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Nach Pfusch und Lüge war Vertrauen weg

Nahwärmezentrale Nach Pfusch und Lüge war Vertrauen weg

„Bei der Leitungsverlegung hat es einige Probleme gegeben – aber wir haben Lösungen gefunden“, fasst Eugen Reichwein von Hessen Mobil das Gespräch mit drei Bioenergiegenossenschaften zusammen.

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In der Mengsberger Rotebergstraße lagen die Rohre nicht in der geforderten Tiefe von mindestens  90 Zentimetern. Die daraus resultierenden Probleme wurden nun ausgeräumt.

Quelle: Florian Lerchbacher

Mengsberg. Die Sorgen aufseiten der Bioenergiegenossen waren groß vor einem Gespräch mit Hessen Mobil. Größte Befürchtung war, dass sie ihre Nahwärmeleitungen tiefer als die im Gestattungsvertrag als Mindestwert angegeben 90 Zentimeter legen müssen – was einiges an Mehrkosten mit sich gebracht hätte. Doch letztendlich ließen sich die Bedenken in einem persönlichen Gespräch mit Eugen Reichwein, dem Regionalbevollmächtigten Westhessen von Hessen Mobil, und Michael Stahl, dem Chef der Kirchhainer Straßenmeisterei, ausräumen.

Auslöser in Mengsberg war der Pfusch am Bau. An einer Stelle der Rotebergstraße sei die Tiefbaufirma auf ein Hindernis gestoßen und habe nicht die erforderten 90 Zentimeter einhalten können, berichtet Aufsichtsratsvorsitzender Harald Trümner. Doch anstatt nur an dieser Stelle der Landesstraße eine Sonderlösung zu finden, habe die Firma auch auf dem Rest der Strecke die Mindesttiefe fortan nicht mehr eingehalten.

Pech für sie: Der Straßenmeister kam vorbei und maß nach. Dann habe Stahl sogar noch nachgefragt, ob alles in Ordnung sei – und ein „Ja“ zur Antwort bekommen, blickt Trümner zurück: „Dass ihm das stinkt, kann ich sehr gut nachvollziehen.“ Dem schließt sich Reichwein an: „Das führte natürlich zu Ärger und Vertrauensverlust.“

In Kleinseelheim soll kein Fehler passiert sein

Entsprechend mussten alle Rohre wieder raus und tiefergelegt werden – was ein wenig an die vermeintlichen Geschehnisse in der Kleinseelheimer Rodelstraße erinnert. Dort seien die Rohre aber entgegen anderweitiger Behauptungen nie verlegt worden, betont Dr. Oliver Bastian von der EAM. In der Ausschachtung hätten lediglich Stahlstangen gelegen, um die Verlegung der Rohre vorzubereiten – und wenn tatsächlich einmal ein Rohr in dem Graben gelegen habe, dann höchstens zur Lagerung.

In Mengsberg jedenfalls soll es bald weitergehen auf der Kreisstraße. Allerdings müssen die Bioenergiegenossen zunächst Statik-Gutachten vorlegen – und zwar solche, die für besondere Zeiten beziehungsweise Sonderfälle wichtig sind, wie Reichwein erläutert. Die Arbeiten können wir vorgesehen und zu den eingeplanten Kosten fortgesetzt werden, wenn das Gutachten eine notwendige Tragfähigkeit bescheinigt.

Gutachten bezieht sich auf Fall der Fälle

Die Rohre können weiter in einer Tiefe von 90 Zentimetern bleiben. Die Gutachten müssen aber zeigen, dass im Falle einer Sanierung der betroffenen Straßen (Pläne für solche Vorhaben gibt es nicht) die Tragfähigkeit weiter gegeben ist. Will heißen: Wenn die Fahrbahn ausgekoffert und für den neuen Aufbau vorbereitet ist, müssen weiterhin Lastwagen mit einem Gewicht von bis zu 30 Tonnen darüberfahren können, ohne die darunterliegenden Nahwärme­leitungen zu beschädigen. Diese werden von einer 25 Zentimeter dicken Schicht aus Sand und Schotter geschützt. Normalerweise müssten sogar 60-Tonner dort verkehren – Bioenergiegenossen und Hessen Mobil einigten sich aber auf das geringere Gewicht.

Er müsse schließlich darauf achten, dass in diesem Falle Land und Kreis auf der sicheren Seite seien, erläutert Reichwein. Es gelte schließlich zu verhindern, dass bei Straßenarbeiten die Leitungen beschädigt und Reparaturkosten entstehen würden. Eigentlich ist die Erstellung eines solchen Gutachtens Teil der Ausführungsplanung. Dieser Punkt wurde aber nicht erledigt und muss nun nachgeholt werden.

Hätten die Mengsberger ihre Rohre tieferlegen müssen, wäre das ein Super-Gau geworden, wie Trümner und Reichwein einhellig bekennen. „Wir hätten die bestellten Rohre überprüfen müssen um zu sehen, ob der Wärmeschutz für eine solche Tiefe noch reicht. Hätten wir andere Rohre nehmen müssen, wären die Kosten explodiert“, zeigt sich der Mengsberger erleichtert, dass dies den Genossen erspart bleibt.

Auch für die Kleinseelheimer brachte das Gespräch letztendlich nichts Negatives. „Wir befinden uns in der Abstimmungsphase“, berichtet Dr. Oliver Bastian. Auch beim Sandweg könnten die Bioenergiegenossen nach dann siebenwöchigem Baustopp wie geplant weitermachen (die OP berichtete, das Thema kommt auch im Stadtparlament am Montag noch einmal zur Sprache).

Rauschenberger sorgen sich um Altbausubstanz

  • Auch die Rauschenberger waren bei dem Gespräch mit Hessen Mobil vertreten. Bei ihnen betreffen die Sorgen die Altsubstanz der Gebäude. Sie befürchten – so berichteten ihre Genossenschafts-Kollegen aus Mengsberg –, dass die Sandsteinblöcke, auf denen die Häuser in der Altstadt stehen, in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn sie die Rohre in 90 Zentimeter Tiefe versenken wollen.

    „Dort gibt es mehr Sonder- als Regelfälle“, kommentiert Reichwein und fügt hinzu, dass Einzelabsprachen notwendig würden. „Da muss wohl öfters rausgefahren werden um zu schauen, wie man‘s machen kann. Planen lässt sich das schwer. Meist kann man erst sagen, wenn die Straße offen und die Lage deutlich ist, wie das weitere Vorgehen sein kann“, resümiert Reichwein.

von Florian Lerchbacher

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