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Neue Quartiere für Flüchtlinge

Stadtallendorf Neue Quartiere für Flüchtlinge

Kurzfristig hat der Landkreis, verantwortlich für die Unterbringung von Flüchtlingen, in Stadtallendorf Häuser in der Posener Straße angemietet.

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Diese Gebäude in der Posener Straße hat der Kreis für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. In der Posener Straße ziehen in den nächsten Wochen weitere Flüchtlinge ein, 11 haben dort Anfang dieser Woche schon ihre Wohnungen bezogen. Bisher beherbergt Stadtallendorf 98 Flüchtlinge, unter anderem in drei Gemeinschaftsunterkünften wie einem früheren Hotel und in drei gemieteten Einzelwohnungen, etwa genauso viele, wie derzeit in der Nachbarstadt Neustadt.

Etwa 180 Flüchtlinge werden es sein, wenn der Kreis die Gebäude in der Posener Straße vollständig nutzt - was immer von der Zahl der jeweils ankommenden Menschen abhängig sein wird.

Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) wurde vorab von den Plänen des Landkreises informiert. Grundsätzlich sieht Somogyi alle Städte und Gemeinden in der Pflicht, ihr Möglichstes zu tun, um ankommenden Flüchtlingen ein geeignetes Quartier anzubieten. „Es ist gut, dass es Immobilienbesitzer gibt, die Wohnraum bereitstellen, um Flüchtlinge unterzubringen“, sagt Somogyi mit Blick auf die Gebäude in der Posener Straße. Die Zahl, die jetzt in Stadtallendorf erreicht werde, liege aber über dem, was die Stadt bisher erwartet habe. Damit steht Stadtallendorf nicht alleine da. Wie die OP berichtete, wurden die Prognosen zu der Entwicklung der Flüchtlingszahlen in der Vergangenheit immer wieder von den Realitäten übertroffen. Das stellt bereits Erstaufnahmeeinrichtung wie in Gießen vor besondere Herausforderungen.

Vor einer Woche hatte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) davon berichtet, dass dem Landkreis derzeit etwa 160 freie Wohnplätze insgesamt zur Verfügung stehen. Darin seien die Wohnungen, die jetzt in der Posener Straße hinzugekommen sind, bereits einbezogen gewesen, sagte Zachow am Freitag gegenüber der OP. Für den Kreis sind die hinzugekommenen Quartiere in der Posener Straße eine glückliche Fügung.

Denn: „Uns fehlen geeignete Plätze für allein lebende Flüchtlinge“, sagt Zachow. In der Gemeinschaftsunterkunft, die in der Posener Straße entstanden ist, sieht er eine Lösung. Dort lebten die Flüchtlinge in eigenen Wohnungen, blieben aber nicht isoliert unter sich, was vielen das Einleben erschwere. Im Regelfalle setzt der Kreis seinem Konzept entsprechend darauf, Flüchtlinge in Einzelwohnungen unterzubringen.

Stadt will mehr Sozialarbeiter

Somogyi hat vom Kreis die Zusage, dass es in Stadtallendorf zumindest in diesem Jahr keine weiteren Gemeinschaftsunterkünfte wie in der Posener Straße geben wird.

Außerdem soll die Zahl von rund 180 Flüchtlingen nicht mehr überschritten werden in diesem Jahr, wie Zachow ergänzt. Stadtallendorfs Magistrat hat sich mit der neuen Unterkunft bereits beschäftigt und die veränderten Zahlen zur Kenntnis genommen.

Mit Sorge sieht Somogyi die Situation bei der Betreuung der Flüchtlinge durch Sozialarbeiter. Vorgesehen ist eine Sozialarbeiterstelle pro 150 Flüchtlinge. „Einen Schlüssel von einem Sozialarbeiter auf 100 Flüchtlingen hielten wir für angemessener. Ehrenamtliche Arbeit kann das nicht alleine auffangen, wenn Menschen, die traumatisiert sind, zu uns kommen“, fasst es Somogyi zusammen. Das Land sei in der Pflicht, für die entsprechende Finanzierung zu sorgen.

