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Niederwald braucht neuen Schutzdeich

Fehlende Standfestigkeit Niederwald braucht neuen Schutzdeich

In welchem Zustand befinden sich die stadteigenen Deiche? Mit der Klärung dieser Frage hat die Stadt Kirchhain ein Fachbüro beauftragt. Das Ergebnis ist ernüchternd.

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Der Deich ist vor lauter Bäumen kaum zu sehen. Die Kopfweiden nehmen dem Bauwerk aus dem Jahr 1956 die Standfestigkeit. Ein Plan: Links vom Entwässerungsgraben könnte ein neuer, befahrbarer und wesentlich breiterer Hochwasser-Schutzdeich für Niederwald gebaut werden.

Quelle: Matthias Mayer

Niederwald. Ein Ingenieur aus dem südhessischen Alsbach brachte die Resultate dem Kirchhainer Bauausschuss näher. Danach befinden sich alle drei Bauwerke durch starken Bewuchs und den Befall von Wühltieren in einem schlechten Zustand.

Nach Einschätzung des Fachmanns ist dies für die beiden Deiche in der Wohra-Flutmulde ein eher lässliches Problem. Eine Sanierung nach DIN sei enorm aufwendig, aber auch nicht unbedingt nötig, da die Bauwerke als Sommerdeiche ausschließlich dem Hochwasserschutz für die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen dienten. Er riet den Parlamentariern, die Deiche durch das Schließen von Hohlräumen und Unebenheiten im Bestand zu erhalten und künftig durch zweimalige Mäharbeiten pro Jahr oder durch Beweidung zu pflegen. Für die erste Instandsetzung dieser Deiche rechnete er mit Gesamtkosten in Höhe von 22500 Euro.

Deich hat nicht die nötige Standfestigkeit

Anders verhält es sich mit dem Deich, der sich nördlich von Niederwald zwischen dem großem Damm des Ohm-Rückhaltebeckens und der Kreisstraße nach Anzefahr befindet. Dieser Deich hat eine Hochwasserschutzfunktion, soll Niederwald bei einem Jahrhundert-Hochwasser vor Überflutung schützen. Nach Einschätzung des Gutachters besitzt der Deich dafür nicht mehr die notwendige Standfestigkeit. Er begründete dies mit der Anpflanzung von Kopfweiden, der Verbuschung des kaum noch als solcher erkennbaren Deichs und dem Wühltier-Befall.

„Bäume und Sträucher haben auf Deichen nichts zu suchen“, stellte er fest. Dabei waren die Kopfweiden damals mit amtlichem Segen als Ausgleichsmaßnahme für das Flurbereinigungsverfahren Kirchhains 1 gepflanzt worden, wie Meike Bonsa vom städtischen Grünflächenamt erläuterte. Damals sei die schädliche Wirkung von Wurzelwerk für die Standfestigkeit von Deichen noch nicht bekannt gewesen. Ein weiterer Kritikpunkt des Sachverständigen: Der Deich ist nicht befahrbar und lässt sich im Hochwasserfall nicht verteidigen, weil Schadstellen nicht mit schwerer Technik erreichbar sind.

Der Ingenieur stellte dem Ausschuss drei Varianten zur Lösung des Problems vor, von denen er zwei allerdings gleich verwarf, weil diese in der Regel nicht genehmigungsfähig seien. Der Grund: Sie verringerten den Retensionsraum, wie das Einstauvolumen von Überschwemmungsflächen genannt wird.

Hinter dem alten Deich soll neuer Deich gebaut werden

Die von dem Ingenieurbüro favorisierte Variante sieht einen Rückbau des bestehenden Deiches und eine Verfüllung des jetzigen Sickerwasser-Grabens vor. Zehn Meter weiter in Richtung Landseite soll ein neuer Deich mit einem für 30-Tonner befahrbaren Deichweg gebaut und mit einem neuen Sickerwasser-Graben versehen werden. Kostenpunkt: Etwa 713000 Euro. Diese Lösung bietet drei Vorteile:

  • Die das Landschaftsbild prägenden Kopfweiden können stehen bleiben.
  • Der Retensionsraum wächst um 8000 Quadratmeter. n Weil der Deich neu gebaut wird und nicht saniert, gibt es eine Förderung von bis zu 30 Prozent. „Wir müssen handeln, denn das ist eine Pflichtaufgabe. Das Geld für die Planung muss in den Haushalt“, erklärte Bürgermeister Jochen Kirchner. Diesem Ansinnen verschloss sich der Ausschuss nicht. Dafür hatte das Gremium ein Problem mit der einseitigen Festlegung auf eine Variante. Sie plädierten einstimmig dafür, dass der Magistrat statt der „Variante 3“ die Ausführung „einer förderfähigen Variante“ beschließen soll und billigten zugleich die Vergabe des Planungsauftrags für 185000 Euro. Diese Änderung ist getragen von der Hoffnung, dass sich während der Planung eine Lösung mit geringerem, Flächenverkauf finden möge. „Der Grunderwerb ist die große Unbekannte“, bekannte Bauamtsleiter Volker Dornseif. Dem Bauausschuss-Votum schloss sich auch der Haupt- und Finanzausschuss an.

von Matthias Mayer

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