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Neuer Erlass rettet das Projekt vorerst

Bürgerwindpark Neuer Erlass rettet das Projekt vorerst

Das Projekt "Bürgerwindpark am Hopfenberg" schien vor ziemlich genau einem Jahr bereits beerdigt zu sein. Trotzdem veranlassten die Beteiligten weitere naturschutzfachliche Untersuchungen.

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Windkraftanlagen gibt es in der Stadtallendorfer Umgebung bereits einige. Archivfoto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Stadtallendorf. Noch in diesem Jahr wird sich Stadtallendorfs Stadtparlament erneut mit dem geplanten Bürgerwindpark Hopfenberg befassen. Dann wird es entgegen früherer Befürchtungen aber wohl nicht darum gehen, das Vorhaben zu beerdigen. Vielmehr dürfte die Frage im Vordergrund stehen, ob sich das Aufstellen von ­inzwischen nur noch vier Windkraftanlagen wirtschaftlich rechnet. Denn nach aktuellem Stand stellt das Vorkommen von Großen Bartfledermäusen kein Genehmigungsproblem mehr dar (die OP berichtete).

Die Große Bartfledermaus ist nach wie vor besonders geschützt. Das Fangen von zwei Tieren dieser Art hat vor einem Jahr den Bau eines Windparks in der Gemarkung Erksdorf mehr als in Frage gestellt. Denn: Am Ende der Aufzuchtzeit der Tiere ließ sich nicht mehr mit Sicherheit klären, wo die Wochenstuben der Großen Bartfledermäuse lagen. Seinerzeit galt die Vorgabe, dass zwischen Windkraftanlagen und den Nestern ein Mindestabstand von 5000 Metern einzuhalten ist.

Dennoch einigten sich die Beteiligten – Stadt, die Energiegenossenschaft Marburg-Biedenkopf und auch der Projektentwickler EAM Natur – darauf, weiterzumachen. Weitere Untersuchungen folgten ab dem Frühjahr.

Und die von EAM Natur beauftragten Biologen wurden erneut fündig, wie Bürgermeister Christian Somogyi und Uwe Volz von der Stadtverwaltung im Gespräch mit der OP erläutern. Fünf Tiere wurden gefangen, mit Sendern versehen und dann bis zu drei Tage lang verfolgt. „Alle Quartierbäume befinden sich dabei im Herrenwald“, erläutert Volz. Allerdings wäre der ursprüngliche Mindestabstand einzelner Wochenstuben zu den Anlagen unterschritten worden.

Tiere könnten anders geschützt werden

Doch ein Erlass des hessischen Umweltministerium, den es selbst als Klarstellung bezeichnet, kam den Projektierern zu Hilfe. Seit dem Sommer gilt nur noch ein Abstand von 1000 Metern. So hat das Ministerium die Angaben im „Leitfaden zur Berücksichtigung von Naturschutzbelangen bei der Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen“ per Erlass verändert.

Das blieb im Übrigen auch nicht ohne politische Diskussionen auf Landesebene, wie zum Beispiel eine Anfrage eines FDP-Landtagsabgeordneten aus dem Sommer zeigt. In der Antwort hat das Umweltministerium dargelegt, dass es auch andere Schutzmaßnahmen für die bedrohte Tierart Große Bartfledermaus sieht. Unter anderem ist dort von Betriebszeitenregelungen für die Windkraftanlagen die Rede. Wie sich das im Falle Hopfenberg-Windpark dann auswirken wird, zeigt sich erst in einem Genehmigungsverfahren.

Derzeit geht die Stadtverwaltung aber davon aus, dass die Große Bartfledermaus kein Hindernis mehr sein dürfte. Allerdings haben die Projektbeteiligten durch die zusätzlichen Untersuchungen nunmehr ein Jahr verloren. Und das hat durchaus Folgen. Denn ab dem nächstem Jahr gilt ein verändertes Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Und das sieht unter anderem ein Ausschreibungsverfahren und veränderte Einspeisevergütungen (je nach Szenario) vor.

Neues Gesetz, neue Herausforderung

In der Stadtverwaltung und beim Projektentwickler wird derzeit auf Grundlage der neuen Rechtsvorgaben gerechnet. Es geht darum, eine optimale Rechtsform für das Projekt zu finden. Das gelte besonders vor dem Hintergrund, dass das EEG für Projekte mit Bürgerbeteiligung und Engagement von Kommunen Vorteile einräume, erläutert Uwe Volz. Wie groß die vier Windkraftanlagen einmal werden könnten, wird gerade über ein Ausschreibungsverfahren ermittelt. Sie werden in direkter Nachbarschaft zur Autobahn 49 stehen. Das hatte die Stadtverwaltung seinerzeit mit den Planungsbehörden abgestimmt und die ersten großen Hindernisse auf dem Weg zur Realisierung ausgeräumt.

Der Partner der Stadt, die Energiegenossenschaft, habe­ sich entschieden, das Vorhaben weiterzuführen, sagt Somogyi. Er ist optimistisch, dass sich das Projekt am Ende dann doch rechnet. Doch zunächst muss das Stadtparlament sagen, wie es Chancen und Risiken bewertet.

Die Stadt hat ihren Part jedenfalls erfüllt. „Die nötigen Flächen sind zu 95 Prozent gesichert“, sagt Uwe Volz. Das reiche aus. Bürgermeister Somogyi will die Grundstückseigentümer in den nächsten Wochen außerdem ausführlich über die weitere Entwicklung informieren.

Wenn nun keine neuen Hindernisse auftauchen, dann könnte der Genehmigungsantrag im ersten Quartal nächsten Jahres gestellt werden.

Beteiligungsmodell

Bisher ist folgende Konstruktion für die Finanzierung des Bürgerwindparks geplant: Bürger könnten sich über die Energiegenossenschaft direkt an dem Vorhaben beteiligen, etwa, in dem sie ihr ein Darlehen gewähren. Daraus ließe sich Eigenkapital bilden. Stadt und Energiegenossenschaft gründen eine gemeinsame GmbH für die Realisierung. Mit den Grundstückseigentümern, vornehmlich Waldinteressenten, hat die Stadt Pachtverträge geschlossen. Dabei gilt eine „Poollösung“, um niemanden zu benachteiligen. 80 Prozent der Erlöse werden an alle Eigentümer ausgeschüttet, die weiteren 20 Prozent an die Eigentümer der Flächen, auf denen die Anlagen stehen werden. Sollte das Projekt scheitern, werden die Pachtverträge aufgelöst.

von Michael Rinde

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