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Neustadts Zeit als Standort endet

Kaserne Neustadts Zeit als Standort endet

Was 1960 mit dem feierlichen Einzug der ersten Bundeswehrsoldaten in Neustadt begann, endete am Dienstag mit einem unspektakulären Appell. Bis September räumt die Truppe die Kaserne.

Neustadt. Die letzte Gnadenfrist für die Neustädter Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne ist abgelaufen. Am Dienstagnachmittag stellte Oberstleutnant Uwe Reinhard, Kommandeur des Fühungsunterstützungs-Bataillons 286, die beiden in Neustadt stationierten Kompanien seiner Einheit außer Dienst. Für Reinhards Bataillon kommt das Aus Mitte 2015, wenige Monate später schließt auch die mit Millionenaufwand sanierte Kaserne in Rothenburg (Fulda). Eine Kuriosität am Rande: Nur dank der Sanierungsarbeiten in Rothenburg hatte die Bundeswehr die Aufgabe der Neustädter Kaserne im Jahr 2008 überhaupt verschoben.

Nur wenige Besucher verfolgten das historische Ereignis auf dem Appellplatz, die Musik kam aus einer Lautsprecheranlage. „Wir haben hier schon ganz anderes erlebt“, bekannte Neustadts Bürgermeister Thomas Groll wehmütig bei seiner Ansprache.

Die dritte und vierte Kompanie des Führungsunterstützungsbataillons 286 waren 2008 in Neustadt aufgestellt worden, zunächst als Einheiten für die Grundausbildung. Bataillonskommandeur Reinhard erinnerte am Dienstag daran, dass erst ab 2011 der Ausbildungsschwerpunkt der Neustädter Soldaten auf der Führungsunterstützung, sprich Kommunikation gelegen hat. „Die Situation in Neustadt war nicht leicht“, bekannte Oberstleutnant Reinhard. 59 Soldaten der beiden Kompanien aus Neustadt waren in den vergangenen Jahren im Kosovo und in Afghanistan im Einsatz.

Angst vor „Wild West“in der Kaserne

7 der insgesamt 32 Hektar einstiger Kasernenfläche werden inzwischen von zwei Unternehmen zivil genutzt. Zumindest beim früheren Technikteil der Kaserne ist die Konversion, die Umwandlung von Bundeswehrflächen zu zivil genutztem Gelände, in Gang gekommen. Doch was wird nun aus dem restlichen Teil der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne? Vor einem warnt Bürgermeister Groll vor allem: „Dass sich in der leerstehenden Kaserne Vandalismus oder Wild-West-Zustände breitmachen.“ Bis September wird die Kaserne von der Bundeswehr vollends geräumt sein. Wann das Gelände zur weiteren Vermarktung an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben wird, ist noch nicht absehbar.

Jörg Töpper, Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums (früher Standortverwaltung) in Homberg/Efze, will in jedem Falle für „ein höchstmögliches Maß an Sicherheit“ der bald leerstehenden Kaserne sorgen. Klar ist, dass die zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr an den verbleibenden Bundeswehr-Standorten in Stadtallendorf verbleiben können.

Bürgermeister Groll sieht für die Stadt Neustadt keinen Bedarf an Bundeswehr-Liegenschaften. Angesichts des Bevölkerungswandels bestehe kein Bedarf für zusätzlichen Wohnraum.

Außerdem sind die zum größten Teil mehr als 50 Jahre alten Unterkunftsgebäude stark sanierungsbedürftig. Zuletzt brauchte die Bundeswehr noch ganze sechs der Unterkunftsgebäude. Die übrigen standen in den vergangenen fünf Jahren bereits leer.

Interessant könnte theoretisch noch der frühere Sportplatz für die Stadt sein. Doch auch da winkt Groll im Gespräch mit dieser Zeitung ab. Denn Neustadt habe bereits zwei Sportplätze in der Kernstadt. „Und außerdem war es in der Vergangenheit Bedingung, dass wir dann die Sporthalle mit übernehmen müssten, die wir wirklich nicht brauchen“, sagt Groll. Für ihn steht fest, dass es sich die Stadt nicht leisten könne, weiteres Geld, dass die Stadt ohnehin nicht habe, in die leere Kaserne zu investieren.

Bliebe die Hoffnung auf Gewerbebetriebe, die sich dort im Laufe der Zeit ansiedeln könnten. Doch auch dafür müsste die Stadt Geld in die Hand nehmen, um Baurecht zu schaffen. Außerdem wäre jedes Gewerbegrundstück, dass aus dem Kasernengelände heraus entsteht und verkauft wird, eine „Konkurrenz“ zu den fertig erschlossenen Gewerbeflächen im Gebiet „Am Gelicht“.

von Michael Rinde

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