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Neue Situation bewegt Bürger sehr

Informationsveranstaltung Neue Situation bewegt Bürger sehr

Am Dienstagabend zeigte sich das hohe Interesse bei den Stadtallendorfer Bürgern. Bei den Fragen ging es unter anderem um Hilfsangebote, um die Sicherheit und darum, wie es mit der neuen Zeltunterkunft weitergeht.

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Gestern Abend informierten sich Bürger über die neue Flüchtlingsunterkunft. Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Stadtallendorf. Gerade mal zwei Tage Vorlauf hatte es für die Informationsveranstaltung unter Federführung des Kreises über die neue Zeltunterkunft für Flüchtlinge gegeben. Wie groß das Interesse der Bürger an der neuen Situation ist, zeigte sich an der Resonanz. Mehr als 450 Besucher verfolgten die rund anderthalbstündige Veranstaltung. Bis zum Dienstagabend waren 409 Flüchtlinge vorwiegend aus Syrien, Afghanistan, Irak und Eritrea in den Zelten oberhalb des Bundeswehr-Bades untergebracht. Es wurden allerdings weitere 125 Flüchtlinge am späten Abend erwartet. Die Zelte bieten Platz für bis zu 750 Menschen. Auf dem Podium saßen Landrätin Kirsten Fründt, die auch moderierte, Karin Ohm-Winter, stellvertretende Dezernatsleiterin beim Regierungspräsidium Gießen, Bürgermeister Christian Somogyi und Bodo Koch vom Polizeipräsidium Mittelhessen.

Fründt gab den Besuchern einen kurzen Abriss über die Entwicklung, in deren Verlauf rund 600 ehrenamtliche Katastrophenschützer die Unterkunft in Stunden errichtet hatten, gemeinsam mit der Bundeswehr. Für die Leistung der Ehrenamtlichen gab es mehrfach Applaus. „Mit der heutigen ersten Veranstaltung wollen wir Fragen beantworten und Sorgen nehmen“, sagte die Landrätin.

Seit dem Start betreiben Einheiten des Katastrophenschutzes die Unterkunft, die Bundeswehr übernimmt die Essensversorgung. Ohm-Winter verdeutlichte die hessenweite Gesamtsituation, sieben Unterkunftseinrichtungen sind am Wochenende neu entstanden, 20 Außenstellen der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen existieren mittlerweile insgesamt. Ziel ist es, die Bewohner der Zeltunterkunft in die Gebäude des früheren Mobilmachungs-Stützpunktes am Ende der Scharnhorststraße umzusiedeln. Seit Montag laufen dort Arbeiten (die OP berichtete). Wann das passieren kann, ließ Ohm-Winter etwas offen, sprach von „Ende des Monats“. Ebenso offen ließ sie, wann das Land die Ehrenamtlichen und den Landkreis aus der Verantwortung entlässt und die Unterkünfte übernimmt. Ohm-Winter wählte das Wort „demnächst“. Die Vertreterin des Regierungspräsidiums warb um ehrenamtliche Unterstützung für die Flüchtlinge. Dort wird jetzt zunächst die Stadt aktiv, um zu koordinieren, was angeboten und was gebraucht wird.

Ab Mittwochmorgen gibt es ein Infotelefon. Ohm-Winter warnte aus Erfahrung vor nicht abgesprochenen Spenden. Gebraucht werde beispielsweise der Jahreszeit angemessene Kleidung. Es gab auch schon konkrete Angebote.

Somogyi machte deutlich, dass die Stadt dabei Unterstützung brauchen werde, derzeit bemüht sich die Verwaltung um Lagerflächen. In den nächsten Tagen soll festgelegt werden, wo Spenden abgegeben werden können. „Wir sind gerade am Aufbau“, so Somogyi. Ein Hilfsangebot kam zum Beispiel von Pfarrer Thomas Peters, der eine Task-Force anbot und Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

Eine Besucherin machte aus ihrer Sorge keinen Hehl. Wie es denn jetzt um die Sicherheit bestellt sei, fragte sie. „Man macht sich ja schon Gedanken“, sagte sie. Bodo Koch versuchte, das zu zerstreuen. Er verwies darauf, dass es seit Öffnung der Neustädter Erstaufnahmeeinrichtung im Mai darin 38 Polizeieinsätze gab. Etwa bei der Hälfe dieser Einsätze habe es danach Ermittlungen gegeben. Die Polizeistation Stadtallendorf werde jetzt durch eine Streife der Wachpolizei verstärkt. Außerdem soll die Polizeipräsenz in Stadtallendorf wie in Neustadt offenbar verstärkt werden.

Ein Besucher, vor Jahrzehnten zugewandert, fand emotionale Worte: „Unterstützen wir die Menschen, die in unsere Stadt kommen. Gastfreundschaft soll nicht nur bei Weltmeisterschaften möglich sein“. Dienstagabend wurden die etwa 80 Rot-Kreuz-Kräfte aus dem Vogelsbergkreis abgelöst, wie Kreissprecher Stephan Schienbein auf Anfrage erklärte. Sie wurden durch Einheiten aus Hersfeld-Rothenburg ersetzt. „Da wir vom Regierungspräsidium noch nichts gehört haben, bereiten wir uns gedanklich darauf vor, den humanitären Auftrag weiter auszuführen, weil es hier um Menschen geht“, sagte Schienbein.

Hilfsangebote: Ab Mittwoch soll Markus Harder von der Stadtverwaltung Stadtallendorf Spenden und Hilfsangebote für die in der Zeltunterkunft lebenden Flüchtlinge koordinieren, Harder ist zu den Bürozeiten des Rathauses unter 06428/707-330 erreichbar.

von Michael Rinde

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