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Neuer Elternverein löst Wirbel aus

Zoff Neuer Elternverein löst Wirbel aus

Das geht ja gut los: Noch bevor der neue Elternverein im Vereinsregister eingetragen ist, kracht es heftig. Die Mitglieder sind erzürnt über ein Schreiben des Leiters der Grundschule I Stadtallendorf.

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Als Reaktion auf den OP-Bericht über die Gründung des Elternvereins verfasste Leiter Michael Bonnard im Infoblatt der Grundschule I einen kleinen Artikel, der für Verärgerung sorgt.Foto: Lerchbacher

Stadtallendorf. Kommunikation ist die wesentliche Grundvoraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Gerade daran scheint es jedoch im Verhältnis des neuen Elternvereins und der Stadtallendorfer Schulen erheblich zu mangeln.

„Ich bin fassungslos. Das ist Hetze gegen einen wohlgemeinten Verein. Vor was haben die Angst?“, fragt ein Gründungsmitglied des Vereins als Reaktion auf die 97. Ausgabe des Infoblatts der Grundschule I. Dessen Verfasser, Schulleiter Michael Bonnard, will jedoch von Angst nichts hören, wüsste aber gerne mehr über den Verein - und zwar nicht nur aus dieser Zeitung: „Ich weiß nichts über die Satzung. Da gilt es, noch einiges in Erfahrung zu bringen.“ Er wolle nicht hetzen, sondern habe nur als Reaktion auf den OP-Artikel über die Vereinsgründung das Informationsangebot der Schule darstellen wollen.

Grundschulleiter steht mit Fragen nicht alleine da

Ebenso wie Urban Sersch, der Leiter der Georg-Büchner-Schule, hätte er gerne vor der Gründung des Vereins etwas über dessen Ziele und Hintergründe erfahren. Dies sei durchaus beabsichtigt gewesen, erklären die Eltern. „Wir machen keine geheime Sachen. Alle Schulen waren zu allen Terminen eingeladen“, sagt Thomas Heim, Gründungsmitglied des Vereins.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Fakt ist jedoch, dass das Tischtuch bereits vor dem ersten gemeinsamen Gespräch zerschnitten scheint. „Nein, es geht mir nicht um eine negative Darstellung des Vereins“, kommentiert Bonnard seinen Beitrag im Infoblatt, der die Überschrift trägt: „Neuer Verein in Stadtallendorf verzerrt Schulwirklichkeit im Eltern-Schule-Verhältnis“. Zur Frage, ob er den Verein für überflüssig hält, will er sich nicht äußern. Er sagt allerdings: „Wir sind mit der Einstellung, bestimmte Dinge vor Ort zu lösen, bisher gut gefahren.“ Das Informationsangebot an der Schule sei groß: „Die Gespräche mit Eltern sind zu weit über 95 Prozent vertrauensvoll abgelaufen.“

Sersch hatte gegenüber dieser Zeitung erklärt: „Aus meiner Sicht besteht bereits ein intensiver Austausch und ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass es Probleme gibt.“ Initiative könnten Eltern auch hinreichend mittels des Schulelternbeirats oder der Schulkonferenz ergreifen.

Die Mitglieder des Vereins sehen dies wiederum komplett anders. Heim ist zum Beispiel aufgrund seiner Erfahrungen in der Vergangenheit dem Verein beigetreten: Seine Kinder sind schon lange nicht mehr schulpflichtig, er hätte sich früher als junger Mann jedoch so über das Informationsdefizit geärgert, dass er die Initiative dagegen nun unbedingt unterstützen wolle, erklärt er.

Er habe an verschiedenen Schulen zwar Beratung bekommen, „aber ich fühlte mich alleine“. Er habe immer nur erklärt bekommen, was er machen könne, um sein Kind voranzubringen und gegen dessen Probleme anzusteuern: „Von den Lehrern kam aber nichts!“ Diese hätten nichts für die Förderung unternommen. Schwierig sei in diesem Zusammenhang, dass Eltern keine Vergleichsmöglichkeiten besäßen und schlicht auf die Auskunftsfreude der Lehrer angewiesen seien. Er glaubt, dass diese den Verein als Konkurrenz sehen und von der Angst getrieben sind, weniger Kontrolle über die Kinder zu haben.

Türen des Elternvereins stehen weiterhin offen

Der Verein möchte Informationen, Beratung und Hilfestellung bieten. Pädagogin Cornelia Henkel hatte im Vorfeld der Gründung festgestellt, dass immer mehr „verzweifelte Eltern“ zu ihr kamen, um sich unabhängig von der Schule beraten zu lassen. Förderpläne, Inklusion und viele andere Themen seien auf den Tisch gekommen. Als der Beratungsbedarf stetig wuchs, entstand die Idee, einen Verein zu gründen.

„Wir haben viele auffällige Kinder. Ich glaube, es ist sinnvoll, wenn sich Eltern untereinander Hilfestellung geben und sich austauschen“, sagt Cicek Erdil, die nach der Gründung des „Elternvereins für Alle“ zur Vorsitzenden gewählt wurde. Oftmals hätten Eltern großen Respekt, vielleicht sogar Angst, sich an der Schule direkt Rat zum eigenen Kind zu holen oder Probleme zu anzusprechen - dann sei der Verein zum Beispiel eine hervorragende Alternative.

Es gehe nicht darum, Lehrer in ihrer Kompetenz zu beschneiden, sondern das Informationsangebot zu erweitern. „Klar kommt es an manchen Stellen zu Überschneidungen - aber das ist besser, als wenn es Lücken gibt.“ Heim kommentiert, Ziel sei die bestmögliche Betreuung der Kinder. Manchmal sei ein Blick von außen äußerst sinnvoll. Der Verein könne zudem feststellen, wenn Probleme wiederkehrender Natur seien, und dann Kontakt zur entsprechenden Schule aufnehmen.

„Ja, wir fühlen uns abgelehnt“, antwortet die Vorsitzende des Vereins auf eine Frage dieser Zeitung. Nichtsdestotrotz stehe ihre Tür weiterhin für alle Schulleiter offen: „Ich setze weiterhin auf Zusammenarbeit. Jeder ist bei uns willkommen - auch wenn er oder sie eine andere Meinung hat.“

Für den 6. Mai hat sie alle Schulleiter zu einem Treffen eingeladen, bei dem sie die Ziele und Angebote des Vereins vorstellen will: „Wenn uns dann jemand weiterhin ablehnt, ist das okay.“ Bonnard zumindest hat zu dieser Einladung noch keine Entscheidung getroffen: „Ob ich dorthin gehe, hängt von meinen Kollegen im Amt ab - ich will nicht aus der Reihe tanzen.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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