriftensammlung begonnen. Die Listen liegen in Geschäften und Arztpraxen aus, innerhalb von 48 Stunden unterschrieben 100 Bürger aus Schweinsberg und Umgebung. Für den Schweinsberger Ortsbeirat ist klar: „Wir fordern nichts anderes als den Erhalt der Filiale“, sagt Fleischhauer stellvertretend für das Gremium und führt Gründe an:

- Schweinsberg erfülle die Funktion eines Unterzentrums, auch für die Umgebung, machte Hans-Georg Lang deutlich, auch bei Geldgeschäften. Das Einzugsgebiet der Schweinsberger Filiale reiche bis Erfurtshausen, Nieder-Ofleiden und Niederklein.

- Gerade für ältere Menschen ist aus Ortsbeiratssicht der Wegfall einer Filiale mit persönlicher Beratung fatal. Ihnen sei es kaum zumutbar, „für 50 Euro stundenlang mit dem Bus nach Stadtallendorf zu fahren“, formuliert es Ortsbeiratsmitglied Reinhard Estor. Das Angebot eines Geldboten sei kein Ersatz. In Schweinsberg sind nach amtlicher Statistik der Stadt Stadtallendorf 212 von 1096 Einwohnern älter als 65 Jahre. 101 Schweinsberger sind sogar 75 Jahre und älter. Diese Zahlen nannte Fachbereichsleiter Freddy Greib auf OP-Anfrage.

- Die Sparkasse agiere wie „eine Privatbank“ und karikiere ihren öffentlichen Auftrag, lautet ein weiterer Vorwurf. Beim Gespräch mit dieser Zeitung werfen Ortsbeiratsmitglieder die Frage auf, ob „die Politik diese Filialschließung einfach nur durchgewunken hat“, wie Estor sagt?

- In Schweinsberg kursiert das Gerücht, dass die Sparkasse ihre Mardorfer Filiale, die nicht auf der Streichliste steht, aufwerten will, vielleicht sogar durch einen Neubau. Das stößt zumindest beim Ortsbeirat auf Unverständnis. Das Unternehmen bestätigte auf Nachfrage der OP entsprechende Überlegungen. Bartsch hatte angekündigt, dass die Sparkasse in verbleibende Filialen investieren will. Entscheidungen gebe es in Sachen Mardorf aber noch nicht, erklärte Bereichsdirektor Peter Gleissner.

- Schließlich sieht der Ortsbeirat seine Bemühungen, die Lebenssituation im Ort zu verbessern, durch die angekündigte Filialschließung „karikiert“.

Jahrelang hatte sich das Gremium zusammen mit dem Verein „Unser Schweinsberg“ um die Ansiedlung von Nahversorgern bemüht. Das trug Früchte, zugleich ist im Ort ein Neubaugebiet auf den Weg gebracht worden. „Das ist ein Riesenrückschritt für uns“, sagt Reinhard Estor. Statt in der Fläche präsent zu bleiben, werde zentralisiert, argumentiert Lang. Die Sparkasse hatte unter anderem auch angekündigt, dass sie in die Filiale in der Bahnhofstraße in der Kernstadt investieren wird.

Hoffen auf Unterstützung aus Stadtallendorf

Eine Frage treibt die Ortsbeiratsmitglieder vor allem um, die nach dem Warum. Es habe keine spezifischen Gründe für die Schließung der Schweinsberger Filiale gegeben, erklärt Gleissner dazu. Er verweist auf das Gesamtkonzept und die darin enthaltenen Überlegungen (die OP berichtete ausführlich). „Wir kommen aus den bekannten Gründen nicht umhin, Standorte aufzugeben. Wir wollen aber dennoch möglichst gleichmäßig in der Fläche präsent bleiben. Die entstehenden Fahrzeiten sollen sich in Grenzen halten“, erläuterte Gleissner in der Antwort auf die Anfrage der OP.

Schweinsbergs Ortsbeirat hofft auf massive Unterstützung der Stadtallendorfer Kommunalpolitik, um Druck aufzubauen. Alle Fraktionen sollen angesprochen werden. Hans-Georg Lang sagte für die CDU bereits die Unterstützung einer Resolution zu. Wäre ein Erhalt der Schweinsberger Filiale mit geringerer Personalbesetzung oder verkürzten Öffnungszeiten für die Sparkasse denkbar? Auch diese Überlegung tauchte im Ortsbeirat auf. Dem erteilt die Sparkasse aber ihrerseits ­eine Absage. „Eine personenbesetzte Fortführung des Standortes kommt auch mit reduzierten Öffnungszeiten nicht in Betracht“, teilt das Unternehmen mit. Allerdings sei man bei Problemen bereit, nach Lösungen zu suchen.

Bürgermeister Christian Somogyi versteht den Ärger der Schweinsberger. Auch für ihn sei die geplante Schließung „eine sehr schlechte Nachricht“. Es stelle sich die Frage, auf welcher Grundlage die politischen Vertreter in den Gremien der Sparkasse den Schließungen zugestimmt hätten. „Wenn das Aus der Schweinsberger Filiale nicht doch noch zu verhindern sein sollte, muss zumindest darüber nachgedacht werden, ob Sparkasse und VR-Bank nicht kooperieren. So könnte zumindest die Geldversorgung in der Fläche sichergestellt werden, natürlich ohne usatzgebühren an Geldautomaten“, sagte Somogyi.

von Michael Rinde

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