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Neuer Anlauf für ein Abitur vor Ort

Neuer Anlauf für ein Abitur vor Ort

Vor Jahrzehnten fielen zentrale Entscheidungen für die Schullandschaft im Ostkreis. Das Stadtallendorfer Stadtparlament will jetzt eine neue Diskussion über eine ­gymnasiale Oberstufe.

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Aufgrund einer Initiative des Stadtparlaments soll auf allen Ebenen über eine gymnasiale Oberstufe für Stadtallendorf oder berufliche Schulangebote gesprochen werden. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Stadtallendorf. Hat Stadtallendorf Chancen, irgendwann in der Zukunft ein breiteres Schulangebot zu bekommen? Gibt es Hoffnungen, in der zweitgrößten Stadt des Kreises eine gymnasiale Oberstufe anzusiedeln? Oder lässt sich vielleicht ein Angebot bei Fachschulen etablieren, möglichst bei Berufsbildern, die Stadtallendorfer Unternehmen bieten?

All diese Fragen soll der Magistrat in den nächsten Monaten mit allen schulpolitischen Verantwortlichen erörtern, Möglichkeiten ausloten, die Werbetrommel rühren. Einen entsprechenden Beschluss hat das Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung gefasst. Ausgangspunkt war zunächst ein Antrag der CDU-Fraktion. Im Vorfeld der Sitzung verständigten sich dann Christdemokraten und SPD auf eine gemeinsame Antragsversion. Der passierte das Parlament einstimmig und mit breiter verbaler Unterstützung von Rednern aller Fraktionen. Klaus Ryborsch, einer der „Väter“ des ursprünglichen Antrags der CDU, hielt die Zeit nach 42 Jahren für gekommen, eine erneute Initiative zu starten. Zum Ansporn nahm er den Erfolg des breiten Bündnisses für einen ­Intercityhalt Stadtallendorf. Vor 42 Jahren war auf Kreisebene die Entscheidung gefallen, sich schulpolitisch auf die Nachbarstadt Kirchhain zu konzentrieren. Dabei ist es geblieben.

So erklärt sich die besondere Situation, dass Stadtallendorf als zweitgrößte Stadt des Landkreises und als dessen Industriezentrum weder über eine gymnasiale Oberstufe noch über eine Berufliche Schule oder ein Berufliches Gymnasium verfügt - wenn auch über eine leistungsstarke kooperative Gesamtschule. Die heutige Georg-Büchner-Schule (GBS) war am 1. August 1973 aus der damaligen Haupt- und Realschule entstanden.

"Optimieren, statt Doppelstruktur"

Was hält der Leiter der Georg-Büchner-Schule, Urban Sersch, von der Initiative der Stadtallendorfer Kommunalpolitik? Er verweist auf Nachfrage der OP auf die Kooperation mit der ­Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain. „Das ist ein Verbund, der funktioniert. Wir sollten das lieber optimieren, statt eine Doppelstruktur aufzubauen“, meint der Schulleiter. Differenziert fällt seine Analyse bei weiterführenden beruflichen Schulangeboten aus. So kann sich Sersch durchaus Bedarf im Ostkreis für ein berufliches Gymnasium vorstellen, wobei zu Beginn eine städteübergreifende Bedarfsprüfung nötig wäre.

„Die GBS wäre sicherlich in der Lage, eine ausreichend hohe Zahl an Schulabgängern für ein solches Angebot bereitzustellen“, meint Sersch aus Sicht seiner Schule.

Der Pädagoge hielte es für unbedingt erforderlich, die heimischen Unternehmen eng in alle Überlegungen einzubinden. Nur, wenn die Bedarfe klar seien, lasse sich verlässlich planen, meint der Stadtallendorfer Schulleiter. Sersch wirbt bei diesem Themenkomplex nachdrücklich dafür, regional zu denken und zu agieren und sich nicht auf eine einzelne Stadt zu beschränken.

„Nischen“ denkbar

Marian Zachow (CDU) als Kreis-Schuldezernent zeigt Verständnis für die Stadtallendorfer Initiative. Dass eine Stadt von der Bedeutung Stadtallendorfs keine Schule mit gymnasialer Oberstufe habe, sei sicherlich eine historisch gewachsene Besonderheit.

Gleichwohl: Nach einem Gespräch mit Vertretern des Schulamtes hält Zachow die Chancen, dass sich daran etwas ändert, für „ausgesprochen gering“. Für eine funktionierende Oberstufe sei eine Jahrgangsstärke von 90 Schülern nötig, davon sei man in Stadtallendorf weit entfernt. Es mache auch keinen Sinn, einen Schulstandort - gemeint ist wohl Kirchhain - zu schwächen, um einen anderen aufzuwerten. Sehr optimistisch ist Zachow auch beim Thema berufliche Schulangebote nicht, sieht aber zumindest in „Nischen“ Möglichkeiten. Er wirbt dafür, den Bedarf zu prüfen, denkt ebenso wie Sersch an einen vorherigen Dialog mit den Unternehmen. „Es muss nur allen klar sein, dass es für solche Veränderungen einen langen Atem braucht“, betont Zachow.

von Michael Rinde

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