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Neustadts Neuer ist ein Neustädter

Jugendpflege Neustadts Neuer ist ein Neustädter

Mit Sebastian Habura verlässt das Gesicht der Jugendpflege die Stadt Neustadt. Nachfolger Lars Kietz tritt ein schweres Erbe an - auch wenn der Bürgermeister von einem Vergleich nichts wissen will.

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Jugendarbeit ist mehr als nur den Jugendraum aufzuschließen – daher übergibt Sebastian Habura (links) nicht nur einen Schlüssel, sondern auch noch einen Basketball an seinen Nachfolger Lars Kietz.Foto: Florian Lerchbacher

Neustadt. „Am 31. Oktober schließen wir das Buch, machen ein Schleifchen drum und beginnen ein neues.“ Bürgermeister Thomas Groll weiß, dass Sebastian Habura ein Glücksfall für die Stadt war und maßgeblichen Anteil am Aufbau der Neustädter Jugendpflege hat. Als die Kommune vor drei Jahren diese Aufgabe dem Marburger Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj) übertrug und Habura das Amt des Jugendpflegers übernahm, kannte er die Stadt und ihre Jugendlichen bereits, da er zuvor vor Ort über drei Jahre lang als Streetworker tätig gewesen war.

Schon damals wusste der Bürgermeister bereits, dass „Habu“, dessen Markenzeichen graue Trainingshosen sind, die Sprache der Jugendlichen spricht und weiß, wie man auf sie zugehen und für sich gewinnen kann. „Jugendarbeit besteht nicht nur aus Spontanität und kumpelhaftem Auftreten: Es ist auch viel pädagogisches Knowhow gefragt - und das hat gepasst“, lobt Groll, der den 34-Jährigen nun aber, ebenso wie der bsj, ziehen lassen muss: Habura übernimmt zum 1. November den seit mehreren Monaten vakanten Posten des Streetworkers von Stadtallendorf. „Ich habe sechs wunderschöne Jahre in Neustadt verbracht, doch nun möchte ich mich einer neuen Herausforderung stellen: Ich bekomme die Möglichkeit, in der Stadt, in der meine Kinder aufwachsen, pädagogisch etwas beizusteuern. Da freue ich mich drauf“, kommentiert Habura und freut sich, dass seine Arbeit in Neustadt so gut angekommen sei: „Ich kann die Wertschätzung nur zurückgeben.“

Sein Nachfolger als Jugendpfleger ist Lars Kietz (26) - ein gebürtiger Neustädter, der die Junker-Hansen-Stadt einst gen Marburg verlassen hatte, um dort seinen Master in Bildungs- und Erziehungswissenschaften zu machen. „Er passt wie die Faust aufs Auge. Er hat andere Schwerpunkte als ich und wird seine Akzente setzen“, sagt Habura und wünscht Kietz „viel Spaß mit ganz besonderen Jugendlichen, der Kommune und der Schule“.

Neben den Jugendräumen Neustadt, Speckswinkel und Mengsberg sowie dem selbstverwalteten Jugendtreff in Momberg, der aufsuchenden Jugendarbeit und einem „Programm mit Bildungsanspruch“ für Jugendliche gehört schließlich auch die Arbeit an der Martin-von-Tours-Schule mit unter anderem Arbeitsgemeinschaften, Sprechstunden und Klassenfindungstagen zum Aufgabengebiet, das Kietz künftig gemeinsam mit Dhana Dombrowski beackern darf. „Die Aufgabe besteht nicht nur darin, einen Jugendraum aufzuschließen. Man muss ein Konzept haben, wissen wohin man will und Angebote machen, die den Jugendlichen helfen, sich weiterzuentwickeln“, wirf Jochem Schirp, der Leiter des bsj ein, und betont, „den Richtigen“ für Neustadt gefunden zu haben.

Neben seinem Studium hat Kietz bereits einiges an praktischer Erfahrung gesammelt, unter anderem in der Initiative für Kinder-, Jugend- und Gemeinwesenarbeit im Marburger Stadtwald. Zudem weist er eine Fortbildung zum Erlebnispädagogen vor. „Handwerkliche Bauprojekte habe ich immer gerne übernommen“, sagt er und schwärmt von Abenteuergärten. Ob sich ein solcher auch in Neustadt einrichten lässt, kann er noch nicht abschätzen. Allerdings stecke in den Biotopen an Grundschule und integrierter Gesamtschule einiges an Potenzial, ergänzt der 26-Jährige. Konkrete Pläne für seine erste feste Arbeitsstelle nach dem Studium hat er noch nicht: „Ich möchte offen an die Sache rangehen, die Jugendlichen erstmal kennenlernen und schauen, wo ihre Interessen liegen, welche Wünsche sie haben und was für Bedarfe es gibt.“ Insgesamt sei es natürlich sehr spannend, sich dort um die Jugend zu kümmern, wo er selber aufgewachsen ist - auch wenn er als Kind darauf verzichtete, kommunale Angebote zu nutzen: „Wir haben uns immer selbst beschäftigt - zum Beispiel mit Inlinern, Streethockey oder Basketball. Wenn‘s um Sport ging, war ich immer dabei“, erklärt der Fußballer des FV Bracht.

n Der Vertrag der Stadt mit dem bsj läuft noch zwei Jahre. Bisher prägte große Zufriedenheit das Verhältnis von Kommune und Stadt und es scheint, als wolle der Bürgermeister die Zusammenarbeit, die jährlich 60000 Euro kostet, auch über diese Zeit hinaus fortführen: Auch in Zeiten knapper Kassen sei es sehr sinnvoll, in die Jugend zu investieren -und nicht nur in Kinder und Erwachsene, so Groll.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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