Unterstützung vom Büro für Integration

Grundsätzlich hat er dabei auch den Ersten Kreisbeigeordneten auf seiner Seite. Doch der verweist auf die finanziellen Zwänge, unter denen der Kreis steht. Immerhin soll zukünftig ein Sozialarbeiter nur für die Stadtallendorfer Flüchtlinge zuständig sein und sich dabei zunächst auf die neue Unterkunft in der Posener Straße konzentrieren. Zudem wird sich das ohnehin in Stadtallendorf ansässige Büro für Integration verstärkt um diese neu ankommenden Flüchtlinge bemühen.

Die vom Kreis gemieteten Wohnhäuser befinden sich unweit der früheren Herrenwaldkirche. Auch vom Verein „Jumpers“, der dort ein neues Familienzentrum betreibt, könnte sich Zachow in Zukunft Unterstützung vorstellen. In den Gebäuden in der Posener Straße gibt es keinen Platz für Gemeinschaftsräume, so ein Angebot will der Kreis aber in jedem Falle noch schaffen. Im Gespräch mit der OP sieht Somogyi auch einige weitere Herausforderungen für die Infrastruktur der Stadt, etwa bei Schulen und Kindergärten bis hin zur Polizei. Bei der Polizei in Stadtallendorf hat er dabei die Gesamtsituation im Ostkreis angesichts der steigenden Zahlen und der künftigen Erstaufnahmeeinrichtung in Neustadt im Blick. Dort werden in Zukunft bei voller Nutzung der Kasernengebäude bis zu 700 Flüchtlinge leben. Vor diesem Hintergrund hatte Neustadts Bürgermeister Thomas Groll ein Sicherheitskonzept wie auch eine personelle Aufstockung der Polizeistation gefordert, um dem Sicherheitsbedürfnis von Bevölkerung wie auch Flüchtlingen gerecht zu werden.

Für die Schulen im Landkreis sieht Zachow über kurz oder lang ein Raumproblem, da das Land auf Intensivklassen besonders für die Flüchtlingskinder setzt. In Stadtallendorf gebe es bei den Schulen aber bisher keine Engpässe. In Sachen Polizeistation unterstützt Zachow die Wünsche der beiden Ostkreis-Bürgermeister. „Dass man angesichts solcher Bevölkerungszuwächse über Sicherheit spricht, ist richtig und wichtig für alle Beteiligten“, sagt Zachow.

Neues Netzwerk für Neustadt

Es werde Gespräche mit dem Regierungspräsidenten wie auch der Landesregierung dazu geben. Regierungspräsident Dr. Lars Witteck hatte nach Rücksprache mit dem Landespolizeipräsidium ein gemeinsames Streifenkonzept der Polizeistationen Stadtallendorf, Schwalmstadt und Alsfeld zumindest für Neustadt angekündigt.

Ob es Verstärkung für die Stadtallendorfer Station geben wird, ist aber weiter offen. Laut Gabriele Fischer, Sprecherin des Regierungspräsidiums in Gießen, gibt es darüber hinaus noch keinen neuen Sachstand.

Den gibt es aber beim ehrenamtlichen Engagement für die zukünftig in Neustadt ankommenden Flüchtlinge. Der Kreis will voraussichtlich am 23. März ein Netzwerk für die ehrenamtlichen Unterstützer der künftig in Neustadt ankommenden Flüchtlinge gründen. „Wir sind ähnlich wie Bürgermeister Groll von vielen Initiativen und Gruppen angesprochen worden und wir wollen die Neustädter wie versprochen unterstützen“, sagt Zachow.

Zunächst will der Kreis jetzt die Anwohner in der Posener Straße über die neue Stadtallendorfer Gemeinschaftsunterkunft ausführlich informieren. Das soll am 20. März in der früheren Herrenwaldkirche geschehen, Beginn ist voraussichtlich um 17 Uhr, der endgültige Termin wird noch angekündigt.

von Michael Rinde

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