Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Neue Gesetze, härtere Anforderungen

Feuerwehren in Kirchhain Neue Gesetze, härtere Anforderungen

Die Fortschreibung des Bedarfs- und Entwicklungsplans für die Kirchhainer Feuerwehren stand im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses.

Voriger Artikel
Bewährungsstrafe für "Arschlöcher"
Nächster Artikel
Kunstrasenplatz muss erneuert werden

Einige Feuerwehrleute verfolgten Kernaussagen zum Bedarfs- und Entwicklungsplan der Kirch­hainer Feuerwehren im Haupt- und Finanzausschuss. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Der Tagesordnungspunkt nahm gleich in zwei­facher Hinsicht einen unerwarteten Verlauf. Zunächst beklagte die Stadtverordnete Angelika Aschenbrenner (FDP), dass sie das umfangreiche Werk viel zu spät erhalten habe, um es vor der Sitzung mit der gebotenen Sorgfalt studieren zu können. Es sei für den Ausschuss nicht möglich, unter diesen Bedingungen eine seriöse Beschlussempfehlung zu fassen. Angelika Aschenbrenner regte an, das Thema erst im nächsten Sitzungszug zu behandeln. Der Ausschuss-Vorsitzende Uwe Pöppler ließ Sympathien für diesen Vorschlag erkennen. Es gehe um viel Geld. Da müssten die Stadtverordneten rechtzeitig über die Sachverhalte informiert sein. Die rechtzeitige Information war auch in den vorausgegangenen Ausschüssen moniert worden. Einige Ausschussmitglieder hatten geklagt, dass sie keine oder unvollständige Sitzungsunterlagen erhalten hätten, andere hatten die späte Zustellung moniert.Das offenkundige Problem, das die Stadt mit ihrem neuen Postdienstleister hat, ist auch Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) nicht verborgen geblieben. Er habe kein Problem, die Verabschiedung des Plans in die Sitzung vom 10. Oktober zu verschieben, warb aber dafür, den Vortrag von Stadtbrandinspektor Reinhold Bonacker zu hören. Ausdrücklich würdigte der Bürgermeister den großen ehrenamtlichen Einsatz der Feuerwehr-Führungsriege für den Bedarfs- und Entwicklungsplan, an dem seit 2015 gearbeitet worden sein. Blicke in das Innereder Feuerwehr Die zweite Überraschung bescherte Reinhold Bonacker den Stadtverordneten. Der verlor keinen Silbe über die im Plan festgeschriebenen Investitionen für die Wehren, sondern referierte über den Rahmen, in dem sich die Feuerwehr in Kirchhain derzeit bewegt. Der werde bestimmt durch ständig neue Gesetze, kontinuierlich steigende Anforderungen an die Mitglieder der Einsatz-Abteilung und eine sich wandelnde Feuerwehrtechnik. n Wie schnell ist die Feuerwehr? Laut Reinhold Bonacker gilt in Hessen die gesetzliche Hilfsfrist von zehn Minuten. Binnen zehn Minuten ab Alarmierung muss jeder Einsatzort erreicht werden. Feuerwehrmann und Feuerwehrfrau haben - so die Kalkulation - fünf Minuten Zeit, um den Stützpunkt zu erreichen und die persönliche Schutzkleidung anzulegen. Nach fünf Minuten soll das erste Einsatzfahrzeug ausrücken. In den Stadtteilen werden den meist auswärts beschäftigten Einsatzkräften sieben Minuten bis zum Ausrücken des Fahrzeugs eingeräumt. n Wird die Hilfsfrist überall im großen Kirchhainer Stadtgebiet eingehalten? Nein, es gibt einige weiße Flecken auf der Landkarte, die dem Stadtbrandinspektor aber keine Sorgen machen, weil sie mitten im Wald liegen. Ausnahme: Die B62 zwischen Anzefahr und Bürgeln. Das Problem ist hier der Umstand, dass es zwischen Niederwald und Bürgeln keine Auffahrt auf die Schnellstraße gibt. n Wie ist es um die Tages-Bereitschaft bestellt? Die Bereitschaft ist gewährleistet, auch weil tagsüber immer drei Wehren alarmiert werden, sagte Reinhold Bonacker. Da Sicherheit vorgehe, nehme er es in Kauf, dass eine Mannschaft auch mal unverrichteter Dinge heimkehre. n Gibt es in Kirchhain genügend Feuerwehrleute? Prozentual liegt Kirchhain deutlich über dem Landesdurchschnitt. Das ist für Reinhold Bonacker allerdings nur die halbe Wahrheit. n Wo liegt das Problem? Von ehrenamtlichen Feuerwehrleuten wird zunehmend mehr verlangt. Das Anforderungsprofil für die selbstlosen Retter und Helfer in der Not hat sich deutlich nach oben verlagert, was nach den Beobachtungen des Anzefahrers zu einer gewissen Ausbildungsmüdigkeit geführt habe. Ohne Qualifikation sei eine zahlenmäßig starke Feuerwehr wenig wert, sagte der Stadtbrandinspektor und verwies darauf, dass jedes Auto mit einem Fahrzeugführer und mit Atemschutzgeräteträgern besetzt sein müsse. Beide Qualifikationen erreiche man nur über Ausbildungen. „Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Leute bei der Stange bleiben“, erklärte er. n Was muss die Politik leisten? Persönliche Schutzausrüstung, Fahrzeuge, Geräte und Gebäude müssen den Anforderungen entsprechen. Ein Investitionsstau ist zu vermeiden. Löschwasser muss ausreichend vorhanden sein. Gerade in diesem Punkt gibt es Handlungsbedarf. In Burgholz und in Himmelsberg geben die Hydranten nur wenig her. Deshalb sei verabredet worden, für die Stadtteil-Wehren nur noch Einsatzfahrzeuge mit Löschwassertanks zu kaufen, sagte Olaf Hausmann.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr