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Nur der Schirmherr war unmusikalisch

125 Jahre MGV Nur der Schirmherr war unmusikalisch

Mit zwei abwechslungsreichen Liederabenden und einem lockeren Kommers feierte der Männergesangverein Rüdigheim sein 125-jähriges Bestehen.

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Der Männergesangverein Rüdigheim eröffnete die Feierlichkeiten anlässlich seines Jubiläums mit zwei Liedern.Fotos: Klaus Böttcher

Rüdigheim. Der Jubiläums-chor unter der Leitung von Bernhard Wieber ließ es sich natürlich nicht nehmen, den Abend im Schützenhaus mit zwei Liedbeiträgen zu eröffnen. Nach einer Ansprache des Vereinsvorsitzenden Heinrich Herz durften gleich die nächsten heimischen Sänger ran, was sie mit viel Freude taten: Der junge Chor Rüdigheim brachte zusammen mit dem Kinderchor Amöneburg einige frische Liedbeiträge zu Gehör.

Anschließend blickte Heinrich Herz in einem kurzen geschichtlichen Abriss auf die vergangenen 125 Jahre zurück - auf lockere, teils humorvolle Art: Knechte und Mägde hätten zwischen den Jahren keinen Stall ausmisten müssen, also frei gehabt. Bei der Frage, was sie an den dunklen Abenden anfangen könnten, sei die Idee zur Gründung eines Gesangvereins entstanden.

Herz erinnerte daran, dass die Vereinsgeschichte durch die zwei Weltkriege unterbrochen wurde und später ein paar Jahre als gemischter Chor folgten.

Auch den damaligen Regeln widmete sich der Vorsitzende: Einmaliges Fehlen bei der Übungsstunde kostete 10 Pfennig Strafe, beim zweiten Fehlen wurden 20 Pfennig fällig - beim dritten Mal drohte der Ausschluss vom Chor.

Ebenso sei es üblich gewesen , dass die Sänger im Winter Holzscheite zur Singstunde mitbrachten, um den Raum zu heizen und dem Schlottern der Knie vor Kälte entgegenzuwirken.

Herz widmete sich aber auch der aktuellen Lage: „Wir sind zwar stark geschwächt, aber können immer noch auftreten.“

Der Schirmherr der Veranstaltung, Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, freute sich über den Mut des Vereins, mit ihm einen extrem unmusikalischen Mann zum Schirmherrn zu machen. Er betonte, wie wichtig die Erhaltung des Liedgutes und der Pflege der Gemeinschaft seien und hob hervor, dass dies nicht über Facebook möglich sei. „Gesang hat eine Zukunft“, betonte er und bezog sich dabei auf den mitreißenden Auftritt der Kinder und jungen Erwachsenen.

Amöneburgs Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg erklärte, die Klage über fehlenden Nachwuchs treffe beim MGV Rüdigheim, dem ältesten Verein im Ort, nicht zu. Bei den Proben würden Spaß und Freude deutlich sichtbar sein. Außerdem seien auch die jungen Leute noch musikalisch.

Der Europaabgeordnete Michael Gahler ging auf die Unterbrechungen in der Geschichte des MGV ein und sagte: „Wir machen Europapolitik, damit es keine dritte Unterbrechung gibt.“ Günther Herzberger vom hessischen Sängerbund übergab die Jubiläumsurkunden des hessischen und des deutschen Sängerbundes, ehe noch weitere Grußworte folgten.

An den Kommers schloss sich ein Liederabend an, der am Samstag fortgesetzt wurde. Beide Abende wurden zu einem Genuss für die Anhänger des Chorgesangs: Es waren befreundete Chöre aus Amöneburg, Roßdorf, Mardorf, Moischt, Niederofleiden, Schweinsberg, Kirchhain und Niederklein zum Jubiläumsfest des MGV Rüdigheim gekommen.

von Klaus Böttcher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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