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Offiziell bestätigt: zu 100 Prozent wild

Tierfund Offiziell bestätigt: zu 100 Prozent wild

Anfang März wurde in Bracht eine totgefahrene Katze gefunden. Größe und Statur legten die Vermutung nahe, dass es sich dabei um eine Wildkatze handeln könnte. Nun gab es die offizielle Bestätigung.

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Eine Wildkatze sitzt in ihrem Gehege im Wildtierpark Edersee.

Quelle: Uwe Zucchi

Bracht. Eine kurze Mitteilung. Der Inhalt der Nachricht eindeutig. Eberhard Leicht, Leiter des Forstamts Burgwald, war sich damals - beim Anblick des Tieres - eigentlich schon sicher. Das Schreiben des Forschungsinstituts Senckenberg, das nun auf seinem Schreibtisch liegt, ist lediglich die offizielle Bestätigung. Darin ist vermerkt: 100 Prozent Wildkatze.

Anfang März meldete die in Bracht lebende Franziska Wagner dem Forstamtsdirektor einen Todfund. Wagner hatte eine acht Kilo schwere Katze auf der Verbindungsstrecke K3077 zwischen Schönstadt und Bracht entdeckt. Eberhard Leicht schaute sich das Tier an und entsendete ein Stück der Zunge für die genetische Untersuchung nach Frankfurt.

Die tote Wildkatze, die in Bracht gefunden wurde.
                                                        Privatfoto

Mit dem Ergebnis ist nun auch klar, dass es sich bei dem Brachter Exemplar eben nicht um einen sogenannten Blendling - einer Mischung aus Haus- und Wildkatze, sondern um ein echtes, reinerbiges Tier (Felis silvestris) handelt. „Die Sache mit dem Blendling wird meiner Meinung nach sowieso überschätzt. Denn Wildkatzen neigen nicht unbedingt dazu, sich mit normalen Hauskatzen zu paaren“, sagt Leicht. Ein Test, der noch möglich gewesen wäre, jedoch aus Kostengründen nicht gemacht wurde, ist der des genetischen Fingerabdrucks.

Diese Untersuchung hätte laut Leicht einen weiteren wichtigen Erkenntnisgewinn zur Folge. Damit hätte sich nämlich feststellen lassen, ob die tote Wildkatze aus Bracht zugewandert ist oder ob deren Gene mit bereits registrierten heimischen Tieren übereinstimmen. „Solch eine Untersuchung kostet natürlich“, sagt Leicht, denn bezahlen müsse immer der Auftraggeber. Leicht ist derzeit auf der Suche nach Sponsoren, um diese genetischen Tests in Zukunft anwenden zu können. Damit ließen sich dann auch weiterführende Aussagen über die Verbreitung der scheuen Waldschatten treffen.

Und was passiert nun mit dem toten Tier? „Die Wildkatze ist derzeit beim Präparator“, sagt Eberhard Leicht. Da sie lediglich eine leichte Verletzung an der Nase aufweise, sei die Katze ein ideales Anschauungsobjekt. In Zukunft wird die präparierte Wildkatze unter anderem den angehenden Forstamtsschülern zu Lehrzwecken zur Verfügung stehen. Nicht ausschließen will Leicht, dass die Brachter Katze auch in Schulen und bei der Öffentlichkeitsarbeit gezeigt wird.

Mehr als 6000 DNA-Proben wurden untersucht

Wildkatzen sind in Deutschland einer Studie der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zufolge weiter verbreitet als bislang angenommen. Im Hauptverbreitungsgebiet der scheuen Tiere von Nordbayern über Hessen bis Südniedersachsen sowie von Eifel, Hunsrück und Pfälzerwald im Westen und Thüringer Wald im Osten gebe es kaum noch größere Waldgebiete ohne sie, teilte die Gesellschaft in Frankfurt mit. In weiten Teilen der waldreichen Mittelgebirgsregionen kämen sie fast flächendeckend vor.

Die Tiere lebten auch dauerhaft in Gebieten, in denen das vor zehn Jahren noch nicht vermutet worden sei - etwa im Westerwald, dem nordhessischen Kellerwald und der Rhön. Als neue Verbreitungsgebiete seien in der Studie der Kottenforst bei Bonn und der Arnsberger Wald in Nordrhein-Westfalen hinzugekommen. Nichtsdestotrotz sei die Wildkatze aber mit 5.000 bis 10.000 Tieren eine seltene Art. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland ziert eine Wildkatze das Logo des neuen länderübergreifenden Nationalparks Hunsrück-Hochwald.

Nun wurden bei einer Senckenberg-Studie mehr als 6.000 DNA-Proben ausgewertet. Darunter seien 2220 Wildkatzen-Individuen gewesen, nur rund 300 Hauskatzen und 86 Mischlinge. Die Proben waren zwischen 2007 und 2013 in allen größeren zusammenhängenden Waldgebieten vor allem an mit Baldrian eingeriebenen Lockstöcken gesammelt worden. Das zieht Wildkatzen an, sie reiben sich daran und hinterlassen so Haare für genetische Analysen. Weitere Proben stammten von überfahrenen Tieren wie jenem aus Bracht. Der Unterschied zwischen der Zahl der Proben und der Individuen ergebe sich dadurch, dass Tiere auch mehrfach Spuren hinterlassen hätten, sagte eine Sprecherin der Gesellschaft.

44 Prozent der bestimmten Wildkatzen-Proben seien außerhalb des zuvor bekannten Verbreitungsgebiets gesammelt worden, erklärte Katharina Steyer, Doktorandin an dem Forschungsinstitut und der Frankfurter Goethe-Universität.

Die Wissenschaftler begründen die recht große Verbreitung der Wildkatzen mit dem strengen bundesweiten Schutz der Tiere, einem Umdenken im Waldbau und den Folgen starker Stürme in den vergangenen Jahren. Dadurch seien Landschaften entstanden, die anders als monotone Wirtschaftswälder reichlich Deckung und Nahrung böten.

von Dennis Siepmann
und unsere Agentur

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