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Neues Konzept, neues Leben

Heimatmuseum Neues Konzept, neues Leben

Das Rauschenberger ­Rathaus ist ein kultur­historisch bedeutsamer Schatz. Und es beherbergt unterm Dach ganz viele Schätze aus der Stadtgeschichte – im Heimatmuseum.

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Ludwig Pigulla (von links), Michael Emmerich und Daniel Heimbach stehen in der Gerber-Ecke des Museums, die an das Gerber-Handwerk in Rauschenberg erinnert.

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg. Ulrich Kison hat das Museum über viele Jahre gehegt und gepflegt – und vor allem für die Öffentlichkeit zugänglich gehalten. Seitdem er dies aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kann, wartet das Museum darauf, neu erweckt zu werden.

Das ist jetzt geschehen: Daniel Heimbach, der an der HTW Berlin Museumskunde mit dem Spezialgebiet Heimat-Museen studiert, wird im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit ein Konzept für das Museum erarbeiten, das sich an der hessischen Museumssystematik orientieren und von ehrenamtlichen Helfern ­geführt werden soll.

Das erklärte der 22-Jährige während eines Pressegesprächs im Rathaus, an dem Bürgermeister Michael Emerich, Frank Riedig für den KVR und Ludwig Pigulla für die IG Schlossberg teilnahmen.

Frank Riedig zeigte sich erfreut, dass das Museum aus seinem Schlaf erweckt werde. Mit welchem Personal das geschehe, sei noch offen. „Wenn das Konzept entwickelt ist, finden sich auch Mitarbeiter. Den jetzigen Schlund tut sich niemand an“, antwortete Ludwig Pigulla. Mit „Schlund“ meinte er das Handicap der noch vor der Gebietsreform von Hermann Sack aufgebauten Sammlung. Der verdienstvolle Gründer habe Herkunft und Geschichte aller Exponate gekannt, diese aber nie verschriftlicht. Die museumsgerechte Aufarbeitung der Sammlung sei so erheblich erschwert worden.

Daniel Heimbach hat inzwischen die Herkulesarbeit der Inventarisierung abgeschlossen. Er registrierte rund 1000 Exponate aus 60 Sachgebieten. Dass die Schaustücke die Raumkapazität des Dachgeschosses weit überschreiten, weiß jeder Besucher, der sich einmal durch die Räume geschlängelt hat.

Rathaus bietet perfektes Umfeld für ein Museum

Folglich steht die Beschaffung eines Depots für das Museum ganz oben auf der Liste des angehenden Fachmanns. Den Bedarf für dieses begründet er am Beispiel der Bügeleisen. 23 kohlebetriebene Bügeleisen gehörten zum Bestand – eines sei für die Dauerausstellung ausreichend. Auch andere Gegenstände seien in großer Anzahl vorhanden.

Mehr Platz wird unter anderem gebraucht, um die besonderen Exponate des Museums angemessen präsentieren zu können. Für Daniel Heimbach ist die mit einer Rauschenberger Stadtansicht bemalte Holzverkleidung eines Spritzenwagens vermutlich einzigartig und das wertvollste Stück des Museums.

Für Ludwig Pigulla ist der Leuchter, der immer im Magistratszimmer hing, von besonderer Bedeutung. Über die Grenze Rauschenbergs hinaus bekannt sei eine Eisengussplatte mit biblischen Motiven, sagt der ausgewiesene Heimathistoriker, der „liebend gern“ auch die von der IG Schlossberg im Umfeld der Schlossruine geborgenen kostbaren Ofenkacheln im Museum dauerhaft zeigen würde. Eine sichere und angemessene Präsentation für die Bibel aus dem Jahr 1710 und eine passende Beleuchtung hält Daniel Heimbach für erforderlich.

Ein Alleinstellungsmerkmal für das Rauschenberger Museum sieht Heimbach schon im Gebäude. Das Rathaus biete mit dem Turm ein perfektes Umfeld für ein Museum. In diesem könne er sich sehr gut die Neubelebung der regelmäßigen Museumsbesuche durch die Schule und Sonderausstellungen vorstellen – wenn dies gewünscht werde. Außerdem regte er an, die freundschaftlichen Beziehungen zum Schwabendorfer Heimatmuseum zu intensivieren.

KVR unterstützt Erstellung des Konzepts mit 500 Euro

Der Vorstand des KVR zeigte sich von den Aktivitäten rund ums Museum derart angetan, dass er 500 Euro als Personalzuschuss zur Erstellung des Konzepts bereitstellte. Frank Riedig regte an, die Tradition der Museumslesungen wiederzubeleben. „Das Potenzial für ein interessantes Museum ist vorhanden. Ich bin gespannt auf das Konzept“, sagte Bürgermeister Michael Emmerich.

Abgesehen von einer neuen Ausrichtung des Museums lohnt ein Besuch allein schon wegen einiger origineller Exponate. Da gibt es einen sechs Zentner schweren Kino-Projektor mit Lichtbogentechnik, ein Waffeleisen, das auf seiner Oberseite das Rezept mitbringt (rundes Foto) und die gusseisernen Ortsschilder von Rauschenberg und Albshausen, die darauf hinweisen, bei welcher Einheit die männlichen Bürger zu dienen haben.

von Matthias Mayer

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