Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Ohne einen Arzt bewegt sich nichts

Jubiläum Ohne einen Arzt bewegt sich nichts

Die Versehrten- und Behindertensportgemeinschaft (VBSG) Neustadt-Stadtallendorf feierte am Samstag ihr 50-jähriges Bestehen: Zu dem Festakt kamen rund 150 Gäste in die Stadthalle.

Voriger Artikel
Stadt Neustadt erinnert an Schutzpatron
Nächster Artikel
Der Ortsdiener, Telefonstreiche und ein Strip

Zum Foto stellen sich die Geehrten Siegfried Beck (erste Reihe, von links), Yvonne Pfeiffer und Hans-Jürgen Gremm, gemeinsam mit Angelika Heesch (von rechts), Bernd Weitzel, Hans Jörg Klaudy, Christian Somogyi, Dr. med. Gottfried von Knoblauch und den Stadtverordnetenvorstehern aus Stadtallendorf und Neustadt, Ilona Schaub und Franz W. Michels, auf.Foto: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. Seit 50 Jahren betreibt die VBSG Neustadt-Stadtallendorf Rehabilitationssport. Die Herzsportgruppe innerhalb dieser Sportgemeinschaft besteht seit 30 Jahren.

Vor 50 Jahren hatten sich Walter Frohmüller und Albert Fiedler die „gewaltige Aufgabe und segensreiche Arbeit“ zu eigen gemacht und die VBSG Neustadt-Stadtallendorf gegründet. Ihr gehören heute rund 100 aktive Mitglieder an. Die VBSG hat mit der Reha-Sportgruppe Orthopädie und der Herzsportgruppe Innere Krankheiten zwei aktive Einheiten.

Viel Applaus gab es für die festliche musikalische Umrahmung durch das Bläserensemble der Evangelischen Sing- und Musikschule Stadtallendorf, unter der Leitung von Philipp Schütz. Mit strahlendem Trompetenklang und dem feierlichen „Festmarsch“ von Georg Friedrich Händel hatten die Musiker die Veranstaltung eröffnet.

Für Moderator Hans-Jürgen Gremm, Fachübungsleiter und Vorsitzender des Festausschusses, war es eine „Ehre und freudige Pflicht“, rund 25 Ehrengäste aus Wirtschaft, Politik, Ärzteschaft, Bundeswehr und Sport willkommen zu heißen. Es sei ein großer Unterschied, ob man einen „normalen“ Sportverein führe oder einen Behindertensportverein, betonte er: Neben all den üblichen Aufgaben eines Sportvereins kämen noch die Genehmigungsverfahren vor dem Sport sowie das Abrechnungswesen mit den Krankenkassen und den daraus resultierenden Problemen hinzu, dann noch die besondere Qualifizierung der Übungsleiter, die unbedingte Anwesenheit eines Arztes beim Herzsport inklusive einer kompletten Notfallausrüstung. „Es bewegt sich in der Halle nichts, wenn kein Arzt da ist“, so Gremm.

In seiner Festansprache ging er auf die koronare Herzerkrankung - die häufigste Erscheinungsform der Herzerkrankung - ein und hob die wichtige Bedeutung von Sport und Bewegung hervor. „Der Sport stärkt sowohl das beeinträchtigte Selbstvertrauen als auch das Selbstbewusstsein. Und er dient dazu, soziale Kontakte zu knüpfen. So leistet er auf diesem Weg einen wichtigen Beitrag zur Inklusion und Integration in die Gesellschaft“, betonte Gremm.

Zahlreiche Redner schlossen sich an, gratulierten dem Verein und überreichten Schecks und Gutscheine zur Fortbildung. Den Auftakt bei den Grußworten machte Dr. Thomas Schäfer, der hessische Finanzminister. Seit 50 Jahren leiste der Verein durch Sport seinen Beitrag dazu, die Gesundheit zurückzuerhalten - und das, obwohl erst im Jahr 1968 erstmals wissenschaftlich nachgewiesen worden sei, dass auch nach einem Herzinfarkt Ausdauerleistungen des Herzens erbracht werden könnten.

Als Schirmherr lobte Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi die Arbeit des Vereins, die zur wichtigen Integration der Menschen mit Behinderungen beitrage. Gerade im Sport zeige sich, was Menschen mit Behinderungen leisten können, erklärte Somogyi und erinnerte an die Paralympischen Spiele. Der Sport habe zu einem Wandel in der Gesellschaft geführt: Statt Betroffenheit sehe man heute die Leistung desjenigen, der sie erbringe. Eine besondere Würdigung erfuhr der Vereinsvorsitzende Siegfried Beck. Er wird in wenigen Tagen 81 Jahre alt und führt trotz seines körperlichen Handicaps - der linke Oberarm wurde amputiert - den Verein seit 25 Jahren. Somogyi und Gremm stellten seinen hohen Einsatz heraus und überreichten zusammen mit Stadtverordnetenvorsteherin Ilona Schaub Blumen an Beck und seine Frau Margit.

„Sie haben die Inklusion erfunden, als das Wort noch keiner kannte“, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete, Marian Zachow.

Seine Anerkennung drückte auch Dr. med. Gottfried von Knoblauch aus, der Präsident der hessischen Ärztekammer. Ihm verlieh der Verein als Anerkennung für 20 Jahre aktiver Arzt im Herzsport eine Urkunde.

Hans Jörg Klaudy, Vertreter des Hessischen Behinderten- und Rehabilitationsportverbandes, und Anneliese Heesch, die Vorsitzende des Bezirks VII, würdigten anschließend Siegfried Beck, Hans-Jürgen Gremm und Yvonne Pfeiffer für ihre besonderen Verdienste um den Sport für Menschen mit Behinderungen sowie ihr langjähriges Engagement.

Beck ist seit 25 Jahren Vereinsvorsitzender und seit 35 Jahren Fachübungsleiter im Rehabilitationssport Orthopädie und Innere Medizin.

Gremm wurde für 30 Jahre Fachübungsleiter Rehabilitationssport Orthopädie und Innere Medizin ausgezeichnet. Er sei neben dem ersten Vorsitzenden die „Seele des Vereins“, so Heesch.

Pfeiffer ist seit 17 Jahren Fachübungsleiterin Rehabilitationssport.

Als Vertreter des Hessischen Landessportbundes und des Sportkreises Marburg zeichnete Bernd Weitzel dann noch Siegfried Beck und Hans-Jürgen Gremm mit Urkunde, Ehrennadel und Verdienstnadel aus. Dem Festakt schloss sich ein gemeinsames Mittagessen an.

von Karin Waldhüter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr