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Opfer fehlen nach der Tat einzelne Erinnerungen

Zeugenvernehmungen Opfer fehlen nach der Tat einzelne Erinnerungen

Im Februar war es in einer Kneipe in der Niederkleiner Straße zu Tumulten und zwei Schlägen mit ­einer Glasflasche gekommen. Das Amtsgericht Marburg bemüht sich weiter um Aufklärung der unübersichtlichen Szenen.

Stadtallendorf. von Yanik Schick

Stadtallendorf. In den frühen Morgenstunden jenes Samstags soll der angeklagte Algerier mit einer Gruppe russischstämmiger Männer aneinandergeraten sein (die OP berichtete mehrfach). Der Grund für die Auseinandersetzung ist immer noch nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, im Zuge dieser Tumulte einem seiner Kontrahenten eine Glasflasche an den Kopf geschlagen zu haben. Die im Vergleich wesentlich folgenschwerere Tat, bei dem ein anderes Opfer das scharfe Ende einer zerbrochenen Flasche in den Hals gerammt bekam, ist indes gar nicht Inhalt der Anklage.

Sofern der Mann aus Algerien dafür verantwortlich sei, könne Notwehr nicht ausgeschlossen werden, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Das hatten die vorangegangenen Ermittlungen gezeigt. Dennoch ist eine Verurteilung in diesem Fall und damit wegen versuchten Totschlags noch nicht vom Tisch: Bei glaubhaften Anschuldigungen seitens der Zeugen könne die Tat verhandelt werden, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft. Unabhängig davon weist der 28-jährige Algerier bislang jede Schuld von sich.

Bei der Fortsetzung der Hauptverhandlung unter Vorsitz von Richter Cai Adrian Boesken im Marburger Amtsgericht sagte nun ein 34-jähriger Landsmann des Angeklagten aus. Beide kennen sich, scheinen allerdings kein gutes Verhältnis miteinander zu pflegen. Der Zeuge - zur Tatzeit Gast in der Kneipe - spricht davon, im Nachgang der Nacht Drohungen vonseiten des ­Angeklagten erhalten zu ­haben. „Ich möchte Ihnen sagen, er hat den Mann mit der Flasche an den Hals geschlagen“, betonte der 34-Jährige, dessen Äußerungen von einem Dolmetscher übersetzt wurden. Verteidiger Sascha Marks zweifelte nach der Aussage die Glaub­würdigkeit des Zeugen stark an. „Er hat jetzt zum sechsten Mal etwas anderes geantwortet“, sagte er auch im Hinblick auf die polizeilichen Vernehmungen.

Daneben war das zweite der beiden Opfer geladen, das - gezeichnet von einer sichtbaren Narbe auf der rechten Halsseite - den Gerichtssaal betrat. Die Verletzung war in den Tagen unmittelbar nach der Tat „potenziell lebensgefährlich“, so die damalige Einschätzung der Staatsanwaltschaft.

28-Jähriger stand nach Angriff unter Schock

Er habe gesehen, wie einer seiner Kumpels „in einer dunklen Ecke“ mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen worden sei, erinnerte sich der 28-Jährige. Dem mutmaßlichen Täter sei er daraufhin in die Toilette gefolgt. „Ich bin zur Tür rein und habe eine Flasche an den Hals bekommen.“

Wie der Mann ausgesehen habe, konnte das Opfer nicht sagen. „Ich stand unter Schock und habe mir einfach nur an den Hals gepackt.“ Darüber hinaus habe er es „ein bisschen mit dem Alkohol übertrieben“ und könne sich nicht mehr an alle Umstände erinnern.

nDie Verhandlung wird am Mittwoch, 10. August um 10.30 Uhr in Saal 152 des Amtsgerichts Marburg fortgesetzt.

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