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Neue Bleibe für vier Flüchtlingsfamilien

Erfolgreiche Wohnungssuche Neue Bleibe für vier Flüchtlingsfamilien

Die Wohnsituation für 17 der 35 in Rauschenberg untergebrachten Flüchtlinge wird sich demnächst verbessern. Das teilteBürgermeister Michael Emmerich (CDU) gegenüber dieser Zeitung mit.

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Ins Obergeschoss dieses Hauses wird eine Flüchtlingsfamilie einziehen. Das Gebäude steht auf dem Gelände des Gemeinschaftshauses Kratz‘sche Scheune und gehört der Stadt. Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. Derzeit sind die Flüchtlingsfamilien im Hoteltrakt eines Rauschenberger Gasthauses untergebracht. Für die vom Landkreis angestrebte dezentrale Unterbringung in eigenen Wohnungen für die Familien habe die Stadt inzwischen erfolgreiche Wohnungsakquise betrieben. Vermieter hätten ein Wohnhaus mit zwei Wohnungen für je vier Personen, eine Wohnung für vier Personen und eine Wohnung für bis zu sechs Bewohner bereitgestellt. Diese Wohnungen seien am vergangenen Freitag bei Besichtigungsterminen von Vertretern des Landkreises geprüft und für in Ordnung befunden worden, erklärte der Bürgermeister.

Vor dem Bezug sind - so Michael Emmerich - noch Renovierungsarbeiten erforderlich, so dass die betroffenen Familien mit zusammen 17 Personen zwischen Anfang Februar und Mai umziehen können.

Der Bürgermeister stellte klar, dass die Unterkünfte in dem Hoteltrakt auch künftig erforderlich seien. Sie würden im Laufe des Frühjahrs neu besetzt. Das bedeutet: Die Zahl der Flüchtlinge in der Kernstadt steigt auf mehr als 50. Und trotz des schönen Anfangserfolgs müssen auch für diese familiengerechte Wohnungen in Rauschenberg gefunden werden. Deshalb sucht die Stadt weitere Vermieter, die bereit sind, passenden Wohnraum für Flüchtlingsfamilen bereitzustellen - am besten aus der Kernstadt.

„Uns liegen auch Angebote für Objekte aus den Stadtteilen vor, aber das ist im Moment noch sehr schwierig“, sagt der Bürgermeister und verweist auf die fehlende Mobilität der Flüchtlinge auf der einen Seite und auf die für den täglichen Bedarf nicht ausreichende Infrastruktur in den Stadtteilen auf der anderen Seite. Auf dem Dorf mache Nachbarschaftshilfe vieles möglich. Einer Dorfgemeinschaft sei es aber nicht zuzumuten, einen Fahrservice zu organisieren, um Flüchtlinge zum Einkaufen, zum Arztbesuch oder für den Gang in die Apotheke in die Kernstadt zu fahren.

Zugleich schloss der Bürgermeister nicht aus, dass Flüchtlingsfamilien eines Tages auch in den Stadtteilen leben. Dazu müsse aber zuvor über einen Shuttle-Service die notwendige Infrastruktur geschaffen werden. Den könne die Stadt nur im Zusammenspiel mit dem Landkreis verwirklichen, sagte der Kämmerer.

Die Unterbringung der Flüchtlinge in Wohnungen bringt für die Stadt übrigens kein finanziellen Risiko. „Finanziell sind wir aus der Sache raus“, betont Emmerich. Der Grund: Sämtliche Vermieter haben sich gegen das „Marburger Modell“ und für einen direkten Vertrag mit dem Landkreis entschieden. Das bedeutet: Die Vermieter erhalten vom Landkreis pro untergebrachten Flüchtling eine monatliche Pauschale, die nicht nur für die Miete, sondern auch für sämtliche Nebenkosten reichen muss. Bei dem Marburger Modell ist die Stadt als Mieter Vertragspartner der Vermieter. Bemessungsgrundlage für die Miete ist die Größe der Wohnung. Die Stadt bekommt die Miete vom Landkreis erstattet und erhält eine Nebenkosten-Pauschale. Diese muss aber - und da liegt das Risiko - nicht unbedingt kostendeckend sein.

Seit fast einem Jahr leben Asylbewerber in der Stadt. Die zum Teil christlichen Familien stammen aus Afghanistan, dem Iran, Mazedonien, Tschetschenien, Eritrea und Äthiopien. Während die öffentliche Hand die Grundbedürfnisse der Asylsuchenden befriedigt, versuchen Rauschenberger Bürgerinnen und Bürger mit ehrenamtlichen Engagement, die neuen Bürger der Stadt aus ihrer Isolation herauszuführen und deren Lebensqualität zu verbessern.

Dazu haben sich die rund 30 Helfer zum Rauschenberger Arbeitskreis Flüchtlingshilfe zusammengeschlossen. Diese versuchen, den Flüchtlingen beim Lösen von Alltagsproblemen zu helfen, bieten aber auch regelmäßige Hilfen wie die Kleinkindbetreuung an. Koordiniert wird diese Arbeit von Gundel Neveling. Die pensionierte Pfarrerin steht auch für den wichtigsten Dienst: Sie gibt den Flüchtlingen ehrenamtlich Deutschunterricht.

von Matthias Mayer

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