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Narren holen Schlüssel mit Drehleiter ab

Rathaus-Erstürmung Narren holen Schlüssel mit Drehleiter ab

Trotz erbittertem Widerstand der Rathaus-Verteidiger haben die Stadtallendorfer Narren am Rosenmontag wieder das Zepter übernommen - auch Dank "heldenhafter" Unterstützung.

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Bürgermeister Christian Somogyi gibt auf. Prinzessin Tanja I. hält den großen Rathausschlüssel in der Hand.

Stadtallendorf. Die Narrenschar wuchs ständig an, am Ende dürften es deutlich über 100 Kostümierte gewesen sein. An den Fenstern des Bürgermeister-Büros hatte sich der Magistrat versammelt. Bürgermeister Christian Somogyi wusste dabei Polizeiführung, Heinz Frank, Leiter der Polizeistation Stadtallendorf und mit Brigadegeneral Stephan Thomas sogar den stellvertretenden Kommandeur der Division Schnelle Kräfte auf seiner Seite.

Es kam trotzdem alles wie immer, am Ende hielten Prinzessin Tanja I. und Prinz René I. den symbolischen Rathausschlüssel in der Hand. Der Weg dorthin führte sie - eine Premiere beim Stadtallendorfer Rathaussturm, durch die Luft. Möglich wurde das Dank der tollen Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Stadtallendorf.

Und so fuhren die Stadtallendorfer Narren, federführend wie in jedem Jahr der FCKK beim Rathaussturm, ihr schwerstes Geschütz auf: die Drehleiter. Im Rettungskorb schwebten Prinzessin und Prinz fast bis vor das Gesicht eines nunmehr hilflosen Bürgermeisters. Der gab dann auch prompt auf. Somogyi reichte unter dem Jubel der Narren den Rathausschlüssel weiter.

Wie gewohnt politisch: Auch ernste Forderungen

Dass der Karneval in Stadtallendorf durchaus politisch und alltagsnahe ist, hatte sich vor diesem Finale des Kampfes um das Rathaus aber auch gezeigt. Auch das hat Tradition. Die Narren aus Stadtallendorf, Schweinsberg und Niederklein hatten klare Forderungen an die da noch kampfbereite Rathausführung. Einige Kostproben: Die Narren forderten für die Kinder süße Waren aus heimischer Produktion vom Magistrat. Somogyis Konter: „Wir werden mal bei der Firma Winter fragen, ob es dort auch süße Bremsscheiben gibt.“ Am Ende des Rathaussturmes gab es allerdings Süßigkeiten von Ferrero in Hülle und Fülle.

Weniger „nett“: Wieder einmal forderte das tanzfreudige Narrenvolk eine bessere Beleuchtung zwischen Künstlergarderobe und Bühne in der Stadthalle. Somogyi versprach Hilfe, zur Not eine Straßenlampe als Übergangslösung.

Auch sehr ernst gemeint war die Forderung des Seniorenbeirates, in der Stadtmitte endlich eine „nette Toilette“ zu schaffen. Es ist ein dringendes Anliegen der Seniorenvertreter, dass sie bereits seit Jahren immer wieder formulieren. Ja, das Geld stehe im Haushalt. „Mit dem Haushalten ist das aber so eine Sache“, räumte Somogyi ein.

Den Schweinsberger Narren war es nicht möglich, mit einem Bus zur Sitzung ihrer Freunde in Neustadt (Aisch) zu fahren. Das hatte auch ernste, finanzielle Hintergründe. Weil das Bürgerhaus weiterhin geschlossen bleibt, mussten die Narren einen Saal mieten und deutlich mehr Geld in die Hand nehmen. Bei der nächsten Kampagne, so das Versprechen des jetzt vorübergehend abgesetzten Bürgermeisters, soll ein städtischer Bus als Entschädigung für diese Fahrt genutzt werden können.

Natürlich wurde intensiv aufeinander „geschossen“ und geworfen, es flogen Konfetti und Kamellen von oben auf die Angreifer. Fast wäre es dem Bürgermeister auch noch gelungen, die Narren musikalisch in die Knie zu zwingen. Als er aufgefordert war, die beiden Lieder des FCKK-Prinzenpaares nachzusingen, na ja, da bekam er die närrisch-seriöse Empfehlung, vor der nächsten Kampagne doch Gesangsunterricht zu nehmen. Gewohnt souverän führte Sitzungspräsident Norbert Naumann die Narren verbal in die Schlacht, unterstützt von seiner Mit-Präsidentin Christel Rohm-Naumann und weiteren Akteuren.

von Michael Rinde

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