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Neues Sozialprojekt nimmt Fahrt auf

Stadtallendorf Neues Sozialprojekt nimmt Fahrt auf

Am Donnerstagabend ­unterschrieben Kirchenvorstand und „Jumpers“-Vorsitzender Thorsten ­Riewesell den Mietvertrag für die frühere Herrenwaldkirche. Bei der Benefizveranstaltung sprach auch Margot Käßmann

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Margot Käßmann sprach in Stadtallendorf über die Zukunft der Kirche.

Quelle: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. Bei Margot Käßmann, der Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), früher deren Vorsitzende, kamen Erinnerungen auf. Sie habe sich zunächst den Keller zeigen lassen, in dem sie früher getanzt hätten, sagte Käßmann bei ihrer Begrüßung am Donnerstagabend. „Es war damals revolutionär, was wir dort durften“, sagte Käßmann, die in der Herrenwaldkirche konfirmiert wurde. Sie war Gast bei der Benefiz-Veranstaltung des Vereins „Jumpers“ in der früheren Herrenwaldkirche (die OP berichtete am Freitag aktuell). Rund 250 Besucher waren gekommen. Margot Käßmann ist in Stadtallendorf aufgewachsen.

Herrenwaldkirche bietet Chance für neue Angebote

Doch zunächst stand am Donnerstagabend allein „Jumpers“ im Vordergrund, der Verein aus Melsungen, der aus den Räumen von früherer Herrenwaldkirche und Gemeindezentrum einen großen Treffpunkt mit zahlreichen Angeboten für Kinder, Jugendliche und ganze Familien machen will. „Am 1. September geht es los“, sagte Thorsten Riewesell, Vorsitzender von „Jumpers“, gegenüber dieser Zeitung. Evangelische Kirchengemeinde und „Jumpers“ nutzten die Gelegenheit für die Unterschrift unter den nicht befristeten Mietvertrag. Zahlreiche Sponsoren des Projekts, darunter eine Stiftung und mehrere Unternehmen, übergaben Spenden, um „Jumpers“ zu unterstützen. Wolfgang Salzer, stellvertretender Stadtverordneten-Vorsteher, überreichte im Namen der Stadt ebenfalls einen Spendenscheck und sagte „Jumpers“ Unterstützung zu. „Jumpers“ plant unter anderem einen „Winterspielplatz“ in der Kirche, eine Kinderbibliothek und ein Elterncafe. Seit September 2013 engagiert sich der Verein bereits in Stadtallendorf in Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft GWH. Die frühere Herrenwaldkirche bietet dem Verein jetzt die Chance, sein Angebot auszudehnen.

Der Sängerin Judy Bailey gelang es auf ihre mitreißende Art, Stimmung unter den Besuchern aufkommen zu lassen - vor allem, wenn sie sie direkt einband. Pfarrer Thomas Peters erinnerte noch einmal daran, wie schwer dem Kirchenvorstand die Entscheidung gefallen sei, die Herrenwaldkirche aus finanziellen Gründen zu schließen. „Jetzt gehen wir mit ,Jumpers‘ einen positiven, mutigen Schritt“, blickte er nach vorn.

"Wir müssen wieder eine Sprache für die Menschen finden"

Nach einer Pause stand allein Margot Käßmann im Mittelpunkt. Die EKD-Botschafterin widmete sich den Gründen, warum es sich lohnt, das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 zu feiern. Sie blickte in die Zukunft, formulierte klare Forderungen. So müsse Kirche in einer immer säkularisierter werdenden Welt auf ihre Sprachfähigkeit achten. „Wir müssen wieder eine Sprache für die Menschen finden“, formulierte die rhetorisch wieder brillante Theologin.

Sie erinnerte an die Rolle der Frau in Staat und Kirche und streifte auch die Auseinandersetzung mit Fundamentalismus im Glauben. „Ein fragender Glaube ist ein offener Glaube“, formulierte sie und sei damit ein Mittel gegen Fundamentalismus.

Margot Käßmann forderte ­dazu auf, dass Reformationsjubiläum im Jahr 2017 in einem weltoffenen, ökumenischen Sinne zu begehen. Den Abschluss ihres Vortrags bildete dabei eine deutliche Gesellschaftskritik: „Ich wünschte mir, wir könnten in dieser Erfolgsgesellschaft deutlich machen, dass auch die Menschen, die am Rande stehen, etwas wert sind.“

von Michael Rinde

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Für die frühere Herrenwaldkirche gibt es eine Zukunft. Seit Donnerstagabend gilt der Mietvertrag mit dem Verein „Jumpers“, der dort ein Sozialprojekt startet.

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