Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Ein großer Abend für den Gesang

150 Jahre Concordia Momberg Ein großer Abend für den Gesang

Der Gesangverein Concordia Momberg steht einzigartig für Kontinuität. Seit 150 Jahren besteht der Verein. Über diesen langen Zeitraum hinweg haben die Mitglieder stets gesungen. Und das zudem immer am gleichen Ort.

Voriger Artikel
Ein Stück Ex-Kaserne wird Bauhof
Nächster Artikel
33.000 Euro Schaden nach Unfall

Der Gemischte Chor Concordia Momberg sorgte für den furiosen Auftakt und den grandiosen Abschluss.

Quelle: Matthias Mayer

Momberg. Die frohgemuten Sänger hoben am 7. November 1867 die Concordia im Momberger Wirtshaus am Teich aus der Taufe. Und sie sind ihrem Vereinslokal bis zu heutigem Tag treu geblieben. Mehr noch: Als das Wirtshaus für immer schloss, pachtete der Verein das Gebäude als Vereinsheim. Zudem halten die 105 Mitglieder den zentralen Treffpunkt des Dorfes an einigen Tagen in der Woche für die Dorfgemeinschaft offen. So bleibt das Haus, in dem sich sonntags nach dem Kirchgang halb Momberg zum Frühschoppen traf, mit Leben erfüllt. Und mit Gesang.

Zu Feier ihres großen Jubiläums wichen die Concorden ins Dorfgemeinschaftshaus aus, und das war auch gut so. Der große Saal war am Samstagabend voll besetzt. Zahlreiche Ehrengäste und fünf Gastvereine aus dem Sängerkreis Wohratal erwiesen den Mombergern zum Herbstkonzert, in das ein Festkommers eingebettet war, ihre Reverenz.

Die Ehrengäste taten dies mit würdigenden Worten und reichlich Geschenken. So hatte Landrätin Kirsten Fründt neben einem Scheck auch die Silberne Ehrenplakette des Landes Hessen mitgebracht, die sie dem Jubiläumsverein im Auftrag des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier überreichte.

Manuela Schmitt und Moderator Tobias Schmitt kamen im Laufe des Abends mit der Entgegennahme der Gaben kaum nach. Volker Bergmann, Präsident des Mitteldeutschen Sängerbundes, brachte gleich drei Urkunden der Dachverbände und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst mit.

"Mit 150 Jahren ist noch lange nicht Schluss"

Die Landtagsabgeordnete Handan Özgüven, Neustadts Stadtverordnetenvorsteher Franz Michels, Bürgermeister Thomas Groll, Ortsvorsteher Jörg Grasse und Edwin Lotter für die zahlreich vertretenen örtlichen Vereine würdigten in zum Teil originellen Beiträgen das Wirken der Concorden und füllten deren Vereinskasse.

Die Sängerkreisvorsitzende Monika Friedrich (Rauschenberg) wünschte dem Gesangverein stets neue gute Ideen und viele neue Mitglieder. Zudem brachte sie einen Beitrag mit zu dem Fahnenbanner, den sich die Momberger zur Erinnerung an ihr Jubiläum hatten sticken lassen.

Das alles war an diesem Abend nur Beiwerk. Was wirklich zählte an diesem Abend: die Musik. Und was die Chöre boten, war einfach großartig. Es gab keinen Ausfall. Knödelnde Tenöre und brüchige Stimmen waren nicht zu hören. Kein Chorleiter erlag der Versuchung, seinen Chor mit zu schwerer Literatur zu überfordern. Und wenn die Balance ein-, zweimal nicht ganz stimmte, war das dem Umstand geschuldet, dass der Tenor beziehungsweise Sopran der zahlenmäßigen Übermacht der anderen Stimmen nicht gewachsen war.

Der 40-köpfige gemischte Chor der Gastgeber eröffnete das Konzert mit „Freudenklänge, Festgesänge!“ - höchst angemessen zu diesem Ereignis. Das Werk aus der Gluck-Oper „Iphigénie en Aulide“ nahm die Besucher auf wundersame Weise für das, was noch kommen sollte, ein. Nach diesem choralartigen Opener zeigte der 18-köpfige Männerchor der Momberg, dass die Sänger ihren Silcher können. Grandiose Entertainerqualitäten bewiesen die Männer mit ihren furiosen Interpretationen von „Das Rendevouz“ und „Mit 66 Jahren“. Als sie zum Abschluss des Udo-Jürgens-Klassikers sangen, „mit 150 Jahren ist noch lange nicht Schluss“, tobte der Saal.

Kultivierte Stimmgewalt

Den Kontrapunkt dazu setzte der Frauenchor des Gesangvereins Eintracht Bracht. Wunderbar leicht und entspannt trug der mit wunderschönen Stimmen gesegnete Chor „California Dreaming“ vor - schöner als im Original. Als Gemischter Chor wagte sich die Eintracht an das schwierige „Benia Calastoria und führte das wunderbar ruhig und getragen gesungene „Breath on Me, Breath of God“ auf.

Temperamentvoll und mit sichtbarer Freude am Gesang präsentierte sich der Kirchen- und Frauenchor Rauschenberg, der besonders mit dem Zulu-Lied „Vela“, dem Silcher-Klassiker „Wenn alle Brünnlein fließen“ und „Viva La Vida“ von Coldplay zu gefallen wussten.

Skeptische Blicke gab im Saal, als die Friends of Music Eudorf die Bühne enterten. Ein gemischter Chor mit nur 13 Sängern. Konnte das gehen? Es funktionierte, weil der kleine Chor ausnahmslos aus guten und selbstbewussten Sängern bestand, die großen Beifall bekamen.

Nach der Pause bleiben die Neustädter Chöre unter sich. Der Gemischte Chor Frohsinn Speckswinkel gefiel mit dem fröhlichen Dialog-Lied „Fröhliche Quodlibets“ und sang das Trinklied „Vive l‘amour“ mit phantastischer Dynamik. Und dann kamen die Schwälmer. Mit kultivierter Stimmgewalt trug der Männergesangverein Mengsberg vor, warum Männerchöre und ihre Literatur heute noch ihre Existenzberechtigung haben. Großartig! Mit ihrem Schlusslied „Die Kleine Kneipe“ rissen sie den ganzen Saal mit. Das gelang zum Abschluss eines kurzweiligen dreistündigen Abends auch den Mombergern. Das mit Zungenbrechern nur so gespickte Stück „Drück die Eins“ brachten sie in Vollendung über die Rampe.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr