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Flüchtlinge gehören zum Bild der Stadt

Sommerfest Flüchtlinge gehören zum Bild der Stadt

In der Erstaufnahmeeinrichtung feierten Flüchtlinge und Neustädter am Samstag gemeinsam ein entspanntes Sommerfest.

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Schüler Vladimir Ohm hilft Flüchtling Kovan Issa über die Slackline. Es gab aber auch ein kleines Bühnenprogramm, das die Gäste verfolgten.

Quelle: Karin Wildhüter

Neustadt. Die Türen der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (EAE) öffneten sich am Samstag für die Öffentlichkeit. Eine Premiere: Zum ersten Mal feierten in Neustadt die Flüchtlinge mit Bewohnern aus der Nachbarschaft. Der Einladung der EAE folgten Bürger, Vertreter von Vereinen und Institutionen. Gemeinsames Ziel des Festes war, in lockerer Atmosphäre einander kennenzulernen.

Entspannt verläuft die Ankunft in der Einrichtung. Am Einlasstor wird freundlich nach dem Personalausweis gefragt und nach einem kurzen prüfenden Blick den Besuchern ein schönes Fest gewünscht. Derzeit leben 162 Flüchtlinge aus 22 Nationen in der Einrichtung. Zu Spitzenzeiten waren es bis zu 1200 Flüchtlinge. Etwa sechs Monate verweilen sie in der Einrichtung, dann erfolgt in der Regel die Zuweisung in die Kommunen.

Doch am Samstag steht das Vergnügen im Vordergrund. Der Spaß an der Bewegung und am Balancieren hat Menschen unterschiedlichster Herkunft am Stand der „Schule ohne Rassismus“, der Martin-von-Tours-Schule, zusammengeführt. Schüler Vladimir Ohm unterstützt dort Flüchtling Kovan Issa aus Kurdistan beim Überqueren einer Slackline. „Wir sind hier um zu zeigen, dass wir es ernst meinen und wir wirklich für Flüchtlinge da sind“, erklärt der 16-jährige Schüler der 9b. Wie seine Mitschüler trägt auch er ein weißes T-Shirt, das auf die Kampagne „Hessen lebt Respekt“ der Landesregierung, in die das Sommerfest eingebunden ist, hinweist.

Ehrenamtler stellen großes Kuchenbüfett zusammen

Während die Musik der „Trinitatisbläser“ über den Platz schallt, hat der kleine Abdulah aus Pakistan am Stand der Feuerwehr sichtlich Spaß an der Kübelspritze. Erst vor zwei Tagen ist er in Neustadt angekommen. „Here is a beautiful place (Hier ist ein schöner Platz)“, sagt Mama Naila Munir, die ihrem Sohn zuschaut.

Ein Hauch Karneval hält mit dem Tanz der Kolpinggarde Einzug auf dem Gelände. Neben dem Auftritt der Kinder der Spielstube sorgt DJ Chris54 später für Musik. Gut frequentiert sind auch die Schminkstation des Deutschen Roten Kreuzes und die Kletterwand der Sportjugend Hessen – die auch eine Rollrutsche und ein Tennisnetz aufgebaut hat.

Im benachbarten Gebäude haben die Ehrenamtlichen ihr großes Kuchenbüfett errichtet und die 30, von Ehrenamtlichen gespendeten Kuchen, sind schon fast leergeräumt. Kostenlos kann sich dort jeder Besucher ein Stück holen, lediglich um eine kleine Spende wird gebeten.

Ein Stück weiter bitten Mustafa Altdruwa und Anmar Alsaline aus dem Irak und Ahmed Burhan aus Somalia bei der „Pressefrau“ freundlich um ein gemeinsames Foto. Fünf Monate und zehn Tage ist Ahmed schon in Neustadt und ihm gefällt es, dass gemeinsam gefeiert wird. „We are happy, the people are connected, so we are happy (Wir sind glücklich, die Menschen sind in Verbindung und das freut uns)“, sagt er.

Fest wird gut angenommen

„Sehr zufrieden“ mit dem Zuspruch zeigt sich EAE-Leiter Dominik Zutz. „Wir freuen uns, dass das Fest so gut angenommen wurde“, sagt er und betont, dass es ein wichtiges Anliegen war, die ganzen Facetten einer Erstaufnahmeeinrichtung mit all ihren unterschiedlichen und notwendigen Akteuren zum Ausdruck zu bringen – und ­dabei auch deutlich zu machen, dass ein Miteinander nur ­möglich ist, wenn alle Beteiligten sich Respekt entgegenbringen.

Zutz hatte gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Groll und Ralf Stettner, Abteilungsdirektor der Abteilung „Flüchtlingsangelegenheiten, Erstaufnahmeeinrichtung und Integration“ beim Regierungspräsidium Gießen, am frühen Nachmittag das Fest eröffnet. Er sei froh, so Groll, dass die ehemalige Kaserne als Einrichtung für Flüchtlinge genutzt werden könne. Und inzwischen sei es nicht mehr außergewöhnlich, dass Flüchtlinge durch Park und Stadt gingen.

Einig waren sich die Redner auch in Bezug auf das große ehrenamtliche Engagement. „Nicht groß genug ist das Engagement der Ehrenamtler zu werten, die als Multiplikatoren nach außen wirken“, so Stettner, der ebenso wie Zutz die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Neustadt, den Neustädter Vereinen und dem bsj, der in der Stadt für die Gemeinwesenarbeit zuständig ist und auch in der Einrichtung viele Projekte umsetzt.

Zum Gelingen des Sommerfestes trugen die Diakonie, die Stadt Neustadt, der Sportkreis Marburg-Biedenkopf, der Sicherheitsdienst „Pond Security“, der Küchendienstleister Medirest, die Freiwillige Feuerwehr Neustadt, die MvT-Schule, der bsj, das Deutsche Rote Kreuz und der Sozialdienstleister European Homecare bei.

von Karin Waldhüter

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