Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Unterm Nudelholz ist‘s unterhaltsam

Unser Dorf hat Zukunft Unterm Nudelholz ist‘s unterhaltsam

Mit dem Herzen dabei: Rund 160 Momberger trugen zur Gestaltung eines abwechslungsreichen Rundgangs durch ihr Dorf bei. Viele weitere unterstützten sie als Zuschauer.

Voriger Artikel
Heimatverbunden und närrisch
Nächster Artikel
Zehn Jahre Kapitän des "kleinen Seglers"

An der Kirche hielt unter anderem Willibald Groß vom Heimat- und Verschönerungsverein (links) Informationen bereit. Im Hintergrund sind zahlreiche Zuschauer zu sehen.

Quelle: Florian Lerchbacher

Momberg. Vereine sind die große Besonderheit des Neustädter Stadtteils Momberg - entsprechend standen sie im Mittelpunkt des Rundgangs, den die Bürger für die Kommission von „Unser Dorf hat Zukunft“ gestaltet hatten. Alle Vereine hatten mindestens einen Vertreter geschickt, der sie bei der Begrüßung im Dorfgemeinschaftshaus repräsentieren sollte. Problem: Die Vielfalt in Momberg ist so groß, dass eine Wand nicht ausreichte, um sich daran aufzustellen - entsprechend scharrten sie sich U-förmig um Ortsvorsteher Jörg Grasse, der das Dorf in groben Zügen vorstellte. Ganz wichtig war ihm dabei, dass der derzeit leerstehende, ehemalige Kindergarten kein Sorgenkind ist, „sondern unser Zukunftsprojekt“, für das es jede Menge Ansätze gebe, um es weiter zu nutzen. Die Ideen reichen vom Repaircafé bis zur Pilgerherberge: „Das soll unsere neue Dorfmitte werden.“

Danach führten die Momberger die Kommission durchs Dorf, das so weitläufig ist, dass sie einen von einem historischen Schlepper gezogenen Planwagen einsetzten, um möglichst schnell und einfach von Station zu Station zu kommen. Während der kurzen Fahrten gesellten sich Vertreter der Vereine dazu und gaben Informationen zu ihrem Engagement. Auf dem Weg zum Schützenhaus berichtete Vorsitzender Edwin Lotter beispielsweise, dass die Schützen ihre Anlage in den vergangenen Jahren in mehr als 10000 Stunden an Eigenleistung umgestaltet haben. Ute Groß vom Heimat- und Verschönerungsverein stellte indes die Pilgerpfade in den Weg und hob hervor, dass es das Ziel sei, Wanderer für einen weiteren Besuch Mombergs zu begeistern.

Unterhaltsamer Zwischenstopp

Besonders beeindruckt war die Jury derweil von der fast 40 Meter hohen Momberger Kirche - die Architekt Severius Schmitt einst innerhalb von drei Jahren mit Unterstützung der Bevölkerung gen Himmel wachsen ließ. Eigenleistung ist in Momberg eben keine Besonderheit der jüngeren Vergangenheit. Ebenso hinterließen die verschiedenen Chöre bleibenden Eindruck bei den Kommissionsmitgliedern, die schwärmten, dass die Sänger mit ihren Stimmen gar die Orgel in den Hintergrund gestellt hätten.

Besonders unterhaltsam war indes der Zwischenstopp beim Verein der Beigefreiten. Die Kommissionsmitglieder - allesamt Fans von Traditionen und Brüchen wie dem für den Ort typischen Ranzemann - hatten einen Heidenspaß mit den eingeheirateten Männern, die auf ihrer Vereinsfahne ein Nudelholz verewigt haben. Auf den typischen Kuss der Fahne wurde verzichtet, aber das ebenso typische Stück schwarzer Wurst spülten die Juroren genüsslich mit dem offerierten Kümmel ­hinunter.

Auch negative Punkte auf der Liste

Vorletzte Station war die Feuerwehr, die in den vergangenen 30 Jahren rund 50000 Euro in ihre Ausrüstung investierte und somit massiv der Stadt Geld sparte. Auch dort zeigte sich, dass die Momberger Eindruck hinterließen, denn eigentlich konnten sie jede gestellte Zwischenfrage positiv beantworten. Ob es denn auch weibliche aktive Brandschützer gebe, wurde Wehrführer Arno Sack gefragt. „Natürlich“, entgegnete er und stellte heraus: „Derzeit sind es vier. Es waren aber auch schon zwölf.“ Ebenso positiv: Auch die negativen Punkte - die, zugegeben, relativ wenige sind - kamen zur Sprache. Annika Lotter thematisierte beispielsweise das alte, ungenutzte Backhaus. Dabei stellte sie allerdings auch heraus, dass die Meinungen zu dem Gebäude auseinandergehen: Die einen sehen es als Schandfleck und den Erhalt als Geldverbrennung an, die anderen freuen sich, dass es die historische Einrichtung noch gibt.

Zum Abschluss ging‘s zur Umwelt- und Naturschutzgruppe, die nicht nur eines der Aushängeschilder des Dorfes, sondern sogar des ganzen Landkreises sind. „Es war super informativ und belebend. Wir sind sehr beeindruckt von der Vielfalt der Vereine und ihrer Aktivitäten“, resümierte Kommissionsleiterin Margot Schneider vom Landkreis.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr