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"Soziale Stadt" ist auf gutem Weg

Ein-Jahres-Bilanz "Soziale Stadt" ist auf gutem Weg

Zwei Stunden lang besuchte der parlamentarische Staatssekretär Florian Pronold die Stadt Neustadt. Im Mittelpunkt stand dabei das Programm und die Projekte der "Sozialen Stadt".

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Flüchtlinge gehören zum Bild der Stadt

Florian Pronold (von rechts) trägt sich unter den Blicken von Thomas Groll und Erstem Stadtrat Wolfram Ellenberg ins Goldene Buch der Stadt ein.

Quelle: Karin Waldhüter

Neustadt. Die Stadt Neustadt befinde sich im Aufbruch, betonte Bürgermeister Thomas Groll beim Besuch des parlamentarischen Staatssekretärs des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bauen und Reaktorsicherheit, Florian Pronold (SPD). Neustadt habe durch das Förderprogramm „Soziale Stadt“ bis 2025 die Möglichkeit, entscheidende Weichen zu stellen, wurde mit seinen Stadtteilen ins Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen, entwickelt ein Altenhilfekonzept und war beim Wettbewerb „Ab in die Mitte“ erfolgreich.

Der Staatssekretär trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein und besuchte mit dem Spielplatz „Leipziger Straße“ und dem „Haus der Begegnung“ zwei Projekte, die derzeit in Neustadt ganz oben auf der Agenda ­stehen. Mit dabei war auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol, der sich seit langem mit dem Thema Städtebau/Stadtentwicklung befasse, wie Groll betonte.

Der Bürgermeister skizzierte den Weg Neustadts hin zur „Sozialen Stadt“. Dabei erinnerte er unter anderem an die Nachricht, dass die Stadt eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge bekomme und gab zu, am Anfang sei ein wenig Goldgräberstimmung aufgekommen: Man habe nach Wiesbaden fahren und fragen können: „Wir bringen eine Leistung für die Gemeinschaft, was bringt ihr mit?“

Einige der Früchte, die abfielen, seien der Kunstrasenplatz, ein Feuerwehrfahrzeug, aber auch die Zusage gewesen, dass Neustadt in das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen wird. Groll beschrieb das festgelegte Fördergebiet, das die Emil-Rössler-Straße, die Altstadt und die Leipziger Straße umfasst, in der derzeit unter Einbeziehung von Eltern und Kindern ein Spielplatz entsteht.

Er widmete sich aber auch dem Haus der Begegnung, das die Stadt neu bauen möchte und quasi auch in ein Familien- und Generationenzentrum mit Bücherei, Begegnungsstätte und vielem mehr umwandeln will.

Staatssekretär sieht Städte als Ankerpunkte der Region

Den Slogan „Soziale Stadt Neustadt - gemeinsam auf dem Weg“ stellte Heike Brandt vom Büro AKP vor. Sie berichtete über den Bau in der Leipziger Straße, das das erste Projekt sei, welches die Stadt umsetze. Ein Bereich, in dem sich Neustadt weiterentwickeln könne, sei die Mobilität, sagte Brandt und sprach mit dem Thema „Bahnhof“ einen Teil Neustadts an, der angegangen werden müsste, um den ländlichen Raum und Neustadt als Wohnstadt zu stärken.

„Es ist wichtig, dass Städte ihrer Größenordnung Ankerpunkte für die ländlichen Räume sind, weil wir dort soziale Infrastruktur vorhalten können, die es im Rest des Umkreises sonst vielleicht nicht mehr geben wird“, sagte Pronold und betonte, dass es ohne den heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol - der ihn begleitete - die Städtebauförderung in der Form nicht mehr gebe.

Er stellte heraus, dass geförderte Projekte eine Aufwertung des Gebietes bedeuteten - noch dazu seien sie ein deutliches Signal an die Menschen: „Wir lassen euch nicht im Regen stehen, sondern ihr seid uns wichtig.“

Bartol lobte die Stadt für ihr Engagement und ergänzte in Richtung Groll: „Ich finde toll, dass ihr das Förderprogramm nicht nur als Abgreiftopf seht, sondern ihr seid dabei, euch Gedanken zu machen, dass am Ende auch die Leute zusammenrücken, Wünsche artikulieren und eine Bindung entsteht.“

Im Gespräch mit dieser Zeitung gab Bürgermeister Thomas Groll einen Überblick über den derzeitigen Stand der „Sozialen Stadt“. Nach zahlreichen Workshops, Gesprächen, Rundgängen beziehungsweise Ortsterminen steht das „Kursbuch“ - das sogenannte Integrierte Stadtentwicklungskonzept - für die Zeit bis zum Jahr 2025.

Geplant ist aber auch noch eine Art „Projektkonferenz“, um die Bewohner des Fördergebietes, Eigentümer aber auch Behörden, Schulen oder Kindergärten zu erreichen und einzubinden, wie der Rathauschef hervorhebt: „Eben alle, die sich in der Lebenswirklichkeit wiederfinden.“

Groll hofft, dass sich Bürger Projekte herauspicken

Die Arbeiten am Spielplatz „Vor dem Hain“ in der Leipziger Straße haben begonnen. Für Oktober ist die Einweihung geplant - mit allen Kindern des Wohnquartiers. Zudem geht es los mit den Planungen für die Schaffung eines Spielplatzes in der Emil-Rössler-Straße. Dessen Bau ist für das Jahr 2018 vorgesehen. Zudem ist der Umbau des Spielplatzes in der Aue für das Jahr 2019 geplant.

In Sachen „Neubau des Hauses der Begegnung“ haben Groll und Brandt Anfang des Monats den Förderantrag für Mittel aus dem Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ auf den Weg gebracht. Die Entscheidung fällt voraussichtlich im November.

Sollte die Kommune, die vom Landkreis und dem Diakoniezentrum Hephata unterstützt wird, erfolgreich sein, würde sie 90 Prozent der förderfähigen Kosten des Neubaus aus Mitteln der Städtebauförderung erhalten. „Der Antrag ist sehr umfangreich“, betont Groll und hofft auf eine Bewilligung, die für die Stadt ein „Sechser im Lotto“ wäre.

Die Neustädter planen zudem verschiedene Machbarkeitsstudien: für die Verschönerung des Bürgerparks, für das Bahnhofsgebäude, für die Nutzungsmöglichkeiten des Zwischenbaus des ehemaligen Schwesternhauses sowie für die Schaffung eines Kunst- und Kulturpfades. Zudem ist die Sanierung der Pergolen in der Ringstraße vorgesehen. Ziel ist es, dass aus den Studien konkrete Projekte entstehen.

Mit dem bisherigen Verlauf der „Sozialen Stadt“ in Neustadt und dem Engagement der Bürger ist Groll jedenfalls zufrieden: „Wir haben eine gewisse Verstetigung erreicht.“ An einem Rundgang hatten rund 50 Neustädter teilgenommen und sich eingebracht: „Aber je näher wir mit konkreten Ansätzen an die Menschen kommen, desto höher ist ihr Interesse an unseren Ideen.“

Ein kleines Loch gebe es indes noch in der Leipziger Straße, wo die Resonanz noch nicht wie erhofft ist: „Aber vielleicht schaffen wir es ja, über das Zirkusprojekt die Menschen zu erreichen“, hofft der Bürgermeister und sagt, dass es einen „großen Flickenteppich“ an Vorhaben gebe, aus denen sich die Menschen Projekte herauspicken könnten, für die sie sich interessieren und in die sie sich einbringen könnten - beispielsweise sei auch das Altenhilfekonzept ein Teil der „Sozialen Stadt“.

von Karin Waldhüter und Florian Lerchbacher

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