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Neues Leben im totgesagten Baum

Emsdorfer helfen ihrer Linde Neues Leben im totgesagten Baum

Die Emsdorfer haben Wort gehalten: Nur wenige Wochen nachdem Ortsbeirat und Verschönerungsverein die Pflege der alten Dorflinde durch den Landkreis übertragen wurde, haben sie die Grundlage zur Rettung des Baums geschaffen.

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Nicht grenzenloser Optimismus, sondern statische Notwendigkeit bewog die Emsdorfer dazu, das neue Traggerüst rund um die Linde zu bauen. Der Lindenplatz hat nach dem Wegfall von Bauzaun und Jägerzaun erheblich gewonnen.

Quelle: Matthias Mayer

Emsdorf. Die Arbeiten am neuen Traggerüst, das die verbliebenen ausladenden Äste dieser geleiteten Tanz-Linde stützen soll, wurden am Samstag abgeschlossen. Das berichtete Hartmut Pfeiffer auf Anfrage dieser Zeitung.

Auf den ersten Blick macht die Konstruktion aus extrem witterungsbeständigem Lärchenholz einen sehr soliden und vertrauenserweckenden Eindruck. Auf den zweiten Blick erweist sie sich als handwerkliches und ästhetisches Meisterwerk. Und beim genauen Hinsehen offenbaren die äußere und innere Rotunde die Feinarbeit, die es brauchte, um das Traggestell an die verbliebenen waagrechten Äste des Baumdenkmals anzupassen.

Die Emsdorfer bringen die Rettung ihrer 121 Jahre alten Linde in Eigenleistung energisch voran.

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Dem alten Baum sind nur etwa 25 Prozent seiner ursprünglichen unteren Krone geblieben. Äste starben ab oder sie brachen ab, als das alte und morsche Traggerüst unter der Last des Astwerks in großen Teilen zusammenbrach.

Das kann nun nicht mehr passieren, nachdem Mitglieder des Verschönerungsvereins, des Ortsbeirats und des Jugendclubs und weitere freiwillige Helfer laut Hartmut Pfeiffer gut 500 Arbeitsstunden in das Projekt investiert haben. Am Anfang waren stolze neun Festmeter Rundhölzer von der Rinde zu befreien. „Eine harte und schweißtreibende Arbeit“, wie Hartmut Pfeiffer erzählt, der dafür und für Zuschnitt und Aufbau der Konstruktion neben Werkzeug und Arbeitskraft auch sein Know-how zur Verfügung stellte.

Der Handwerksmeister und Holzbauunternehmer ist der Spiritus Rector des Unternehmens Rettung der Emsdorfer Linde durch Emsdorfer Bürger. Schon lange hatte er die Pläne für ein neues Traggerüst in der Schublade, musste aber jahrelang tatenlos dem Baum beim Sterben zusehen, da die beim Landkreis angesiedelte Untere Naturschutzbehörde die Hände auf dem Naturdenkmal hatte.

Hartmut Pfeiffer hievte die Linde auf politische Ebene

Vor gut drei Jahren nutzte Hartmut Pfeiffer sein Stadtverordnetenmandat, um das Thema Dorflinde auf die politische Ebene zu hieven. Seitdem büßte der Baum rund ein Drittel seines Kronen-Volumens ein. Aus Sicherheitsgründen ließ der Landkreis einen Bauzaun rund um die 121 Jahre alte Linde aufbauen.

Dafür wurde Ende Juni ein Vertrag zwischen Landkreis und Stadt Kirchhain unterzeichnet, der es ermöglicht, dass Ortsbeirat und Verschönerungsverein in Eigenleistung die im Pflegeplan vorgesehenen Pflegearbeiten erbringen - und das Traggerüst neu bauen dürfen.

Die samstäglichen Arbeitseinsätze des Teams um Ortsvorsteher Winfried Fritsch wurden von den Emsdorfern aufmerksam verfolgt - besonders dann, wenn der Brötchenwagen an der Baustelle seinen turnusmäßigen Stopp machte. Hartmut Pfeiffer berichtet erfreut, dass sich aus dem Kreis der Zuschauer spontan auch Helfer fanden. Genauso freut er sich über das Engagement der Jugendlichen. Das Emsdorfer Modell, die Jugend unter fachkundiger Anleitung an Aufgaben heranzuführen, die der Allgemeinheit dienen, habe auch beim Lindenprojekt funktioniert.

Als Dankeschön für alle Helfer werde es nach den Sommerferien ein Linden- und Helferfest geben, kündigt Hartmut Pfeiffer an, der insgeheim hofft, dass der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow zu diesem Ereignis den versprochenen Scheck für die Materialkosten mitbringen wird. Die Zeit dafür ist reif - schließlich haben die Emsdorfer geliefert.

Ergebnis der Arbeit deutlich sichtbar

Abseits des Großprojekts Traggerüst haben sich Verschönerungsverein und Ortsbeirat auch auf einer anderen Ebene um das Wohlergehen der „Lönn“ verdient gemacht. Nach den Vorgaben des Pflegeplans düngten sie den Baum, entfernten aus Sicherheitsgründen instabile Äste.

Das Ergebnis dieser Bemühungen ist sichtbar: Das Blattwerk des Baumes ist jetzt wesentlich üppiger. Das wiederum bereitet den „Krankenpflegern“ Sorgen. Der angeschlagene Baum könne in diesem so heißen und trockenen Sommer mit der Versorgung des Grüns überfordert sein, artikuliert Hartmut Pfeiffer diese Besorgnis. Deshalb werde erwogen, an den unteren geleiteten Ästen und später auch oben in der Krone Äste behutsam zurückzuschneiden.

Und Hartmut Pfeiffer formuliert ein ehrgeiziges Ziel: Die Emsdorfer sollen eines Tages wieder unter einem dichten Blattwerk-Dach ihrer Linde tanzen können. Garantien für das Gelingen kann er natürlich nicht geben, aber der schon totgesagte Baum sendet immerhin hoffnungsvolle Signale: An den Kahlstellen direkt über dem Traggerüst treibt er neue Äste aus. Genau dort, wo diese besonders fehlen.

von Matthias Mayer

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