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Neue Bewohner in alter Kaserne

Stadtallendorf Neue Bewohner in alter Kaserne

Einiges in der Stadtallendorfer Erstaufnahmeeinrichtung spielt sich nach dem Umzug aus dem damaligen Zeltcamp in die Hessen-Kaserne noch neu ein.

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Ein Kind winkt aus einem der Zimmer in diesem umgebauten Kasernengebäude. Fotos: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Die historischen Panzer an der Kasernenzufahrt und die aus der Ferne herüberhallenden Schüsse von einem Übungsschießen an der Schießanlage sind die äußeren Zeichen dafür, dass Flüchtlinge, ihre Betreuer und die Bundeswehr weiterhin auf engem Raum zusammenleben. Hinzu kommen die Zäune, die die noch von der Truppe genutzten Gebäude und die Flüchtlingsunterkünfte voneinander trennen. Aber: „Das Miteinander läuft reibungslos“, sagt Michael Höhl, Standortleiter des Regierungspräsidiums Gießen. Über das beinahe tägliche Übungsschießen werde immer wieder mit den Flüchtlingen gesprochen, berichtet Höhl. Bisher gebe es weder direkt noch über die Dolmetscher oder Betreuer kritische Rückmeldungen deshalb.

EAE Hessenkaserne Stadtallendorf Januar 2016. Foto: Nadine Weigel

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Wenige Tage vor Weihnachten waren Bewohner des Zeltcamps in die innerhalb von Wochen hergerichteten Kasernengebäude umgezogen. Aktuell leben 425 Menschen in drei Gebäuden. Am Dienstag kamen 131 Menschen aus einer Alsfelder Notunterkunft in Stadtallendorf an. Bekanntlich löst das Land derzeit Notunterkünfte Zug um Zug auf. Auch in Stadtallendorf gibt es noch Platz. Momentan kann die „Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen“ bis zu 540 Menschen aufnehmen. Die derzeitigen Bewohner stammen aus elf Ländern, 166 von ihnen sind Syrer, gefolgt von 97 Afghanen und 95 Irakern. „Das spiegelt genau die landesweite Situation wider“, sagt Gabriele Fischer, Sprecherin des Regierungspräsidiums Gießen. In wenigen Tagen ist ein weiteres, sehr wichtiges Gebäude bezugsfertig. Wo früher Soldaten für Lehrgänge der ZAW-Betreuungsstelle lernten, gibt es dann Kinderbetreuung, Sprachkurse und Alltagstraining, angeboten vom Betreiber DRK.

Für jeden Toilettengang müssen Bewohner ins Freie

All das gibt es jetzt zwar auch, doch mangels Platz noch etwas eingeschränkt. „Die Fertigstellung des Gebäudes war unser größtes Anliegen“, sagt Höhl. Provisorisch teilen sich Kleiderkammer und Kinderbetreuung einige Räume in einem anderen Gebäude. Johanna Hosseini spielte dort gestern Morgen mit Sadegh, Majtaba und Neajin. Die 13, 8 und 10 Jahre alten Kinder kommen aus Afghanistan, sind seit gut zwei Wochen in Stadtallendorf untergebracht. Wie finden sie ihre Unterbringung und wie finden sie Stadtallendorf? „Alles ist sehr groß“, antworten die drei. Flüchtlingshelferin Johanna Hosseini übersetzt. Sie stammt selbst aus dem Iran, kam 2011 nach Deutschland, ist eigentlich gelernte Schneiderin und spricht beinahe perfekt Deutsch.

„Das Interesse an Sprachkursen ist unglaublich groß“, berichtet Ali Hussan vom DRK. Im Camp seien zwischen 90 und 120 Besucher zum täglichen Kursangebot gekommen.

Beim Rundgang durch die Unterkunft wird deutlich, wie weitläufig das Gelände ist. Zahlreiche Bewohner machen sich beim Besuch der OP am Mittwochmorgen grade auf den Weg von ihren Unterkünften durch die Kaserne, über den früheren Mobilmachungs-Stützpunkt bis zur Scharnhorststraße. Von dort geht es dann in die Stadt. Ein weiter Weg.

Iraner, die die OP später in der Niederrheinischen Straße wiedertrifft, klagen nicht über den weiten Weg. So hätten sie wenigstens was zu tun und Bewegung. Die Unterbringung gefällt ihnen. Es gibt aber auch ein Manko aus ihrer Sicht: Da die Kanäle und Leitungen unter den früheren Unterkunftsgebäude marode waren, ließen sie sich nicht mehr nutzen. Für eine Sanierung fehlte im vergangenen Spätherbst die Zeit.

Darum müssen alle Bewohner die Sanitär- und Waschcontainer an der Durchfahrt vor den Gebäuden nutzen - und das für jeden Toilettengang auch in der Nacht. Bei den weiteren Gebäudeumbauten bei den nächsten Bauabschnitten soll das anders laufen. Dort sollen dann auch die Sanitäreinrichtungen innen wieder benutzbar gemacht werden. Ihr Essen bekommen die Bewohner im früheren Mannschaftsheim. Bis zu 200 Flüchtlinge können dort gleichzeitg versorgt werden. Mehr sind in einem Durchgang nicht möglich, die Belüftung wird noch erneuert. Das Essen liefert ein Unternehmen aus Fulda, in Wärmeschränken wird es aufgewärmt.

  • Ehrenamtliche Helfer werden weiter gesucht. Wer Interesse an ehrenamtlichem Einsatz hat, kann sich beim DRK vor Ort unter der zentralen Nummer 0151/26227865, melden.

von Michael Rinde

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