Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Neue Hoffnung für die alte Tanzlinde

Emsdorfer dürfen pflegen Neue Hoffnung für die alte Tanzlinde

Jahrelang mussten die Emsdorfer dem Verfall ihrer 121 Jahre alten Tanzlinde tatenlos zusehen. Jetzt wurde zwischen Kreis und Stadt Kirchhain ein Vertrag unterzeichnet der die Pflege des Naturdenkmals neu regelt.

Voriger Artikel
„Vollgas geben, Spaß haben - dann läuft das“
Nächster Artikel
Kita-Gebühr: Absage ans Stufenmodell

Die Balken für das neue Stützkranzgestell liegen schon bereit. Für die Helfer hatte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (vierte von rechts) schon einmal Getränke mitgebracht. Von links: Ortsvorsteher Winfried Fritsch, Ortsbeiratsmitglied Norbert Otte, die Stadtverordnete Rose-Marie Lecher, Ortsbeiratsmitglied Markus Zimmer, Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner, der Stadtverordnete Hartmut Pfeiffer, Ortsbeiratsmitglied Michael Hahn und Bernd Cegledi von der unteren Naturschutzbehörde.Fo

Emsdorf. „Die Geschichte der „Lönn“ beginnt im Jahre 1894, erst nachdem eine an gleicher Stelle stehende Linde 1892 eingegangen war.“ So ist es in der Emsdorfer Chronik nachzulesen. Daneben sieht man ein Bild aus dem Jahre 1953, das die Tanzlinde in voller Pracht zeigt.

Im Bürgerhaus wurde jetzt ein Vertrag zwischen der Stadt Kirchhain und dem Landkreis unterschrieben, der die Pflichten von Landkreis und Stadt neu regelt. In dem Vertrag verpflichtet sich die Stadt Kirchhain das Naturdenkmal, nach Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, zu pflegen und zu erhalten. Der Pflegevertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren und verlängert sich ohne Kündigung automatisch um ein weiteres Jahr.

Der Landkreis stellt für die Wiederherstellung des maroden Stützgerüstes eine Pauschale von 4 500 Euro für Materialkosten zur Verfügung und vergütet den Pflegeaufwand mit sieben Euro pro Stunde und maximal 350 Euro pro Jahr.

Die Initiative zu der neuen Regelung geht auf den Emsdorfer Stadtverordneten Hartmut Pfeiffer und Ortsvorstehers Winfried Fritsch zurück, die den und den lang gehegten Wunsch des Ortsbeirats, gemeinsam mit dem Verschönerungsverein Emsdorf in Eigenleistung die Pflege der Tanzlinde übernehmen zu dürfen, bei Stadt und Landkreis propagierten.

Halbe Krone fehlt

„Die Mitglieder des Ortsbeirats mussten dem schleichenden Niedergang des Naturdenkmals ,geleitete Linde‘ in Emsdorf tatenlos zusehen“, erinnerte Ortsvorsteher Winfried Fritsch während der Vertragsunterzeichnung im Bürgerhaus. Nachdem sich in den vergangenen Jahren die Aktivitäten des zuständigen Fachbereichs Naturschutz des Landkreises zum Erhalt des inzwischen seiner halben Krone beraubten Baumes auf das Erstellen von Stellungnahmen verschiedener Experten beschränkt habe, wollten die Emsdorfer nun die im Pflegeplan vorgesehenen Arbeiten zum Erhalt des verbliebenen Baumes in Eigenleistung übernehmen, so Fritsch.

Um die geschichtliche Gestaltung des Platzes zu erhalten, habe man bereits eine neue Linde neben der alten Linde gepflanzt. „Begonnen haben wir auch mit der Herstellung einer neuen Stützkonstruktion, sodass der Schutzzaun bald entfernt werden kann. Wir hoffen, dass sich die Linde durch regelmäßige Pflege erholt“, erklärte der Ortsvorsteher.

Rund 15 Helfer hatten für das neue Stützkranzgestell in mühsamer Handarbeit an rund 50 Lärchenbalken die Rinde entfernt, sagte Hartmut Pfeiffer am Rande. Der Stadtverordnete und Holzbau-Unternehmer steht dem Ortsbeirat als beratendes Gastmitglied beiseite. Für erste Arbeiten wurden 224 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet.

Helfer wollten sofort loslegen - Regen dagegen

Neben dem ehemaligen Ortsvorsteher Winfried Kläs und Mitgliedern des Ortsbeirats waren auch zahlreiche Helfer ins Bürgerhaus gekommen. Denn eigentlich sollten mit der Vertragsunterzeichnung auch die Arbeiten an dem neuen Stützgerüst beginnen. Allerdings mussten diese aufgrund des Regenwetters verschoben werden.

Der Pflegeplan sieht im ersten Jahr einen Rückbau der verfaulten Stützbalken und ein Neubau der Einzelabstützungen für die Auslageäste vor. Neben dem Düngen des Bodens, dem Belüften der Wurzeln und anpflanzen von Bodendeckern soll auch ein Rückschnitt der Jungtriebäste erfolgen.

„Es freut mich, dass es nun zu einem guten Ende kommt und die Linde wieder in die Hände der Emsdorfer gelegt werden kann, die sich liebevoll darum kümmern werden“, erklärte Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner. Hartmut Pfeiffer erinnerte an das Jahr 2004, damals habe er zum ersten Mal das Stadtoberhaupt darauf hingewiesen, dass es mit der Linde im Argen sei. Er kritisierte, dass gerade diejenigen, die im Ort Verantwortung übernommen hätten, dafür verantwortlich gemacht worden wären und es geheißen habe „ihr tut doch nichts“, so Pfeiffer.

„Umso schöner, dass sie uns ernst genommen haben“, sagte er in Richtung Zachow. In einem Gespräch sei die Rede von „einer Operation am offenen Herzen“ gewesen, dem müsse er widersprechen, sagte Pfeiffer. Noch sei man, was die Linde angehe, mit der Anamnese beschäftigt. „Wir erleben heute, was die Naturdenkmalpflege angeht, ein Stück Zukunft“, sagte Zachow. Allein schon deshalb, weil der Baum so viele Erinnerungen trage, sei er erhaltenswert und man müsse nun, gemeinsam mit der Bevölkerung, Wege finden das Denkmal zu erhalten. Ermöglicht werde der Pflegevertrag dadurch, weil die Stadt Kirchhain über nötige Qualifikationen verfüge, wichtig sei aber auch die Dorfgemeinschaft, die gesagt habe wir machen das.

von Karin Waldhüter

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr